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Choreograf Martin Schläpfer erhält den grossen St.Galler Kulturpreis

Der St.Galler Choreograf Martin Schläpfer wird von der St.Gallischen Kulturstiftung ausgezeichnet. Er erhält den mit 30'000 Franken dotierten grossen Kulturpreis, der alle drei Jahre verliehen wird. Schläpfer gilt als einer der bedeutendsten Choreografen der Gegenwart. Seine Weltkarriere startete in St.Gallen durch eine zufällige Begegnung.
Julia Nehmiz
Choreograf Martin Schläpfer trat im Mai 2019 an der Ausserrhoder Kulturlandsgemeinde im Zeughaus Teufen auf. (Bild: Michel Canonica)

Choreograf Martin Schläpfer trat im Mai 2019 an der Ausserrhoder Kulturlandsgemeinde im Zeughaus Teufen auf. (Bild: Michel Canonica)

Er gilt als einer der bedeutendsten Ballettchoreografen der Gegenwart. Er sei ein Erneuerer mit Bodenhaftung, radikal, kompromisslos und dennoch nah am Menschen. So beschreibt die St.Gallische Kulturstiftung den Tänzer und Choreografen Martin Schläpfer.

Die St.Gallische Kulturstiftung verleiht Schläpfer den grossen Kulturpreis für dessen künstlerische Leistungen im klassischen, modernen und zeitgenössischen Ballett. Die Verleihung findet am 2. Dezember in St.Gallen statt.

Anstelle der luftigen apollinischen Danceuse lasse Schläpfer die Tänzerinnen Spitzenschuhe in den Boden rammen, als wären es Werkzeuge, um den Boden zu beackern, um unter die Oberfläche zu gelangen. Tanz, wie er ihn vorantreibe, sei eine Sprache, die den heutigen Herausforderungen entgegentrete, sie annehme, nicht wegschaue.

Der Preis aus der Heimat ist besonders

Martin Schläpfer kommt direkt aus einer Probe, seine letzte Premiere am Ballett am Rhein in Düsseldorf feiert in vier Wochen Premiere. Trotzdem nimmt er sich Zeit für ein kurzes Telefoninterview. Er freut sich riesig über den Preis, sagt der 59-Jährige, der doch schon mit etlichen Preisen ausgezeichnet wurde.

Doch der Preis der St.Gallischen Kulturstiftung sei etwas ganz Besonderes.

«Ich finde das wunderbar, es freut mich wirklich, weil es ein Preis aus meiner Heimat ist. Nicht aus der Schweiz, sondern aus St.Gallen, aus meinem Kanton.»

Das bedeute ihm viel. Ein wunderbares Zeichen aus der Heimat, eine Anerkennung seiner Arbeit. Ihn freue auch, dass es nicht ein Preis aus der Tanzszene sei, sondern der grosse Preis, der alle drei Jahre verliehen wird und Kunstschaffende aus allen Sparten berücksichtigt.

Dass der Preis dotiert ist, findet Schläpfer «grandios». Es sei beim Tanz eher selten, dass ein Preis dotiert ist. Was er mit den 30'000 Franken Preisgeld mache, weiss er aber noch nicht.

Und noch etwas freut ihn: Dass durch die Preisverleihung erstmals zwei Werke von ihm in der Ostschweiz gezeigt werden. Das war Schläpfer wichtig:

«Wenn man so einen Preis erhält, will man etwas zurückgeben. Einen kleinen Dank zurück an meine Heimat. »

Schläpfer hat für die Preisverleihung das von ihm kreierte Solo «Ramifications» ausgewählt («das zeigt, wie ich mit zeitgenössischer Musik umgehe und mit Spitzenschuh») und einen Pas de deux aus den Tänzen von Franz Schubert («das zeigt eine ganz andere Facette meiner Arbeit, weicher, mehr Humor, poetischer, versöhnlicher»).

Erinnerungen an den Fall Milo Rau

Corinne Schatz, Präsidentin der St.Gallischen Kulturstiftung, hebt das wichtige, innovative Werk von Martin Schläpfer hervor, das er bisher erschaffen habe und weiterhin erschaffen werde. Dass mit Schläpfer ein Künstler ausgezeichnet wird, der nicht in der Ostschweiz lebt und arbeitet, könnte vielleicht umstritten gesehen werden, sagt sie.

«Es soll ein Zeichen sein, jemanden wahrzunehmen, der in der Ferne sein Schaffen erst verwirklichen kann.»

