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Carlo Chatrian geht: Aber das Locarno Festival will nichts überstürzen

Carlo Chatrian wird künstlerischer Leiter der Berlinale – in Locarno beginnt die Suche nach der Nachfolge.

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Das Filmfestival lockt jedes Jahr unzählige Besucher nach Locarno. (Archivbild)

Das Filmfestival lockt jedes Jahr unzählige Besucher nach Locarno. (Archivbild)

Keystone/ALEXANDRA WEY

Carlo Chatrian wechselt als künstlerischer Leiter vom Locarno Festival zur Berlinale. Doch bevor der 46-Jährige den neuen Vollzeitjob im März 2019 antreten wird, will er sich voll und ganz auf die 71. Festivalausgabe in Locarno (1.–11. August) konzentrieren.

Carlo Chatrian, der künstlerische Leiter des Filmfestivals Locarno, hat drei Kinder und wohnt immer noch in einem Bergdorf im Aostatal. Zukünftig wird er die Berlinale leiten. (Archivbild)

Carlo Chatrian, der künstlerische Leiter des Filmfestivals Locarno, hat drei Kinder und wohnt immer noch in einem Bergdorf im Aostatal. Zukünftig wird er die Berlinale leiten. (Archivbild)

Keystone/LUKAS LEHMANN

«Auch wenn ich mich sehr auf die faszinierende neue Aufgabe freue, im Moment ist mein Kopf voll und ganz in Locarno», sagte der Italiener auf Anfrage. Überhaupt müsse er wohl erst realisieren, dass er nächstes Jahr bereits für die «grosse Maschine» Berlinale arbeiten werde.

Locarno als Sprungbrett

Auch Marco Solari, Präsident des Locarno Festivals, zeigt sich glücklich. «Die Freude darüber, dass Carlo Chatrian diese Chance bekommt, ist enorm», sagte er. Zwar gehe in Locarno nach 15 Jahren «eine kompetente und aussergewöhnliche Persönlichkeit» verloren, doch er sei stolz, dass sein Festival als Sprungbrett zur grossen internationalen Karriere gedient habe.

Die Berlinale wird in Zukunft von einer Doppelspitze geleitet. Nachfolger von Festivaldirektor Dieter Kosslick, der nach der Ausgabe 2019 abtritt, wird neben Chatrian als künstlerischer Leiter die gebürtige Niederländerin Mariette Rissenbeek als geschäftsführende Leiterin. Rissenbeek ist derzeit Geschäftsführerin von German Films, der Auslandsvertretung des deutschen Films. Beide erhalten einen über fünf Jahre laufenden Vertrag.

Über die Nachfolge von Carlo Chatrian in Locarno ist zu diesem Zeitpunkt nichts bekannt. Für Festivalpräsident Marco Solari steht einzig fest, dass «wir nichts überstürzen». Es hätten sich bereits mehrere Interessenten aus dem In- und Ausland gemeldet, doch man wolle sich Zeit nehmen, um alle Optionen zu prüfen.

Chatrian will Deutsch lernen

Ebenfalls offen ist, was Chatrians Arbeit in Berlin für das Filmfestival im Tessin bedeutet. «Wenn er dort anfängt, werden auch wir vor einer neuen Herausforderung stehen», so Solari. Denn selbst wenn man privat befreundet sei und die Herzen für dasselbe schlagen: Filmfestivals stünden nun mal in Konkurrenz zueinander.

Carlo Chatrian kann selbst noch nichts dazu sagen, in welche Richtung sich die Berlinale bewegt. «Viel zu früh», meinte er. Er werde zwischen dem Ende des Locarno Festivals und seinem offiziellen Start in Berlin erst einmal in seine neue Heimat reisen, seine neuen Mitarbeiter kennen lernen und nicht zuletzt mit der Sprache vertraut werden müssen. «Ich werde auf jeden Fall Deutsch lernen. Schon allein, um lesen zu können, was die Medien in Zukunft über die Berlinale schreiben werden.» (SDA)