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Kommentar: Cannes ist nicht in der Krise

Cannes trotzt allen Kritikern. Die 71. Ausgabe des Filmfestivals zeigte einen starken, politischen Wettbewerb – ohne Netflix und mit vielen Frauen.
Christian Jungen
Jury-Präsidentin Cate Blanchett läuft in Cannes über den roten Teppich (Photo by Joel C Ryan/Invision/AP)

Jury-Präsidentin Cate Blanchett läuft in Cannes über den roten Teppich (Photo by Joel C Ryan/Invision/AP)

Was wurde im Vorfeld nicht alles kritisiert: Cannes sei in der Krise, weil das Festival keine Netflix-Filme zeige, weil es zu wenig Stars habe, zu wenig Filme von Frauen und generell weil ihm Venedig, das für die Oscars besser gelegen ist, längst den Rang abgelaufen habe. Der künstlerische Direktor Thierry Frémaux strafte seine Kritiker Lügen. Die 71. Ausgabe bot ein sehr gutes Programm, und es kürte mit dem ­Japaner Hirokazu Kore-eda einen Meister, der die Goldene Palme verdient hat. Er erzählt in «Shop­lifters» von einer Patchwork­familie in einer japanischen Grossstadt, die sich mit Ladendiebstählen über Wasser hält. ­Kore-eda wirft mit dem Film jene Frage auf, die er 2013 schon in «Like Father, like Son» stellte: Was ist dicker, das gemeinsame Blut oder die Zuneigung, die man für seine Nächsten empfindet? Die Antwort von «Shoplifters» lautet: die Zuneigung. Diese Haltung sei in Japan stark umstritten, erklärte Kore-eda im Interview: «Wir sind eine sehr konservative Gesellschaft, die am traditionellen Familienbild festhält.»

Regisseur Hirokazu Kore-eda gewinnt die die Goldene Palme für «Shoplifters».

Regisseur Hirokazu Kore-eda gewinnt die die Goldene Palme für «Shoplifters».

Der Film dürfte dem krisengeschüttelten Schweizer Art­housekino ebenso volle Säle ­bescheren wie der Gewinner des zweiten Preises, des Grand Prix: «BlacKkKlansman» von Spike Lee ist ein sehr unterhaltsames Drama, das ein ernstes Thema mit viel Humor angeht. Lee erzählt die wahre, schier unglaubliche Geschichte von einem jüdischen (Adam Driver) und einem schwarzen Cop (John David Washington), denen es in den frühen 70er-Jahren gelang, den Ku-Klux-Klan zu infiltrieren.

Die beiden Siegerfilme stehen exemplarisch für den Jahrgang: Der Wettbewerb zeichnete sich durch viele Beiträge aus, die von Machtlosen und Unterprivilegierten handelten, sowie durch politisches Engagement. Reine L’art pour l’art, die oft das Gros der offiziellen Selektion ausmachte zum Beispiel mit Werken von Almodóvar, fehlte gänzlich. Vermisst hat man sie nicht. Die Jury unter Präsidentin Cate Blanchett hat mit einer speziellen Palme d’or für Jean-Luc Godards «Le livre d’image» auch dem avantgardistischen Kino die Reverenz erwiesen. Und sie hat mit dem Drehbuchpreis an «Lazzaro felice» von Alice Rohrwacher und dem Jurypreis für das Sozialdrama «Carphanaüm» der Libanesin Nadine Labaki ein Zeichen für eine bessere Repräsentanz der Frauen gesetzt. Fazit: Das Festival hat bewiesen, dass es zu Neuerungen fähig ist. Und der Preis für «BlacKkKlansman», eine Produktion von Universal, dürfte auch die Lust der Hollywoodstudios steigern, wieder vermehrt Filme an der Croisette zu lancieren. Über die Bücher muss nicht die Festivalleitung, sondern die Kritiker, die das wichtigste Filmfestival der Welt allzu früh abgeschrieben haben.

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