Ausstellung Daniel Huber und Maja Thommen
Zeit zum Schauen, Hinschauen, Hinfühlen – gelebte Zeit

Die Werke der beiden Künstler fordern vom Betrachter Zeit: Bei Daniel Huber Zeit, um sich die Geschichten, die sich in seinen Bildern tummeln, zu erzählen, bei Maja Thommen Zeit, um seelische und soziale Prozesse nachzuempfinden und in die eigene emotionale Welt zu übertragen.

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Ausstellung: Daniel Huber, Maja Thommen

Ausstellung: Daniel Huber, Maja Thommen

Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern
Daniel Huber stellt in der Galerie für Gegenwartskunst aus

Daniel Huber stellt in der Galerie für Gegenwartskunst aus

Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern

Von Regula Zellweger

Tritt man in den grösseren Ausstellungsraum in der Galerie für Gegenwartskunst und macht einige Schritte zum Raumende hin, steht man unvermittelt beinahe mitten in einem riesengrossen Bild. Man ist an der Längsseite eines Tisches. Links sitzt eine Frau in einem Stuhl, lebensgross, eine Hand unter dem Tisch, die andere liegt auf einer

Ausstellung: Daniel Huber, Maja Thommen

Ausstellung: 29. August bis 27. September 2009, Galerie für Gegenwartskunst, Im Dorfzentrum Burgwies,
8906 Bonstetten
Apéro: Sonntag, 13. September 2009, 13.00 bis 17.00 Uhr
Finissage: Sonntag, 27. September 2009, 13.00 bis 17.00 Uhr
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag: 14.00 Uhr bis 18.00 Uhr, Samstag: 11.00 bis 16.00 Uhr, Sonntag: 13.00 bis 17.00 Uhr, Kunstfenster: Ausstellung Jacqueline Real, geöffnet Samstag und Sonntag 14.00 bis 17.00 Uhr und nach Absprache.
Informationen: Galerie für Gegenwartskunst, Elfi Bohrer, im Dorfzentrum Burgwies, 8906 Bonstetten, Telefon: 044 700 32 10, www.ggbohrer.ch

Schrift, Bild, Geschichten, neue Techniken

Huber malt sehr grosse Bilder, oder kleine - kein Mittelmass, in jeder Hinsicht! Da sind kleine Bilder, ikonenartig, mit offensichtlich religiösem Inhalt. Sie wirken wie Aquarelle, aber Huber hat sie mit dem Computer in Photoshop gestaltet. „Ich hatte das Ziel, mit dieser Computertechnik etwas aufs Papier zu bringen, das dieselbe Ausstrahlung wie ein Aquarell hat".

Angesprochen auf den Inhalt lacht er: „Nein, ich bin nicht besonders religiös. Ich habe mich von Bildern von Giotto, dem Wegbereiter der Renaissance, inspirieren lassen". Der Philosoph Hegel hat über Giotto gesagt: „Giotto nun war es, der sich auf das Gegenwärtige und Wirkliche hin ausrichtete... das Weltliche gewinnt Platz und Ausbreitung, wie denn auch Giotto im Sinne seiner Zeit dem Burlesken neben dem Pathetischen eine Stelle einräumte". Seelenverwandte?

Jedes der Bilder bietet eine neue Geschichte, ein neues Schau-Erlebnis. Wunderschön ist auch die Kombination von Schrift und Bild. Besonders faszinierend sind die Wortspielereien und der feine Humor, der da und dort durchblitzt.

Menschliches Verhalten fein beobachtet

Wer kennt das Wort „Erdbebenherdebenen"? Vor vielen Jahren hat Maja Thommen gelesen, dies sei das deutsche Wort mit den meisten E. Irgendwie hat sie es nicht vergessen, es hat lange gegärt - entstanden ist eine Reihe von faszinierenden Skulpturen. Es ist ein Spiel von Mensch und Ebenen und erzählt von Erschütterungen, die das Leben prägen. Die Figuren ziehen netzartige Ebenen nach, stolpern darüber, tragen sie wie Flügel oder Kronen. Die Figuren sind aus Bronze, die Ebenen sind teilweise knallfarbig lackiert. Begeistert erzählt Thommen vom Autolackierer, davon, wie sie in seiner heissen Blechbaracke Autolackfarben ausgewählt hat und wie akribisch genau der Handwerker den Lack in mehreren Schichten aufgetragen hat.

Abläufe und geometrische Volumen

Geschichte und Geschichten hängen in einer Reihe an der Wand: Thommen hat sich intensiv mit den Relieftechniken der Weltkulturen beschäftigt und diese nachempfunden: geritzt, positiv, negativ und Kombinationen von den drei Möglichkeiten. Entstanden ist so eine Reihe von Reliefs, die das Thema „Kampf" variieren und schliesslich die Bewegungen in eine Umarmung übergehen lassen.

Nachdenklich betrachtet man ein Relief, das einen Bewegungsablauf vom Schneidersitz in den aufrechten Gang zeigt. Eine sitzende Frau erhebt sich und geht mit zugewandtem Gesicht und offenen Armen auf die Zukunft zu.

Reliefs sind bei Thommen aber nicht ausschliesslich flache Tafeln. Sie sind auf Säulen, Kuben und in Ringen zu finden, beispielsweise entdeckt man auf der Innenseite eines massiven Bronze-Messingringes Paare von Pferde, Löwen, Käfer, Menschen und Seehunden. Maja Thommen liebt Doppeldeutigkeiten, die Ironie, das Augenzwinkern, den feinen Humor und schafft Werke, die zu Assoziationsketten anregen. Sie ist eine gute Beobachterin, besonders was das menschliche Verhalten anbelangt. Unsichtbares sichtbar machen ist ein Anliegen der Künstlerin. Und damit erkennt man manchmal betroffen, manchmal schmunzelnd Altbekanntes, Eigenes, sowohl in den Skulpturen von Maja Thommen als auch in den Bildern von Daniel Huber.

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