Bürschchen, steig jetzt in mein Auto ein

Der schicke Schock trifft mich unvermittelt zu fortgeschrittener Stunde. Stermann & Grissemann plaudern sich gerade halblustig durch «Willkommen Österreich». Schon will ich abschalten, da betritt ein schmales, sehr blondes Bürschchen das Studio.

Katja Fischer De Santi
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Bild: Katja Fischer De Santi

Bild: Katja Fischer De Santi

Der schicke Schock trifft mich unvermittelt zu fortgeschrittener Stunde. Stermann & Grissemann plaudern sich gerade halblustig durch «Willkommen Österreich». Schon will ich abschalten, da betritt ein schmales, sehr blondes Bürschchen das Studio. In den folgenden Minuten gibt es eher rätselhafte Sätze von sich, stets um maximale Lässigkeit bemüht. Die Moderatoren, doppelt so alt wie das Bürschchen, sind sichtlich angetan und etwas unterwürfig. Dann steigt das Bürschchen auf die Studiobühne und legt los. In einer Tonhöhe, die den meisten Frauen Mühe machen würde, singt es Phrasen wie: «Steig jetzt in mein Auto/Steig jetzt in mein Auto ein/Sieben Türen, 70 PS, vorne gilt der Wind zu sehr.» Dazu verrenkt es sich zu theatralischen Posen. Es gibt ungefähr drei Millionen Möglichkeiten, sich damit in Grund und Boden zu blamieren. Bei Maurice Ernst und Bilderbuch klingt es verdammt gut. So heisst das Bürschchen, so heisst seine Band. Das zweite österreichische Popwunder nach Wanda. Die vier ehemaligen Klosterschüler machen Pop, wie man ihn sehr lange nicht mehr gehört hat. Eingängig, aber auf die maximal schräge Art. Ein bisschen Falco, ein bisschen Jackson. Unbedingt gesehen haben muss man auch das Video zu ihrem Hit «Machine». Maurice Ernst rutscht darin mit blau gefärbten Haaren auf einem gelben Lamborghini herum, so spektakulär lächerlich, dass man nicht wegsehen kann. Ein schicker Schock, kein Zweifel. Ich war danach wieder richtig wach.

Bilderbuch: «Machine» Schick Schock, 2015

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