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Bunter grauer Alltag

Rund zehn Auftritte hat das Playback-Theater St. Gallen 2011 absolviert. Jetzt einen öffentlichen im Dachatelier an der Teufenerstrasse. «Nebel» war das Thema des Abends. Erstaunlich, was die Crew der grauen Suppe an Poesie abgewann.
Martin Preisser
Sie übersetzen Geschichten des Publikums in Theater: Tobias von Schulthess, Björn Müller, Beatrice Mock, Martin Müller und Ruth Andenmatten vom St. Galler Playback-Theater (v. l.). (Bild: Martin Preisser)

Sie übersetzen Geschichten des Publikums in Theater: Tobias von Schulthess, Björn Müller, Beatrice Mock, Martin Müller und Ruth Andenmatten vom St. Galler Playback-Theater (v. l.). (Bild: Martin Preisser)

Die Geschichten spielen allesamt im Nebel, und doch geht allen, die ihre Geschichte preisgeben, sie dem Playback-Team anvertrauen, ein Licht auf. Da läuft die eine im Nebel als Kind gegen eine Kuh, die andere hat Angst, dass das Christkind sich im Nebel verirrt und die Geschenke nicht da landen, wo sie landen sollen. Gar nicht lustig ist eine Autofahrt von Frauenfeld nach Diessenhofen im Nebel. Und auch der Wettlauf gegen die Zeit (Erreiche ich oder erreicht der Nebel zuerst den Gäbris-Gipfel?) ist anstrengender, als er sich beim ersten Erzählen anhört.

Oft reinigende Wirkung

Playback-Theater im Dachatelier an der Teufenerstrasse: Die Menschen erzählen offensichtlich gerne vom Nebel, lassen sich vom Playback-Moderator zum Fliessen der Erinnerung hinreissen, geben der Theatercrew Stoff zum Improvisieren. Playback-Theater spielt und spiegelt alltägliche Szenen an den Erzähler zurück. Und plötzlich wirkt Theater als Verstärker, Katalysator, als Intensivierer.

Die ursprüngliche Erzählung wird grösser, allgemeingültiger, ja manchmal archetypischer. Verblüffendes tritt zutage. Playback, das Zurückgeben erzählten Stoffes an den Erzähler, unmerklich kann es auch reinigende Wirkung haben, so als wäre der Erzähler erst nach der Theatervariante seines Erlebens wirklich mit sich im Reinen.

Das Playback-Theater geht auf Jonathan Fox zurück, der diese Form des Improvisierens in den 70er-Jahren lanciert hat. Nächste Wochen treffen sich in Frankfurt am Main vierhundert Playback-Spieler aus aller Welt. Auch zwei St. Galler werden dabei sein. «Playback-Theater ist für uns Spieler immer ein Schritt ins Ungewisse. Wir müssen offen sein, völlig leer werden, bevor wir spielen. Keiner weiss, was der Abend bringt, welche Wendungen die Geschichten nehmen, was sie mit uns und dem Publikum machen», erklärt Björn Müller die Idee.

Dem Alltag wird Wert verliehen; jede Geschichte, die das Leben schreibt, wird plötzlich eine spannende, eine, die man durchaus mit allen anderen teilen kann. Reden über etwas ist das eine, eine Theaterszene daraus machen, etwas anderes. Gespielt wird auch Banales plötzlich interessant, kann aufrütteln, ja ist jetzt wirklich das pure Leben.

Für den einen oder die andere kann das Erzählen eines eigenen Erlebnisses nach der Spiegelung im Theater auch etwas Befreiendes sein. Von daher gesehen bewegt sich Playback-Theater auch im Grenzbereich zwischen Kunst und Therapie. Die St. Galler Playback-Gruppe, alles passionierte Laiendarsteller mit teils erstaunlicher Bühnenpräsenz und vor allem variantenreicher Phantasie, gibt es seit 2009. Eingeladen wird sie auch von Banken oder Organisationen. Auch da kann Theater manches zutage fördern und mit szenischen Mitteln helfen, den Wurm aufzuspüren, der in so mancher sozialen Einheit steckt.

Mit Gewinn herumgestochert

Das St. Galler Team trifft sich jede Woche drei Stunden. Dann erzählen sich die Playback-Leute, die sonst schnell und spontan auf Erlebnisse ihnen vorher fremder Menschen reagieren müssen, ihre eigenen Geschichten. «Daher kennen wir uns sehr gut», sagt Tobias von Schulthess, der den Nebel-Abend moderierte. Moderieren heisst beim Playback-Theater nicht weniger, als das Interessante an den Alltagsgeschichten aus dem Publikum wirklich herauszukitzeln. Am Nebel-Abend wurde jedenfalls «gewinnbringend» in der grauen Suppe herumgestochert.

Nächster Abend: Do, 15.12., Dachatelier (Teufenerstr. 75), 20.15 Uhr. www.playbacktheater-sg.ch

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