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CHANSON: Der Reiz dorniger Rosen

Unter dem Titel «So oder so ist das Leben» berührt Regine Weingart im St. Galler Parfin de siècle mit Liedern von Hildegard Knef und Jacques Brel. Bernhard Ruchti als sensibler Pianist hat eine spezielle Rolle.
Martin Preisser
Arrangieren, improvisieren, sensibel reagieren: Chansons untermalen ist für Pianist Bernhard Ruchti eine besondere Aufgabe. (Bild: Benjamin Manser)

Arrangieren, improvisieren, sensibel reagieren: Chansons untermalen ist für Pianist Bernhard Ruchti eine besondere Aufgabe. (Bild: Benjamin Manser)

Martin Preisser

martin.preisser@tagblatt.ch

An Chansonabenden steht in der Regel die Sängerin oder der Sänger im Mittelpunkt. Ein Musiker oder ein Ensemble «begleitet». Am wunderbar abgerundeten und genau gestalteten Programm im Parfin de siècle treten Regine Weingart, die souverän in der Rolle der Hildegard Knef aufgeht und gleichzeitig Jacques Brels ­Poesie intensiv ausleuchtet, und Pianist Bernhard Ruchti aber als gleichberechtigte Partner auf ­Augenhöhe auf. Grund genug, der Rolle des Pianisten etwas genauer auf den Grund zu gehen.

Vier Monate hat Ruchti die Musik der Knef und des Belgiers Brel fürs Klavier arrangiert, transkribiert und angepasst. Eine ­aufwendige Arbeit. Chansons am Flügel mitgestalten, das ist an diesem Abend viel mehr als nur begleiten. Entscheidend sind grosse Direktheit, Spontaneität und Improvisationsgabe; der Musiker muss in jedem Stück wieder in ganz verschiedene Rollen schlüpfen, muss zum Seismografen der facettenreichen Gefühlswelten dieser beiden Chansongrössen werden. «Chansons begleiten, so wie ich es verstehe, verlangt eine ganz andere Art von Präsenz, ein ganz unmittelbares Bewusstsein auch für die Sinnlichkeit dieser speziellen Welt», sagt Bernhard Ruchti.

Ein niemals abreissender Dialog

Seine Erfahrung als Komponist und Improvisator bringt er in sein Chanson-Klavierspiel auf sehr farbige Weise ein. Stets ist alles auf einen intensiven, dichten, nie abreissenden Dialog mit der Sängerin ausgerichtet. Und Regine Weingart, die mit Knef und Brel ihre grosse Bühnenerfahrung beeindruckend auslebt, stützt sich merklich auf diesen warmen, sicheren, fantasievollen Klavier-Klangteppich. Zwischen Melancholie, sängerischem Aufbegehren, Traum, Sehnsucht, aber auch Humor, Ironie und Augenzwinkern bewegt sich dieser lohnenswerte Abend. Knef und Brel, so unterschiedlich sie sich im Chanson ausdrücken, befruchten sich hier gegenseitig.

Warm austariert ist Regine Weingarts tiefe, sonore Chansonstimme. In keinem Moment vermisst man das Timbre von Brels Männerstimme. Und Hildegard Knefs Musik zeichnet die Reise dieser Künstlerin zwischen Erfolg und Absturz nach, zwischen Erfahrungen von Ebbe und Flut im Leben. «Für mich soll’s rote Rosen regnen»: Dieses Lied hat Hildegard Knef selbst komponiert. Dass rote Rosen auch dornig sind und verletzen können, das weiss Regine Weingart in ihrer präsenten und nie manirierten Art, Chansons auch als Spiegel des Lebens zu deuten. Der Abend lebt von Regine Weingarts Ausstrahlung, aber auch stark von Bernhard Ruchtis pianistischer Empathie. Die Sängerin scheint stets vom Pianisten klanglich verführt. Dieser wiederum hört sich unentwegt in die Stimme hinein. Ein wunderbares Zweierspiel.

Weitere 15 Abende im Januar und Februar; Theater Parfin de siècle, St. Gallen (Mühlensteg 3); Karten: parfindesiecle.ch

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