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Zwei Tode

Der jüngste Buchkritiker der Schweiz heute über: «Hundert Lügen» von Alice Gabathuler. Der 14-jährige Sekundarschüler Josia Jourdan aus Muttenz betreibt als passionierter Leser und Rezensent den stark beachteten Blog «I love books». Für die bz bespricht er regelmässig ausgewählte Neuerscheinungen.

Josia Jourdan
Josia Jourdan
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Der jüngste Buchkritiker der Schweiz bespricht regelmässig Neuerscheinungen in der bz. Diesmal: Hundert Lügen

Der jüngste Buchkritiker der Schweiz bespricht regelmässig Neuerscheinungen in der bz. Diesmal: Hundert Lügen

Im neuen Roman «Hundert Lügen» von Alice Gabathuler, welches im Juli 2017 im Thienemann Esslinger Verlag erschienen ist, geht es um Kris und Manon. Geschwister, welche in jungen Kinderjahren Opfer eines Kinderverbechens wurden. Der Grund? Für beide Jahre lang unklar. Erst nachdem sie ihr Vater nach Hause holt, werden die Geheimnisse der Vergangenheit gelüftet.

Doch die beiden finden nicht die nötige Zeit um ihre geschwisterliche Beziehung wieder aufzufrischen, denn Drohungen, Entführung und Schiessereien durchkreuzen ihr Leben. Warum? Manons und Kris Vater leitet einen Schweizer Grosskonzern, dem schlechte Arbeitsbedingungen in deren Fabriken vorgeworfen werden.

Eine Jugendgruppe namens «Scales of Justice» wehrt sich mit Demonstrationen und anderen friedlichen öffentlichen Aktionen gegen den Konzern und verlangt Veränderungen. Kris begegnet schon bald der Gruppe und es entstehen Konflikte, Beziehungen und Pläne. Doch wird die Vergangenheit je ruhen?

«Hundert Lügen» überzeugt als authentischer Psychothriller. Wochenlang habe ich auf das neue Buch meiner Lieblingsautorin hingefiebert. Durch meine hohen Erwartungen wurde ich vom Inhalt des Buches regelrecht geschockt. Ich wurde komplett unvorbereitet und mit falschen Erwartungen in die Geschichte geworfen. Ich habe weder mit einem Kinderverbechen, noch mit einem skrupellosen Vater gerechnet.

Kris ist ein verschlossener junger Mann, welcher immer noch grosse Schwierigkeiten hat, mit der Vergangenheit abzuschliessen. Mit seiner verschlossenen, aber trotzdem herzlichen und fürsorgliche Art wirkte er auf mich direkt sympathisch. Manon hatte es da bei mir eindeutig schwieriger. Lange Zeit war sie mir regelrecht unsympathisch. Sie war komplett verschlossen und gab nichts über sich Preis. So konnte ich auch nie näheres über sie erfahren.

Sie gab sich nicht so, wie sie sein sollte und ich brauchte meine Zeit, um mich mit ihr anzufreunden. Was aber beide Protagonisten bewiesen war Mut und Selbstlosigkeit. Auf authentischste Art und Weise setzten sie alles daran, den anderen zu retten und für das zu kämpfen, was sie glauben.

Die preisgekrönte Schweizer Jugendbuchautorin Alice Gabathuler bewies auch in «Hundert Lügen», dass sie starke, einzigartige und besonders authentische Charaktere erschaffen zu vermag. Auch mit der Jugendgruppe «Scales of Justice» und deren Aktivitäten hat sie eine interessante Thematik mithinein gebracht. Sozialkritisch und optimistisch denkend hat die Autorin eine motivierte Gruppe Jugendlicher erschaffen, welche sich politisch engagiert. Interessante Idee, welche zusätzliche Spannung und Einzigartigkeit in die Handlung mithinein bringt.

«Hundert Lügen» ist nicht, wie ich erwartet habe. Mit brutalen Drohungen, verschlossenen Charakteren und jeder Menge Lügen ist die Geschichte ziemlich düster ausgefallen. Auf ihre ganz eigene Art packte mich die Geschichte allerdings. Von Kapitel zu Kapitel war ich gespannter darauf zu erfahren, was geschehen war. Der Schreibstil der Autorin trägt ihr zusätzliches dazu bei, dass ich das Buch verschlungen habe.

Ich finde, dass das Buch nicht zu den stärksten der Schweizer Autorin gehört, trotzdem bringt sie Emotionen und Handlung gekonnt rüber. Ich kann das Buch wirklich allen empfehlen, welche Fans der Thriller von Harlan Coben, Sebastian Fitzek oder Andreas Eschbach sind.

Am 19. September wird meine Lieblingsautorin Alice Gabathuler um 18:30 in der Bibliothek zum Chutz in Muttenz eine Lesung zu ihrem neuen Buch «Hundert Lügen» halten. Der Eintritt ist frei und ich moderiere den gesamten Abend. Im Anschluss wird die Autorin Bücher signieren und Fragen beantworten. Ich würde mich freuen, Sie zu sehen.