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BUCH: Mozarts Aufbruch in die Gegenwart

Sein Leben ist schon oft beschrieben worden. Laurenz Lütteken jedoch tut etwas anderes: Er bettet Mozarts Schaffen ein in die Debatten seiner Zeit.

Darf man das denn? Figaro, dem Kammerdiener, so viel Macht geben und seinem Grafen eine lange Nase drehen? Lorenzo da Ponte tut es in seinem Libretto, und Wolfgang Amadeus Mozart findet für das aufmüpfige Verwirrspiel eine rasante musikalische Sprache: «Le Nozze di Figaro» («Die Hochzeit des Figaro») ist seither unsterblich.

Doch zuerst gilt es, ein Hindernis zu überwinden. Wir stehen im Jahr 1786, schon kündigt sich in Paris eine neue, revolutionäre Zeit an. In Wien regiert der aufgeklärte Joseph II., der sich, von der Zensur alarmiert, von Mozart ein paar Szenen vorspielen lässt und auch eine Probe besucht. Dann lässt er das Stück passieren. «‹Was in unsern Zeiten nicht erlaubt ist, gesagt zu werden, wird gesungen.› Könnte man nach Figaro sagen.» Das schreibt ein Rezensent in der «Wiener Realzeitung».

Ein vorausdenkendes Kind seiner Zeit

So ist dieser Mozart, der heute vor 262 Jahren geboren worden ist: Ein sehr aktives, vorausdenkendes Kind seiner Zeit. Und genau dies stellt der in Zürich lehrende Musikwissenschafter Laurenz Lütteken ins Zentrum seines neuen Mozart-Buchs. Er schreibt keine Biografie, was nach all den Biografien der letzten Jahrzehnte ohnehin überflüssig wäre. Er fügt Mozarts Leben und Schaffen ein in seine Zeit, die eine Epoche des Aufbruchs gewesen ist. Deshalb geht Lütteken auch nicht chronologisch vor, sondern wirft Stichworte in die Runde. Jenes vom «Wunderkind» zum Beispiel. Aus Paris berichtet Leopold Mozart, der Vater, dass «Gott täglich neue Wunder an diesem Kinde wirket». Er ist mit seinem Sohn unterwegs, und sein Patron, der Fürsterzbischof von Salzburg, lässt ihn mit Kalkül ziehen. Denn das «Wunderkind» meint auch das «wundertätige» Kind im christlichen Sinne. Und taucht damit auch ihn in günstiges Licht.

Es ist dies nur eine von vielen Verbindungen, die Lütteken zieht. Sie machen sein Buch zu einem anregenden Erlebnis, weil sie Mozart für einmal nicht herausheben als das Genie, das er zweifellos war, sondern ihn einbetten in eine Zeit voller philosophisch-politischer Debatten. Sie zu verstehen, das fällt heute schwer, und ihre Sprengkraft zu erkennen, das ist noch schwerer.

Was Lütteken auch macht: Er behandelt das Werk nicht als etwas Isoliertes, sondern kommt immer wieder auf einzelne Kompositionen zu sprechen. Beaumarchais, von dem die literarische Vorlage zu «Le Nozze di Figaro» stammt, hat schon Jahre vorher in einem Essai betont, nur ein Theater, das sich mit den Konflikten der Stände der Gegenwart befasse, könne als zeitgemäss gelten. Das hat Da Ponte und Mozart fasziniert, die über ein sehr feines Sensorium dafür verfügten, was sich in ihrer Zeit vorbereitete. Und die deshalb auch das Bedürfnis empfanden, Formen zu sprengen. Von jener Echtheit, die so in Mozarts Musik möglich wurde, zehren wir noch heute.

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