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BÜHNENEXPERIMENT: Himmelhoch jauchzend

Theater ist selten fröhlich und poetisch zugleich – bei Micha Stuhlmann schon. Die Spieler in ihrem neuen Stück haben das Premierenpublikum in Frauenfeld lächeln und tanzen lassen.
Dieter Langhart
Premiere als Fest: Spieler und Zuschauer tanzen in den Abend nach «Beine baumeln himmelwärts». (Bild: Dieter Langhart)

Premiere als Fest: Spieler und Zuschauer tanzen in den Abend nach «Beine baumeln himmelwärts». (Bild: Dieter Langhart)

Dieter Langhart

dieter.langhart@tagblatt.ch

Während andere die Beine über die Stuhlkante baumeln lassen, lässt die Performerin und Musikerin Micha Stuhlmann ihre Spieler die Beine himmelwärts baumeln. Genau so heisst ihr neues Projekt, das vierte nach «Wo ist Klara?», «Nur mit mir allein zum Glück» und «Im Dunkelwasser fischen». Am Sonntag war Premiere im Shed des Eisenwerks. Die Halle bot reichlich Raum für das Stück und für den Tanz mit dem Publikum.

So soll Theater sein: Das Besinnliche löst sich auf in der Fröhlichkeit; Menschen verbinden sich über eingebildete Grenzen hinweg; das unbeteiligte, unendliche Wasser fliesst auf der Leinwand weiter.

Grenzen verwischen, Geschichten tauchen auf

Vom Unterwegssein erzählt «Beine baumeln himmelwärts». Vom Unterwegssein im Leben, von der Suche nach sich selbst, von der Ungewissheit. Micha Stuhlmann nennt es ein Theaterexperiment, einen «Kunstentwurf zwischen Theater, Tanz und Film». Die Grenzen zwischen den Genres verwischen sich ebenso wie die Grenzen, die den Darstellern eigen sind: solchen ohne und solchen mit einer körperlichen oder psychischen Beeinträchtigung.

Kein Schein, nur Sein. Keine Erfindung von Geschichten, «die Darsteller tragen sie in sich», sagt Micha Stuhlmann. Keine Kategorien wie Tanz, Theater, Film, Performance sind zu bemühen – sie fallen dahin. Niemand im Publikum schaut aus nach: Wer ist ­beeinträchtigt, wer nicht – wozu auch. Was wirklich ist und was inszeniert – irrelevant. Die Bühne ist Lebensort und Projektionsfläche zugleich. Und das Wasser ist das perfekte Symbol dafür. Micha Stuhlmann hat sich vom Narrenschiff in Fellinis «E la nave va» anregen lassen. Sie lässt eine neunköpfige Reisegesellschaft sich einschiffen. Die ist unterwegs, mit Kurs oder ohne, mit Ziel oder ohne.

Wundersame Szenen und eine traumhafte Ebene

Der Kapitän, hochgewachsen, ganz in Weiss, überragt sie alle. Doch die rote Federboa oder das weisse Mieder werden ebenso stolz getragen (Kostümbild: Ellen Finus). Und der Musikant, der die Tuba bläst, und Marc Jenny an Bass und Soundmaschine: übertönen sie wirklich alle andern? Wundersame Szenen sehen wir: Die Frau mit Augenbinden, die die Gesichter in der ersten Zuschauerreihe abtastet und sich auf einen freien Stuhl setzt. Das Lied «Ein Schiff wird kommen». Das Spaghettimahl, edel und ungehobelt zugleich, das zum Premierenessen überleitet und zum gemeinsamen Tanz. Hände werden gereicht, Lächeln getauscht.

Wundersam auch die Projektionen auf drei Leinwänden. ­Raphael Zürcher zeigt die Spieler in Echtzeit, blendet zurück oder zeigt Szenen, die ausserhalb des Stücks stehen, berührend und auch intim. Eine parallele, eine traumhafte Ebene entsteht, mit neuen Geschichten wie aus Komplementärfarben.

Nächste Vorstellungen: • So, 26.11., 19 Uhr, Lokremise, St. Gallen • Sa, 27.1., 19 Uhr, Altes Zeughaus, Herisau • Sa, 24.2., 20 Uhr/So, 25.2., 18 Uhr, ­Spiegelhalle, Konstanz beinebaumeln.ch

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