Warmer Sound im botanischen Garten

Jazz Der Dietiker Trompeter Daniel Schenker präsentiert sein Werk «Jardim Botanico» im Aargau

Stefan Künzli
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Warmer Sound im botanischen Garten

Warmer Sound im botanischen Garten

Stefan Künzli

«Nur wenigen Trompetern gelingt das schlichte Quartettformat so überzeugend wie Daniel Schenker», schrieb der Jazzpublizist Peter Rüedi in der «Weltwoche» über den Schweizer Trompeter. Danach folgt eine einzige Lobeshymne auf Schenkers «warmen Sound» auf seinem aktuellen Album «Jardim Botanico». Völlig zu Recht, denn mit «Jardim Botanico», zu Ehren des botanischen Gartens von Rio de Janeiro, ist Schen-
ker eines der schönsten Alben eines Schweizer Jazzmusikers in diesem Jahr gelungen. Nun stellt er sein wunderbares Projekt auch im Aargau vor.

Der 49-jährige Schenker ist kein Kraftmeier, kein Stratosphären-Gipfelstürmer. «Die Trompete ist für mich mehr als ein Signalhorn, es ist Melodie-Instrument», erklärt er, «die ganz hohen Töne haben für mich immer etwas Artistisches. Für mich liegt die Stärke der Trompete deshalb eher im mittleren Bereich.» In diesem Bereich findet er die Seele des Instruments, hier klingt es warm und körperlich, und hier kann die musikalische Seite des Instruments ausgespielt werden.

Miles Davis und Chet Baker

Die Vorliebe für den warmen mittleren Bereich teilt er mit Miles Davis und Chet Baker. Die beiden sind denn auch seine Idole. Bei Miles liebt er die Sinnlichkeit, bei Baker auch den Umgang mit Motiven und seine Rhythmik. Beeinflusst hat ihn punkto Komposition auch Tom Harrell.

Auf «Jardim Botanico», dem dritten Werk Schenkers, kommt seine Affinität zur brasilianischen Musik besonders zum Ausdruck. «Mein Schlüsselerlebnis hatte ich vor fünfzehn Jahren auf einer Tour mit der Band Hip-Noses», erzählt Schenker. Seither hat er immer wieder vor allem Bossa nova in seine Musik integriert. Damit wird die Leichtigkeit in Schenkers Spiel noch betont und selbst komplexeste Harmoniefolgen münden in organische und selbstverständliche Melodielinien.

Perfekt zu Schenker und seiner Musik passen Bassist Dominique Girod und der neue Pianist Stefan Aeby. Der 31-jährige Freiburger gehört zu den Aufsteigern im Schweizer Jazz, der mit «Are you...?» (Unit) ein einfühlsames Trio-Album eingespielt hat. «Ich habe Stefan im letzten Jahr in Freiburg kennen gelernt», erzählt Schenker und lobt seinen Geschmack, seine Musikalität und seine grossen Ohren. Bei den nächsten Konzerten muss er dagegen auf seinen langjährigen Schlagzeuger Elmar Frey verzichten. Er ist vor einigen Tagen von der Bühne gefallen und hat sich die Schulter gebrochen. An seiner Stelle spielt jetzt Tobias Friedli.

Zuerst Informatiker, dann Jazzer

Schenker ist in Dietikon aufgewachsen, hat an der ETH ein Informatikstudium abgeschlossen und 1995 das Berufsdiplom an der Swiss Jazz School in Bern erlangt. Schenker ist seit Jahren ein gefragter Sideman in den verschiedensten Formationen und hat schon bei mehr als fünfzig Album-Produktionen mitgewirkt. An zweieinhalb Tagen in der Woche lehrt er zudem an den Jazzschulen in Zürich und Bern.

Als Dietiker hat er auch zum Aargau einen starken Bezug. Ist gern gesehener Gast in den Aargauer Jazzklubs und spielt immer wieder mit Aargauern wie Christoph Merki, Stephan Athanas, Christoph und Mathias Baumann. Lobende Worte findet er auch für die Aargauer Kulturpolitik und das Kuratorium. «Das ist eine ganz tolle Institution», sagt er «wir Zürcher sind manchmal fast ein wenig neidisch.»

Daniel Schenker Quartet: Jardim Botanico, Musiques Suisses, MGB Jazz Jazz Live Aarau: Sa., 2. Oktober, 15.30 Uhr im Saal des Restaurants Spaghetti Factory, Metzgergasse 8 in Aarau. Weitere Informationen zum Herbstprogramm www.jazzliveaarau.ch

29. November im «Isebähnli», Baden.