Auf ein Wort
Was macht der Huber am Schuh?

Niklaus Bigler war Redaktor beim Schweizerdeutschen Wörterbuch. Er schreibt über Mundartausdrücke, ihre Entstehung und Bedeutung.

Niklaus Bigler
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Huber ist in der Schweiz ein häufiger Familienname, auch im südlichen Deutschland und in Österreich. Wir sagen natürlich Hueber, wie es der Etymologie entspricht. Ein Hueber war nämlich im Mittelalter der Pächter einer Hueb oder Huob, eines Bauerngutes von bestimmter Grösse. Die standardsprachliche Form Hufe geht auf eine mitteldeutsche Variante zurück. Etwa 40 oder mehr Jucharten (je nach Herrschaftsgebiet, grob umgerechnet 15 Hektaren) konnte der Hueber gegen Lehenszins bebauen. In den Bestimmungen des Klosters Königsfelden von 1351 steht dazu: «Das gotzhus [Kloster] sol sin huoben drystund [drei mal] in dem jar besehen mit den huoberen; stant si wol [sind sie in gutem Zustand], so sol man si lazzen stan; stand si übel, so sol man si anders besetzen.»

Familiennamen, die an Lehens- und Besitzverhältnisse des Mittelalters erinnern, gibt es noch andere, vor allem Widmer (zu althochdeutsch widamo, Vergabung an Kirchen oder Klöster) und Meier (Verwalter im Auftrag einer Grundherrschaft). Der Pächter einer Hueb musste nicht unbedingt Hueber genannt werden; es steht in den Dokumenten vielleicht auch einfach «Hans in der huob» oder «Peter an der huob». So ist der Familienname Anderhub entstanden, der im Luzerner Seetal daheim ist. In der Umgangssprache bildeten sich aus dem Namen auch neue Zusammensetzungen: der Gschaftlhuber in Bayern und Österreich (ein entfernter Verwandter unseres Vereinsmeiers) und der Schwindelhuber im Badischen, jemand, der beim Erzählen gern dick aufträgt.

Im Schweizerdeutschen gab es noch einen weiteren Hueber, nämlich ein Lederstück, das man als Flick auf die Oberseite des Schuhs nähte. Vielleicht besteht da ein sprachlicher Zusammenhang mit der Hueb; man denke an die vielgestaltigen Formen von Landparzellen. Bis vor etwa hundert Jahren waren dieser Hueber und vor allem die Ableitung Hüeberlig noch bekannt, auch in übertragener Bedeutung: Das isch nume e Hüeberlig gsii, ein Notbehelf.

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