Cannes – etwas weiblicher als auch schon

Heute wird das 68. Filmfestival Cannes mit Catherine Deneuve eröffnet. 19 Filme sind im internationalen Wettbewerb – mit dabei sind bekannte Namen wie Nanni Moretti, Gus Van Sant, Todd Haynes und Matteo Garrone. Und mit den Französinnen Maïwenn und Valérie Donzelli auch zwei Filme von Regisseurinnen.

Doris Senn
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Catherine Deneuve im Eröffnungsfilm «La tête haute». (Bild: pd)

Catherine Deneuve im Eröffnungsfilm «La tête haute». (Bild: pd)

Für einmal verkneift sich Cannes den spektakulären Auftakt und setzt auf einen engagierten Autorenfilm aus Frauenhand – ohne auf Glamour zu verzichten: Das 68. Festival von Cannes eröffnet mit «La tête haute» der 47jährigen Emmanuelle Bercot, die ihre Karriere als Schauspielerin begann und bisher rund ein Dutzend Filme realisierte.

Zwei Regisseurinnen im Rennen

«La tête haute» ist ein Coming-of-Age-Drama um einen kriminellen Jugendlichen und eine engagierte Jugendrichterin, die von der 71jährigen Catherine Deneuve gespielt wird. Sie spielte schon in Bercots letztem Film die Hauptrolle: «Elle s'en va». Das Festival eröffnet erst zum zweiten Mal in seiner langen Geschichte mit einer Regisseurin – und will sich so wohl nicht zuletzt aus dem Kreuzfeuer der Kritik nehmen: Gerade in der Königsdisziplin liess Cannes die Frauen in den letzten Jahren teils gänzlich aussen vor. Nun läuft zwar «La tête haute» ausserhalb des Wettbewerbs, doch wird immerhin für Diva Deneuve der rote Teppich ausgerollt. Und Bercot kommt noch zu einem prominenten Auftritt in der «Compétition», als Hauptdarstellerin in «Mon roi», der Französin Maïwenn – die einzige Frau neben Valérie Donzelli im Rennen um die Goldene Palme. Donzelli erzählt mit «Marguerite et Julien» eine inzestuöse Liebe zwischen Schwester und Bruder und dürfte als Protagonistin in Lionel Baiers «Les grandes ondes» bekannt sein.

Vive la France!

Das Filmland Frankreich, das im Jahr rund 250 Filme produziert und über 200 Millionen Eintritte verzeichnet, ist auch in diesem Jahr mit stattlichen fünf Titeln vertreten: Nebst Maïwenn und Donzelli präsentieren Guillaume Nicloux («La religieuse»), Jacques Audiard («De rouille et d'os») und Stéphane Brizé («Mademoiselle Chambon») ihre neusten Werke. Schillernd und vielversprechend sind weitere Namen im Wettbewerb, die bis am 24. Mai zu sehen sind: darunter Nanni Moretti mit «Mia madre» – einer Familienkomödie, in der Moretti wieder eine Rolle innehat; Todd Haynes mit einer Verfilmung von Patricia Highsmiths autobiographisch-lesbischem Roman «Carol»; Gus Van Sant präsentiert mit «The Sea of Trees» ein Drama um zwei suizidale Männer, und Matteo Garrone wagte sich mit «Il racconto dei racconti» an die barocke Märchensammlung des Neapolitaners Giambattista Basile (1566–1632).

Schweiz nur am Rande dabei

Einmal mehr ist die Schweiz nur als Koproduktionsland in Cannes vertreten – so etwa für «Amnesia» von Barbet Schroeder, in dem Marthe Keller, Joel Basman und Bruno Ganz auftreten. In Spezialvorstellungen zeigen die Westschweizer Lionel Baier «La vanité» mit Carmen Maura über die Strategien eines todkranken Mannes, dem Leben zu entkommen, und Frédéric Mermoud den Kurzfilm «Rewind», der ein Drogendelikt aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt.

Ehrenpalme für Agnès Varda

Als allererste weibliche Regisseurin erhält die 86jährige Agnès Varda eine Ehrenpalme für ihr Lebenswerk in Cannes. Die offizielle Jury des 68. Filmfestivals wird präsidiert von den Brüdern Joel und Ethan Coen, die die Preise mit Rossy de Palma (Schauspielerin von Pedro Almodóvar), dem kanadischen Regisseur Xavier Dolan, dem mexikanischen Filmemacher Guillermo del Toro sowie den Schauspielern Jake Gyllenhaal, Sienna Miller und Sophie Marceau sowie der malischen Sängerin Rokia Traoré vergeben werden.

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