BÜHNE: Die besten Stücke

Am vierten Schweizer Theatertreffen war Migration das grosse Thema. Es wird aber noch eine Weile dauern, bis das Veranstaltungsformat ein festes Publikum findet.

Julia Stephan
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Eines von acht gezeigten Stücken: «Empire» von Milo Rau. (Bild: Marc Stephan)

Eines von acht gezeigten Stücken: «Empire» von Milo Rau. (Bild: Marc Stephan)

Julia Stephan

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@tagblatt.ch

Migration, global erweiterte Blickwinkel und schweizerische Abschottungsmentalität – die Auswahl der acht besten Stücke des Jahres am vierten Schweizer Theatertreffen war inhaltlich erstaunlich homogen. Das in Partnerschaft mit dem Bundesamt für Kultur ausgetragene Theatertreffen hatte seine Auswahl, wie gewohnt, streng nach dem Konkordanzprinzip getroffen. Zu sehen waren Tessiner, Westschweizer und Deutschschweizer Produktionen. Über 200 Stücke waren evaluiert worden.

Gastgeber des jedes Jahr in einer anderen Sprachregion stattfindenden Theatertreffens war nach Winterthur und Genf dieses Jahr das Tessin, wo man das Thema Migration hautnah erleben konnte. Zum einen am Polizeiaufgebot an den grenznahen Bahnhöfen, zum anderen auch ganz konkret als Zuschauer. Weil die Zahl der Theaterhäuser in ­Lugano nicht ausreichte, um alle Inszenierungen zu zeigen, transferierte man die Zuschauer mit Shuttlebussen an vier Theater in Chiasso, Lugano und Bellin­zona.

Dass eine der interessantesten Inszenierungen des Jahres, Simon Stones am Theater Basel aktualisierte, zum Berliner Theatertreffen geladene Inszenierung von Tschechows «Drei Schwestern», aus technischen Gründen nicht gezeigt werden konnte, war bedauerlich. Freuen durfte man sich über Milo Raus feinfühli­ge Inszenierung «Empire». Im Stück erzählen Profischauspieler mit Migrationshintergrund in einer Küche ihren Weg nach und durch Europa. Persönliche Schicksale verzahnten sich hier mit europäischer Kulturgeschichte. Die einzige Ostschweizer Arbeit in der Auswahl war das Stück «Das Schweigen der Schweiz», welches am St. Galler Theater Uraufführung feierte. Fünf Autoren haben dafür im Auftrag des Theaters die Schweiz und ihre Bewohner reflektiert, mit Biss, Humor und Tiefe.

Kleingeist versus Freigeist

Zum Auftakt am Mittwochabend war im neuen Tessiner Kulturflaggschiff Lac (Lugano Arte e Cultura) der im Tessin geborenen Schauspielerin Ursina Lardi der Grand Prix Theater 2017/Hans-Reinhart-Ring überreicht worden. Ein Podium zum Thema postmigrantisches Theater mach­te am Samstag offenbar, wie wenig Freigeist und wie viel Kleingeist sich manchmal verbirgt im sich nach aussen hin traditionell offen und durchlässig gebenden Theaterbetrieb. Dass die Intendantin des Maxim-Gorki-Theaters, Shermin Langhoff, kurzfristig ihre Teilnahme absagte, war der etwas lustlos geführten Debatte nicht förderlich.

Die Frage, ob die an manchen Theatern angestossenen Integrationsprojekte aufgrund verfügbarer Fördermittel stattfinden oder aus einem echten Bedürfnis heraus, blieb offen. Ebenso, ob das Schweizer Theatertreffen künftig sein Stammpublikum finden wird. Die bunten, aber allzu ab­strakten Plakate des Theater­treffens gingen am Wochenende etwas unter in den Strassen vol­ler flanierender Touristen. Das nächste Treffen soll in Zürich stattfinden.

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