Film
Warum Joel Basman ein böser Junge sein will

Der Schweizer Joel Basman spielt im Actionfilm «Hanna» einen Auftragskiller und sagt im Interview, weshalb er sich zum Bösen hingezogen fühlt.

Angela Allemann
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Hollywood rief, und Sie gingen hin. Ist dieser Film nun Ihr grosser internationaler Durchbruch?Joel Basman: Er wird mir sicher noch mehr Möglichkeiten eröffnen, mehr Aufmerksamkeit verschaffen.

Ist denn eine internationale Karriere überhaupt Ihr Traum?
Ach, schön wärs schon, aber in erster Linie will ich gute Filme machen, tolle Filme, zu denen ich stehen kann. Die ich meinen Kindern mal zeigen und sagen kann: Schaut mal, das war ich, da war ich dabei. Wenn Ruhm damit einhergeht, umso besser.

Hatten Sie denn mit den Grossen auf dem Set Kontakt?
Cate Blanchett konnte ich begrüssen, als wir in Hamburg drehten, Saoirse Ronan traf ich oft bei den Stuntproben und Regisseur Joe Wright war überall. Am meisten hatte ich mit meinem Filmboss Tom Hollander zu tun. Der hat mich sehr beeindruckt, eine richtige Schauspielmaschine.

Ihre eigene Rolle ist ja sehr klein. Man sieht Sie wenig. Sie sprechen kaum einen Satz. Sind Sie damit zufrieden?
«Ich habe sie», sage ich. Und ich glaube: «Fresse halten, ihr Hippieschweine.» Das wars denn auch schon. Und ja, ich bin zufrieden, die Erfahrung zählt. Es war doch alles ein paar Nummern grösser.

Dafür springen Sie über Eisenbahnwagen, fuchteln mit Pistolen herum und kämpfen wie ein Löwe. Haben Sie das selbst gemacht?
Nicht alles. Ab einer gewissen Höhe dürfen wir das gar nicht, aber die Kampfszenen habe ich alle selbst gespielt.

Sie sehen nicht aus wie ein Muskelprotz. Wie haben Sie sich vorbereitet?
Ich bewege mich sehr gern, mache Thaiboxen. Da kann man loslassen, abschalten, mal eins auf die Fresse kriegen oder im Ring rumtorkeln, alles liegt drin.

Sie spielen Razor, einen Auftragskiller, was ist das für ein Typ?
Er ist ein kleiner, kaputter Mitläufer mit hohem Aggressionspotenzial, ein Menschenfeind. Einer, der mehr nachmacht, als dass er tatsächlich begreift.

Und so einen Typ verstehen Sie?
Auf jeden Fall. Ich kann verstehen, dass kleine Jungs wie er es toll finden, Springerstiefel anzuziehen, weil es einfach ein krasses Gefühl ist, seine Mitmenschen zu schockieren.

Hatten Sie auch so eine Phase?
Nicht wirklich, aber ich fands auch geil, mit Jogginghosen in die Schule zu gehen. Grenzen auszuloten, zu provozieren, mal sehen, was die anderen und die Lehrer sagen.

Bis jetzt spielten Sie ziemlich verquere Typen: verwahrloster Jüngling, drogenschluckender Teenager, stummer Senn, Autist, Knastbruder. Menschen, die eher am Rande der Gesellschaft stehen.
Solche Rollen finde ich reizvoll, da ist viel zu spielen, viel zu entdecken. Ich setze zwar nicht alles auf die Karte Spezialos, aber bis jetzt funktioniert das für mich sehr gut.

Was wäre Ihre Traumrolle?
Ein englischer Lord als kleiner klugscheissender böser Junge, von Mama verhätschelt, aber hintenrum lässt er die Sau raus und macht was abgrundtief Böses, Gemeines.

Wow! Woher kommt denn diese Faszination für das Böse?
Es interessiert mich einfach, wie die Menschen ticken. Gespräche mit Charles Manson, Osama Bin Laden, Adolf Hitler würden mich darum wahnsinnig reizen. Nicht, weil ich diese Personen toll finde, aber ich würde gern ihre Energie spüren, Abgründe erforschen. Ich denke, das Gute und das Böse liegen in jedem Menschen sehr nah beieinander. Mich beschäftigt die Frage: Was ist passiert im Leben einer Person, dass sie eher zum Guten oder zum Bösen neigt?

Sie werden auch in Ihren nächsten Rollen problembeladene Figuren verkörpern?
Klar. Einen Nazi in der dreiteiligen ZDF-Serie «Unsere Mütter, unsere Väter» und einen Holocaustüberlebenden in einer späteren Arbeit. Ich mag Gutmenschen, aber momentan ziehts mich schauspielerisch in eine andere Richtung. Aber positive wie auch negative Rollen haben ihren Reiz; das Drehbuch muss einfach stimmen.