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Interview

Chansonnier Michael von der Heide: «Dank meines sonnigen Gemüts habe ich mich nie unterkriegen lassen»

Er ist der berühmteste Sohn von Amden: Der erfolgreiche Sänger Michael von der Heide spricht im Interview über armeefreundliche Nonnen, Telefonstreiche und musikalische Rehe.
Andreas Ditaranto
Am 6.September erscheint das zwölfte Album von Michael von der Heide. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Am 6.September erscheint das zwölfte Album von Michael von der Heide. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Wir treffen uns hier in Weesen am Walensee, wo Sie zur Schule gegangen sind, im benachbarten Amden sind Sie aufgewachsen. Welche Gefühle verbinden Sie mit Ihrer Ostschweizer Heimat?

Michael von der Heide: Es ist idyllisch hier. Meine Eltern leben ja heute noch in Amden, das erfüllt mich richtiggehend mit Rührung. Es sind fast schon nostalgische Gefühle, die mich befallen. Ich bin in einem tollen Ort aufgewachsen, und die Schulzeit in Weesen als Teenager war aufregend. Mit 16/17 war mir das noch nicht so bewusst – ich war froh, wegzukommen.

Es ist einiges Autobiografisches im neuen Album «Rio Amden Amsterdam» verpackt. War das von Anfang so geplant?

Es hat sich so ergeben – ich kann ja auf einen ziemlich grossen Erfahrungsschatz zurückgreifen. (schmunzelt) Wie ein offenes Buch möchte ich aber andererseits auch nicht sein, das wäre ja langweilig ganz ohne Geheimnisse.

Sie sind reformiert, wollten aber katholischer Priester werden. Die Ausbildung machten Sie als Krankenpfleger. Erzählen Sie...

In der katholischen Kirche gefiel es mir viel besser: All die schönen Gewänder und das glitzernde Gold, der Weihrauch – und ich durfte da nicht mitmachen! Damals dachte ich wohl, wenn, dann werde ich gleich Chef hier. Ich weiss noch, dass meine Mutter daraufhin sagte: «Aber dann kannst du nicht Michaela, die Nachbarstochter, heiraten...» Krankenpfleger wurde ich, da ich das nach der Sek als sinnvolle Tätigkeit empfand. Ins Gymi wollte ich nicht – Mathe, Physik waren nicht mein Ding –, auch einen Bürojob konnte ich mir nicht vorstellen. In St.Gallen waren damals noch Nonnen für die Krankenpflege-Ausbildung zuständig; die sagten jedoch, ich müsse zuerst «reifer» werden und das Militär machen... Das kam für mich als Pazifist nicht in Frage, so machte ich die Ausbildung dann halt in Winterthur.

Schliesslich wurden Sie Sänger.

Das war schon als Kind mein Traum. Als ich mit neun Jahren Paola am Eurovision Song Contest (damals «Concours Eurovision de la Chanson») im TV sah, sagte ich zu meinen Eltern:

«Ich will später auch Sänger werden, ebenfalls am ESC teilnehmen – und Paola heiraten. »

Zwei Pläne konnte ich in die Tat umsetzen, beim dritten Punkt sind wohl alle Beteiligten froh, dass es nicht so gekommen ist. (lacht)

Ihre besondere Beziehung zu Paola Felix ist bekannt. Welche Poster hingen in Ihrer Jugendzeit in Ihrem Zimmer?

Von Paola hatte ich sowohl «Bravo»- Poster als auch Autogrammkarten. Wir machten häufig Telefonjuxe, riefen auch schon mal beim Ehepaar Felix an – getrauten uns aber nicht, etwas zu sagen und legten auf. Neben Paola hatte ich unter anderem Poster von Kim Wilde, Madonna, Jennifer Rush, Shakin’ Stevens, Duran Duran und a-ha an der Wand hängen. Und zu einem Konzert von Jennifer Rush organisierte ich in der Sek sogar eine Klassenfahrt ins Hallenstadion!

Auch auf den Theaterbühnen feiern Sie international Erfolge. Welche Rolle würden Sie bei einer Hollywood-Neuverfilmung gerne übernehmen?

Hm, vielleicht «Dick Tracy»? Vorerst bin ich aber weiterhin mit Christoph Marthalers Inszenierung «King Size» auf grosser Tour – zuletzt waren wir unter anderem in Brasilien und Chile, nächstes Jahr geht es auf die Theaterbühnen in Frankreich und Japan.

Am 16.Oktober werden Sie 48. Machen Sie sich bereits Gedanken über das Leben über 50?

Nein, gar nicht. Ich muss ohnehin immer nachrechnen, wie alt ich werde.

Singen Sie unter der Dusche?

Ja, und noch lieber im Wald. Nahe unserer Wohnung in Rümlang gibt es ein grosses Waldstück, wo ich regelmässig spazieren gehe – egal, wie das Wetter gerade ist. Die Rehe dort kennen mich jedenfalls schon und hauen nicht ab, wenn ich mich einsinge.

Sie sind immer offen zu Ihrer Homosexualität gestanden. Gab es viele Anfeindungen?

Ja, und die gibt es immer noch. Dank meines sonnigen Gemüts habe ich mich dadurch aber nie unterkriegen oder aufhalten lassen.

Am 25.Oktober tritt Michael von der Heide im Kulturforum Amriswil auf. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Am 25.Oktober tritt Michael von der Heide im Kulturforum Amriswil auf. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Seit über einem Vierteljahr­hundert sind Sie glücklich liiert mit dem Designer Willi Spiess. Ihr Rezept für eine lang anhaltende Liebesbeziehung?

Wir liessen den anderen so, wie er ist – den Partner nicht ständig ändern wollen. Im Grunde sind wir ziemlich gegensätzlich und noch immer interessiert aneinander. Einen Vorsatz haben wir: kein Streit über Belangloses.

Sie haben einen Hauskater namens Sämi. Möchten Sie manchmal mit ihm tauschen?

Nein, er hat nur noch ein Auge und ist mit 16 Jahren schon sehr alt...

Zur Person

Michael von der Heide, aufgewachsen im sankt-gallischen Amden am Walensee, wurde am 16.Oktober 1971 als Sohn eines Deutschen und einer Schweizerin geboren. Nach der Sekundarschule (Weesen) machte er in Winterthur eine Ausbildung als Krankenpfleger. Schliesslich setzte er als Chansonnier ganz auf die Karte Musik. «MvdH», der ausserdem in diversen Theaterproduktionen mitspielte, erhielt sowohl den Prix Walo wie auch den Deutschen Kleinkunstpreis. 2010 vertrat er die Schweiz am Eurovision Song Contest in Oslo. Michael von der Heides neues, zwölftes Album «Rio Amden Amsterdam» mit stimmigen Jazz- und Chanson-Elementen erscheint am 6.September. Am 25.Oktober tritt Michael von der Heide im Kulturforum Amriswil auf.

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