Mein Lieblingswerk
Zündhölzer muss man hier in der Tasche haben

Der Schriftsteller Wolfgang Bortlik wählt Walter Kurt Wiemkens Bild «Das Denkmal des Generals» von 1937 als sein Lieblingswerk aus dem Kunstmuseum.

Von Wolfgang Bortlik
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Walter Kurt Wiemken: Das Denkmal des Generals, 1937, 32 x 24 cm, Öl auf Karton, Ankauf 1976. Martin P. Bühler/Kunstmuseum Basel

Walter Kurt Wiemken: Das Denkmal des Generals, 1937, 32 x 24 cm, Öl auf Karton, Ankauf 1976. Martin P. Bühler/Kunstmuseum Basel

«Ein Lieblingsbild aus dem Kunstmuseum ist unfair. Fünfzig wären okay. Dada. Surrealismus. Bilder, die schon immer meine Fantasie befeuert haben. Bilder, die mich zum Schwitzen bringen. Bilder, die mich nach Worten suchen lassen.

Wolfgang Bortlik

Wolfgang Bortlik

Kenneth Nars

In Basel geboren und aufgewachsen, erkrankte Wiemken mit vier Jahren an Kinderlähmung, was ihn sein Leben lang körperlich behinderte. Er war ein überaus wacher, einfühlsamer, empathischer Geist, gut Freund mit Otto Abt und Walter Bodmer, Mitbegründer der Gruppe 33. 1940 verunglückte er bei einem Spaziergang im Tessin tödlich.

Anlässlich seines hundertsten Geburtstags gab es 2007 eine Ausstellung im Kunstmuseum. Ich habe mir ein kleines Bild von ihm ausgesucht: «Das Denkmal des Generals» ist nur ein bisschen grösser als ein A4-Blatt, aber Fläche ist ja nicht immer gleich Wirkung.

Das Bild entstand 1937, unter dem Eindruck des Spanischen Bürgerkriegs, zur selben Zeit ungefähr als Picasso «Guernica» malte. Ein Jahr vorher hatte der faschistische General Franco gegen die Republik geputscht und 1939, nach einem blutigen Krieg und mit Hilfe der Nazis, gesiegt.

Das Bild von Wiemken ist mit einem wütenden Pinselstrich hingeworfen, voller Entsetzen hingemalt.

Da sitzt dieser General auf einem Gerüst aus blutigen Leichen, auf einem Thron aus toten Republikanern, Anarchisten, Kommunisten. Von oben erscheint ein auch ziemlich leichenähnlicher, rosaroter Engel, um den General mit einem Lorbeerkranz zu zieren. Irritiert hat mich immer der leuchtend rote Uniformrock des so locker Dasitzenden. Und während die Toten alle noch ein Gesicht haben, hat der General keines. Er könnte also jeder der grossen Verbrecher jener Zeit bis heute sein.

Eigentlich ist es auch gar kein Thron, auf dem der General sitzt, es ist eher ein Scheiterhaufen. Man müsste ihn nur anzünden.»

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