Bürgerkrieg
Was war damals in Nicaragua? Solothurnerin schreibt ergreifenden Roman-Erstling

Die Solothurnerin Regula Portillo hat mit «Schwirrflug» einen ergreifenden Roman-Erstling geschrieben. Das Thema: Der Bürgerkrieg in Nicaragua.

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Die Solothurner Autorin Regula Portillo (38) hat ihren ersten Roman geschrieben und taucht damit in die jüngste Vergangenheit ein.

Die Solothurner Autorin Regula Portillo (38) hat ihren ersten Roman geschrieben und taucht damit in die jüngste Vergangenheit ein.

Remo Zehnder

Wer erinnert sich noch an Begriffe wie Sandinistas, Contras oder Daniel Ortega? Es sind Begriffe, wie sie in den frühen 80er-Jahren in den meisten Nachrichten vorkamen. Damals sorgte die Revolution in Nicaragua für Schlagzeilen; das Volk erhob sich gegen Diktator Somoza und die sandinistische Regierung, unter Daniel Ortega strebte unter anderem eine sozialistische Landreform an.

Um dieses sozialistische Ideal zu erreichen, welches allerdings von den sogenannten Contras – von den USA unterstützte Konterrevolutionäre – bekämpft wurde, traten um 1983/84 viele junge Leute aus Westeuropa den sogenannten Brigadisten bei, um den Einheimischen beim Aufbau eines neuen Landes und einer neuen Gesellschaft zu helfen.

Zwei solch, fiktive, Brigadisten, Ruth und ihr Mann Paul, reisen im Roman «Schwirrflug» von Regula Portillo mit grossen Idealvorstellungen nach Nicaragua. 1984 kommen sie dort an und werden sofort mit der harten Wirklichkeit, der Armut und dem Krieg konfrontiert.

Dreissig Jahre später entdecken ihre beiden Töchter, nachdem die Eltern gestorben sind, unzählige Dokumente, Fotos und Briefe über den lebensgefährlichen Einsatz ihrer Mutter und ihres Vaters. Alma und Judith fragen sich, weshalb waren unsere Eltern dort? War es aus reiner Abenteuerlust, eine Art Ökotourismus? «Unser Eltern waren Politaktivisten und wir wissen nichts davon».

Ein Familiengeheimnis

Für diese spannende, manchmal fast wie ein Krimi zu lesende Geschichtslektion hat die Solothurner Autorin Regula Portillo einen durchdacht komponierten Plot gestrickt. Immer pendeln die Schauplätze zwischen damals und heute. So werden die psychologischen Muster der Protagonisten deutlich erkennbar, gleichzeitig wird die Spannung durch stringente Dialoge stetig erhöht. Denn die beiden Schwestern glauben, einem Familiengeheimnis auf der Spur zu sein, und reisen für dessen Lösung den Elternspuren in Nicaragua nach.

«Schwirrflug» ist Portillos erster Roman, und gleich fand die Autorin, die 2013 einen Förderpreis für Literatur des Kantons Solothurn entgegennehmen konnte und heute in Frankfurt lebt, auch einen Verlag, der ihrem Buch die nötige Sorgfalt in Lektorat und in der Ausstattung zukommen liess.

Sinn der Entwicklungsarbeit

Gleichzeitig mit der spannenden Geschichte stellt die Autorin Fragen nach dem Sinn und Zweck von Entwicklungsarbeit. So lässt sie sagen: «Waren diese Friedensbrigaden nur ein Deckmantel für eine Art Drittwelttourismus und neokolonialistische Arroganz? Nicht mehr als ein linker, belächelter Haufen?»

Denn die nach Hause zurückgekehrten Eltern mussten erkennen, dass die Vision eines gerechten Nicaraguas eine kurze Illusion war. Hat sich also ein solcher Einsatz gelohnt, bei dem Kollegen terrorisiert, Freunde getötet wurden? Der Schluss ist versöhnlich. Die Personen, denen die Schwestern im heutigen Nicaragua begegnen, sind den damals Aktiven für ihren Einsatz heute noch dankbar.

Regula Portillo, «Schwirrflug», Edition Bücherlese 246 Seiten. Fr. 29.–.

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