Ein Buch über die weltgrössten Malls entlarvt eine krankhafte Konsumwelt

Der Westschweizer Journalistin Rinny Gremaud war wohl von vornherein klar, dass dieser Trip zum Albtraum werden könnte. Ihr Plan: innerhalb von gut drei Wochen die Welt zu umrunden und die gigantischsten Shopping-Malls zu besuchen.

Arno Renggli
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Auch die Dubai Mall, hier ein Ausschnitt, gehört zu den Shopping-Centren, welche die Autorin besucht hat.

Auch die Dubai Mall, hier ein Ausschnitt, gehört zu den Shopping-Centren, welche die Autorin besucht hat.

Bild: PD

Das hat sie dann getan und ihre Eindrücke in einem Buch zusammengetragen, das nun auf Deutsch im Luzerner Verlag Edition Bücherlese erschienen ist. Es sind spannende Texte zu einem ungewohnten Thema.

Indes sollte man sich nicht vom ersten Kapitel über Gremauds Heimatstadt Lausanne abschrecken lassen. Die Hassliebeserklärung interessiert wenig, passt kaum zum Thema des Buches und nährt unnötig den Verdacht, die Autorin sei eine notorische Kulturpessimistin.

Rinny Gremaud.

Rinny Gremaud.

Bild: Ayșe Yavaș, PD

Dabei macht das, was sie in den Mega-Malls erlebt, eine kritische Beurteilung durchaus plausibel. Es sind absurd grosse Gebilde, unabhängig von Aussentemperaturen auf stets gleiches Raumklima heruntergekühlt, durchwuselt von zahllosen Angestellten und Hilfskräften, mit einem zwar gigantischen Angebot an Produkten und Lustbarkeiten, die aber eine erstaunliche Uniformität aufweisen. Sie erzeugen eine Kunstwelt, die konfus und buchstäblich krank machen kann, die zum Überfluss alsbald den Überdruss erzeugt und dabei soziale Ungerechtigkeiten der Welt quasi verdichtet.

Edmonton, Peking, Kuala Lumpur, Dubai und Casablanca sind die Hauptstationen der Reise. Die Autorin schreibt brillant, wobei konsum- und sozialkritische Überlegungen gegen Ende etwas viel Raum einnehmen. Remaud liefert auch wirtschaft­liche Hintergründe und erzählt von Menschen, die für die Malls typisch sind: von schwerreichen Erbauern und Managern bis zu oft unterbezahlten und ausgebeuteten Arbeitskräften.

Rinny Gremaud: Verkaufte Welt. Edition Bücherlese, 205 Seiten.