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BUNDESORDNER: Warum die Neandertaler besser gewesen wären

Im Casinotheater Winterthur ziehen Kabarettisten eine Bilanz des vergangenen Jahres. Sogar Gott ist mit von der Partie, als Frau mit behaarten Männerbeinen. Und Melania Trump kommt vorbei.
«9 Volt Nelly», bestehend aus Jane Mumford und Lea Whitcher, sucht nach Aufträgen. Wäre die Billag ein Kunde? (Bild: Caro Gammenthaler)

«9 Volt Nelly», bestehend aus Jane Mumford und Lea Whitcher, sucht nach Aufträgen. Wäre die Billag ein Kunde? (Bild: Caro Gammenthaler)

Es ist nicht angenehm, aber Jess Jochimsen denkt beinahe täglich an George W. Bush. Nicht nur, weil er nie gedacht hätte, dass es mit den USA noch weiter bergab gehen könnte. Sondern auch, weil der Ex-Präsident angefangen hat zu malen, «nicht gut, aber gern». Drei Jahre hat er an einem Dackel gemalt, bis er gemerkt hat, dass er die Leinwand besser quer nimmt. Heute por­trätiert er Veteranen. Und im Frühling vergangenen Jahres, die USA standen schon längst im Zeichen von Fake-News, stellte Bush sich vor ein Mikrofon und sagte: «Es braucht eine freie, starke und unabhängige Presse, um Menschen wie mich zur Verantwortung zu ziehen.»

Warum der Neandertaler untergegangen ist

Jochimsen glaubt, «das kommt vom Malen». So, beinahe liebevoll, kann der «Bundesordner» auch sein. Zum zehnten Mal hat am Mittwoch im Casinotheater Winterthur ein Kabarettistentrüppchen unter der Regie von Fabienne Hadorn zurückgeschaut auf das vergangene Jahr, manchmal grell, manchmal grotesk, manchmal komisch, manchmal melancholisch. Der Neandertaler sei vom Homo sapiens verdrängt worden, weil er zu friedfertig war und zu wenig testosterongesteuert, erzählt Kathrin Bosshards lebensweise Puppe. Die Menschlichkeit war des Neandertalers Untergang: «Na dann, gute Nacht.»

Kein Wunder, bekundet Laurin Buser einige Mühe, dem schwabbeligen Ding in seinem Schädel beizubringen, dass jetzt, nach Me Too, andere Zeiten angebrochen sind zwischen Mann und Frau. Und während auf Erden Hühner abhauen und Jane Mumford und Lea Whitcher vom Duo 9 Volt Nelly sich als futuristische Maschinen selbstständig machen, hat sich auch im Himmel einiges verändert. Nicht unbedingt bei den Ankömmlingen, die engstirnig sind wie eh und je. Aber bei Gott.

Der grösste Führer und sein roter Knopf

Er trägt Frauenkostüm und hat schöne, wenn auch etwas muskulöse Beine. Sie gehören zu Ralf Schlatter vom Duo Schön&gut, der zusammen mit Anna-Katharina Rickert ebenso einen roten Faden durch den Abend zieht wie Pascal Dussex und Resli Burri von Les trois Suisses mit ihrem Sound und jenen Good News, für die sie gern das Programm unterbrechen.

Soll man auch die zwei Detektivinnen dazuzählen (noch einmal Mumford und Whitcher), die, beim Sozialamt nicht mehr gefragt, auf die Idee kommen, für die Billag tätig zu werden? Oder jenes «Tele Suisse vollprivat» aus Ems, dessen Programm Anet Corti im Schnellgang herunterrattert?

Ja, die drohende Abschaffung der SRG setzt kreative Energie frei. Wobei jene von Anet Corti damit noch keineswegs erschöpft ist. Sie wirbt auch als Melania Trump um Verständnis für ihren Mann. Und sie wendet sich als nordkoreanische Fernsehsprecherin ans Publikum, um in rasantem Kauderwelsch den grössten Führer zu preisen, und, am Ende, seinen Atomknopf zu präsentieren. Wunderschön entfaltet sich dann der Atompilz, und es wird ganz still im Publikum. Auch das gehört zum «Bundesordner»: dass einem das Lachen im Halse stecken bleibt.

Rolf App

rolf.app

@tagblatt.ch

Der «Bundesordner» ist noch bis 4. Februar am Casinotheater Winterthur zu sehen, am 28. Januar gastiert er im «Kreuz» in Jona.

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