Chefdirigent muss Konstanz verlassen

Er wollte gerne länger bleiben, muss nun aber nach fünf Jahren gehen: Chefdirigent Ari Rasilainen fühlt sich von der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz und von der Stadt übergangen.

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Der Finne Ari Rasilainen ist seit 2016 Chefdirigent der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz - und muss nun 2021 das Orchester verlassen.

Der Finne Ari Rasilainen ist seit 2016 Chefdirigent der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz - und muss nun 2021 das Orchester verlassen.

Bild: PD

Die Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz will neue Impulse – und einen neuen Chefdirigenten. Die Stadt Konstanz teilte am 31.Januar mit, dass der Vertrag des Chefdirigenten der Südwestdeutschen Philharmonie, Ari Rasilainen, nicht verlängert wird. Orchester und Intendantin hätten entschieden, den Vertrag mit dem 60-jährigen Finnen nicht zu verlängern, der Gemeinderat habe dem zugestimmt.

Intendantin Insa Pijanka sagte im «Südkurier», dass ein Wechsel wichtig sei, damit das Orchester sich weiterentwickeln könne. Die Entscheidung sei aber keine Kritik an der künstlerischen Leistung Rasilainens.

Rasilainen, seit 2016 in Konstanz, äusserte im «Südkurier» hingegen Unverständnis gegenüber dem Entscheid. Er wäre gerne länger Chefdirigent geblieben. Der Vorgang sei keineswegs konfliktfrei abgelaufen, er fühle sich im Prozess der Entscheidungsfindung nicht genügend in Gespräche eingebunden. Eine angekündigte Aussprache habe nicht stattgefunden. Das Votum des Orchesters für oder gegen ihn sei mit 50 zu 50 Prozent nicht eindeutig ausgefallen.

Intendantin als Zünglein an der Waage

«Wir waren uns aber immer einig, dass ein Chefdirigent für eine Verlängerung eine Mehrheit im Orchester braucht, und die lag nicht vor», erklärte Intendantin Insa Pijanka im «Südkurier». Eine Mehrheit sei immer noch 50 plus 1.

An diesem Punkt komme ihre Einschätzung ins Spiel. «Ich habe ja auch eine Stimme. Und ich bin der Meinung, dass man gerade in einer Verlängerungssituation ein sehr deutliches positives Votum braucht, sonst wird die Zusammenarbeit über längere Zeit sehr problematisch im Alltag. Wenn Sie so wollen, war ich also das Zünglein an der Waage».

Das Orchester stehe aufgrund seiner Altersstruktur vor grösseren Umbrüchen und somit müsse die Ausrichtung des Orchesters neu gedacht werden, so Pijanka. Da Rasilainen sieben von zehn Abo-Konzerte dirigiere, gäbe es aber kaum Chancen für notwendige Wechsel und Gastdirigenten.

Rasilainens Vertrag endet nun zum August 2021. Die Saison 2021/22 wird ohne Chefdirigent gespielt, dann sollen mögliche Nachfolge-Kandidaten die Südwestdeutsche Philharmonie dirigieren. Spätestens in der darauffolgenden Saison soll ein neuer Chefdirigent gefunden sein. (red)