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«Cabaret» am Theater Konstanz: Willkommen zum Tanz auf dem Vulkan

Das Theater Konstanz zeigt den Klassiker «Cabaret». Rosamund Gilmores Inszenierung verzichtet auf aufgesetzten Musicalkitsch und überzeugt mit exzellenten und authentischen Schauspielern.
Mirjam Bächtold
Auf der Verlobungsparty im Laden des jüdischen Gemüsehändlers Schultz wird die Stimmung aggressiv. (Bild: Bjørn Jansen)

Auf der Verlobungsparty im Laden des jüdischen Gemüsehändlers Schultz wird die Stimmung aggressiv. (Bild: Bjørn Jansen)

Berlin in der Silvesternacht 1929: Die Stadt ist eine einzige grosse Party – ein Cabaret. Im Kit-Kat-Club lernt der eben erst angereiste Schriftsteller Cliff Bradshaw (Arlen Konietz) die Sängerin Sally Bowles (Anne Simmering) kennen. Die beiden wohnen in einem kleinen Zimmer in Fräulein Schneiders Pension, wo Cliff versucht, einen Roman zu schreiben.

«Wenn ich einen Film schreiben würde, dann wäre Berlin ein Vulkan», sagt Cliff. Er hat Hitlers «Mein Kampf» gelesen und ahnt, was unter all dem Glamour der ausgehenden 1920er brodelt. Sally will nichts davon wissen, sie geniesst das Leben als Sängerin, schleppt den schüchternen Cliff von Party zu Party und steckt ihn mit ihrer überschwänglichen, ­lebenslustigen Art an.

Im berühmten Film von 1972 spielte Liza Minelli die Rolle der Sally Bowles.

Zarte Bande entstehen auch zwischen der Pensionsinhaberin Fräulein Schneider und dem jüdischen Gemüsehändler Herrn Schultz. Da wird aus «dem Erdgeschoss ein Märchenschloss» durch ein einziges Wort: Heirat. Sally Bowles wird schwanger und verliert ihren Job im Kit-Kat-Club und Cliff schmuggelt Papiere der Nationalsozialistischen Partei über die Grenze, da er das Geld braucht.

Kleine Bühne wird kreativ genutzt

Ausstatter Carl Friedrich Oberle hat alles aus der kleinen Bühne des Theaters herausgeholt. Auf mehreren Ebenen wird diese bespielt, wird in Sekundenschnelle zum Kit-Kat-Club oder zum Pensionszimmer. Auch die Kit-Kat-Band (herrlich: sieben Herren in Frauenkleidern der 1920er-Jahre) findet auf der Seitenbühne Platz.

Im Kit-Kat-Club werden legendäre Partys gefeiert. (Bild: Bjørn Jansen)

Im Kit-Kat-Club werden legendäre Partys gefeiert. (Bild: Bjørn Jansen)

Während das Partyleben im Kit-Kat-Club weitergeht (tolle Choreografien von Rosamund Gilmore, getanzt vom Ensemble), werden die braunen Schatten des Nationalsozialismus immer länger. Auf der Verlobungsparty von Herrn Schultz und Fräulein Schneider drückt ein NS-Parteimitglied allen Gemüse von Schultzes Geschäft in die Hand. Niemand weiss, warum eigentlich genau, aber plötzlich zerreissen alle wütend den Wirsing und den Lauch des Juden, während sie voller Inbrunst «Oh Vaterland» schmettern und zum Schlussakkord den Hitlergruss zeigen.

Der Schluss bleibt im Halse stecken

Rosamund Gilmores Inszenierung verzichtet auf üppigen Musicalkitsch. Sie lässt Platz für die leisen Töne und schafft mit herausragenden Darstellern eine einfühlsame Geschichte. Anne Simmering überzeugt mit ihrer unverfälschten ehrlichen Stimme und ihrem grossartigen Schauspiel. Während sie bei «Mein Herr» die Coole gibt, die einen Mann nach dem anderen hat, stehen ihr bei «Maybe this time» die Tränen zuvorderst, als sie die Hoffnung besingt, dass sie dieses Mal vielleicht Glück hat und Cliff bleibt.

Szenenbild aus «Cabaret» am Theater Konstanz. (Bild: Bjørn Jansen)

Szenenbild aus «Cabaret» am Theater Konstanz. (Bild: Bjørn Jansen)

Auch Katrin Huke gibt Fräulein Schneider überzeugend, mit der vorgetäuschten, etwas schnoddrigen Art und in breitestem Berliner Dialekt. Ihren weichen, sensiblen Kern zeigt sie nur Herrn Schultz gegenüber.

Als die ersten Scheiben zerschlagen werden und Hakenkreuzfahnen flattern, kauft Cliff für sich und Sally zwei Fahrkarten nach Paris. Von dort will er sie mit in die USA nehmen, wo er herkommt. Doch Sally kann nicht vom Glitzer und Glamour lassen.

Sie zittert, als sie das letzte Lied singt. Ihr Kind hat sie abgetrieben, den Mantel hat sie als Bezahlung beim Arzt gelassen. Die Show ist ihr wichtiger als alles andere. Doch als Cliff im Zug wegfährt, die Geschichte für seinen Roman endlich gefunden, bleibt Sally die letzte Silbe im Hals stecken: «Life is a cabaret, and I love a caba-»

Vorstellungen bis 31.5.2019, Stadttheater Konstanz

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