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CHANSON: Poesie trifft auf Ironie

Mit Jacques Brel und Hildegard Knef stellt das Theater Parfin de Siècle das französische Chanson dem deutschen gegenüber. Regine Weingart präsentiert die beiden Herangehensweisen der Chansonniers ans Leben.
Mirjam Bächtold
Pianist Bernhard Ruchti und Chanson-Interpretin Regine Weingart. (Bild: Mirjam Bächtold)

Pianist Bernhard Ruchti und Chanson-Interpretin Regine Weingart. (Bild: Mirjam Bächtold)

Als Regine Weingart zum ersten Mal eine Aufnahme Hildegard Knefs hörte, hat die Sängerin sie «nicht vom Sockel gehauen». «Die schnoddrige Art und die Stimme gefielen mir anfangs nicht», sagt die Schauspielerin und Sängerin. Und doch widmet sie Knef nun einen Liederabend, mit dem Titel von deren ersten Langspielplatte «So oder so ist das Leben». Begleitet wird sie ­dabei von Bernhard Ruchti am Flügel. «Die Faszination lag für mich in Knefs Charakter. Sie war eine herzenswarme und ängst­liche Frau, die sich selbst zu einer Art Vamp stilisiert hat und diese Rolle dann durchzog.»

Ein Auswahlkriterium für ­Hildegard Knef war die ähnliche Stimmlage: Regine Weingart hat ebenfalls eine rauchige Stimme. Die amerikanische Jazzsängerin Ella Fitzgerald hat einmal über Hildegard Knef gesagt, sie sei die beste Sängerin ohne Stimme. Weingart ergänzt: «Sie konnte zwar nicht singen im eigentlichen Sinn, aber sie hatte eine sehr ­charaktervolle Stimme.» Regine Weingart liegt besonders das französische Chanson am Herzen. Deshalb hat sie auch den bel­gischen Chansonnier Jacques Brel ins Programm aufgenommen, der im Paris der 1950er- und 60er-Jahre Karriere machte.

Die unerfüllte Liebe ist Dauerthema

Weingart singt die Lieder abwechselnd und stellt so das französische dem deutschen Chanson gegenüber. Mit Texten über die Sänger und die Situation der damaligen Zeit führt sie von Lied zu Lied. Wären die beiden Chansonniers damals gemeinsam aufgetreten, wäre das im Europa der Nachkriegszeit ein politisches Statement für die Versöhnung ­gewesen. «Heute ist es eine Kombination von zwei der grössten Sänger ihres Fachs», sagt Weingart. Hildegard Knef wurde zuerst Schauspielerin, wurde dann als Sängerin entdeckt und hatte in den 1960er-Jahren mehrere Lieder in der Hitparade. Jacques Brel versuchte sich als Chansonnier in Paris, wo er zuerst wenig erfolgreich war. Erst als er für die erkrankte Marlene Dietrich im Club «Olympia» einspringen durfte, begann seine Karriere. Den Durchbruch schaffte er 1956 mit «Quand on n’a que l’amour» (Wenn man nichts hat als Liebe). Die Liebe – meist die unerfüllte – zieht sich durch Jacques Brels ­Lieder. Während er mit einer blumigen, poetischen Sprache sehr gefühlsbetont singt, kommen Hildegard Knefs Lieder mit einer ironischen Leichtigkeit in nüchterner Sprache daher. «Trotzdem passen die beiden gut zusammen. Es sind zwar unterschied­liche Ansätze, aber letztlich schrieben beide über das Leben», sagt Weingart. Dass sie sich auf der Bühne wohlfühlt, sieht man. «Ich war früher wie Knef ein zurückgezogenes, ängstliches Kind. Nur auf der Bühne, da war mir alles Wurst», sagt sie. Da habe sie vieles ausleben können. Deshalb hat sie von der Versicherungsbranche schnell auf die Bühne gewechselt. In «So oder so ist das Leben» interpretiert sie die beiden Chansonniers überzeugend und lässt mit dem Liederabend die Kultur der Nachkriegszeit wieder lebendig werden.

Mirjam Bächtold

ostschweizerkultur@tagblatt.ch

Premiere: Fr, 5.1., 20 Uhr, www.parfindesiecle.ch

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