Schatz hebt die Verbundenheit Martin Schläpfers mit der Ostschweiz hervor. So pflege er enge Kontakte zu seiner Familie in der Region. Und an der letzten Ausserrhoder Kulturlandsgemeinde trat er an einem Podium auf.

Das nun ein auswärts arbeitender Künstler mit dem herausragendsten Kulturpreis des Kantons St.Gallen geehrt wird, weckt Erinnerungen an den Fall Milo Rau. Der renommierte Regisseur mit St.Galler Wurzeln (Rau ist in der Stadt St.Gallen aufgewachsen) sollte vergangenes Jahr von der Kulturkommission mit dem Grossen Kulturpreis der Stadt St.Gallen ausgezeichnet werden. Die Stadtregierung, die den Entscheid fällt, sah das anders. Die «sichtbaren kulturellen Fussabdrücke in der Stadt» des Regisseurs seien zu klein.

Corinne Schatz kann und will nicht sagen, ob Milo Rau nun als potenzieller Kandidat für den kantonalen Grossen Kulturpreis diskutiert worden sei. «Sie verstehen, dass wir nicht über Kandidatinnen und Kandidaten informieren.» Im Gegensatz zum Kulturpreis der Stadt St.Gallen liege die Entscheidung über Preisträger beim Kulturpreis der St.Gallischen Kulturstiftung alleine bei den elf Mitgliedern des Stiftungsrats.

Passion, Neugierde, Grenzen erweitern

Für Martin Schläpfer geht es nach der Preisverleihung in St.Gallen direkt weiter an die Staatsoper Wien. Dort steht die erste Bauprobe an für seine Choreografie, mit der er seinen Einstand geben wird als neuer Ballettdirektor der Staatsoper. Dorthin wurde er berufen, um das Ballett zu erneuern.

Was sein Schaffen auszeichnet: «Der klassische Tänzer von heute muss wissen, was in der Welt geschieht», sagt Martin Schläpfer. Er verlangt von seiner Kompanie, was er auch von sich selber fordert: Passion, Neugierde, das Bedürfnis, Grenzen zu erweitern und dabei sich selber zu bleiben. Nur so könne der Tanz überleben. Tanz, der nicht als linearer Ablauf zu verstehen sei, sondern energetisch.

Beim Schlittschuhlaufen sein Talent entdeckt

Dass es Martin Schläpfer bis zum Direktor des Wiener Staatsballetts schafft, ist eigentlich einem wahnwitzigen Zufall zu verdanken. Am 26. Dezember 1959 in Altstätten geboren, beginnt Martin Schläpfer erst als 15-Jähriger die Ballettausbildung in St.Gallen. Die Ballettlehrerin Marianne Fuchs hatte ihn beim Schlittschuhlaufen entdeckt und angesprochen.

Die unorthodoxe Lehre in St.Gallen war ein wichtiger Beginn seiner Karriere, sagt Martin Schläpfer. Nach nur eineinhalb Jahren Unterricht bei Marianne Fuchs gewinnt er beim Prix de Lausanne ein Stipendium für die Royal Ballet School in London. Schläpfer avanciert zum Solotänzer in Basel und im kanadischen Winnipeg, gründet eine Ballettschule, und wird 1994 als Direktor ans Berner Ballett berufen. Zwischendurch hadert er und will alles hinschmeissen. Doch er arbeitet sich aus den Zweifeln her­aus, mehr noch: Er verhilft dem Ballett Mainz, das er von 1999 bis 2009 leitet, zum Durchbruch.

Auch das Ballett am Rhein in Düsseldorf und Duisburg, das er seit 2009 leitet, feiert unter Schläpfer seine grössten Erfolge. Nach Bekanntwerden von Schläpfers Berufung an die Staatsoper Wien fürchtet man dort einen Bedeutungsverlust. Durch Schläpfer wurde das Ballett am Rhein zu einer der führenden Compagnien in Europa.

Öffentliche Preisverleihung

Der Grosse St. Galler Kulturpreis wird alle drei Jahre verliehen. Die letzten Preisträger waren der Soziologe Peter Gross (2016), die Künstlerin Manon (2013), der St. Galler Clown Pic (2010), die Grabser Videokünstlerin Pipilotti Rist (2007) und der St. Galler Aktionskünstler Roman Signer (2004). Der Preis ist mit 30'000 Franken dotiert. Die öffentliche Preisverleihung findet am 2. Dezember in der Lokremise St.Gallen statt.

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