Darwin-Jahr
Vom Einzeller zum Raubsaurier

Das Leben auf der Erde hat sich in 3,5 Milliarden Jahren in unzählige Richtungen entwickelt. Dieses Wochenende kann man im Hauptbahnhof Zürich der Evolution nachspüren.

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Allosaurus

Allosaurus

Keystone

Oliver Steimann

«Zu viele Fragen bleiben offen»

Die grosse Evolutionsschau stösst nicht überall auf Begeisterung. Kritiker der Evolutionstheorie finden die Ausstellung falsch oder überflüssig. Beispielsweise EDU-Kantonsrat Heinz Kyburz (Oetwil am See). «Ich werde mir das sicher nicht anschauen», erklärt er. Für ihn sei nicht eindeutig bewiesen, dass die Evolutionstheorie auch wirklich zutreffe, viele Fragen blieben damit unbeantwortet. «Die Wissenschafter können die Entstehung des Lebens mit dieser Theorie nicht beantworten», so Kyburz. Die Evolutionstheorie sei eben nicht mehr als eine Theorie - zudem eine, die sich in den letzten 150 Jahren nicht weiterentwickelt habe, wie Kyburz meint. Er und seine Fraktionskollegen haben sich kürzlich dafür eingesetzt, dass an der Volksschule die Schöpfungslehre im Unterricht gleichwertig neben Darwins Ideen behandelt wird, allerdings ohne Erfolg. Im vorliegenden Fall würde der EDU-Politiker sich wünschen, dass neben dem Baum des Lebens auch das biblische Modell dargestellt würde. «Gewisse Fragen kann man eben nur mit Gott beantworten.» (ost)

Vom Ursprung des Lebens bis zum Erscheinen der ersten Menschen sind es im Hauptbahnhof nur wenige Schritte. «Wir mussten uns auf das Wesentliche beschränken, sonst würde die Ausstellung bis nach Schlieren reichen», erklärt Paul Schmid-Hempel, Biologieprofessor der ETH Zürich. Doch auch so ist der «Baum des Lebens», der die vor 150 Jahren entstandene Evolutionstheorie veranschaulicht, eindrücklich genug.

Die Wege, die die Natur in 3,5 Milliarden Jahren genommen hat, werden durch Baumstämme verbildlicht, die sich immer wieder verzweigen und verästeln. In zahlreichen Schaukästen werden Fossilien, Pflanzen, präparierte und auch lebende Tiere gezeigt. Sie illustrieren die grossen Schritte, in denen die einzelnen Ausformungen des Lebens entstanden sind. Für Schmid-Hempel bildet beispielsweise die Gruppe der sozialen Insekten - Bienen, Wespen, Ameisen und Termiten - einen Höhepunkt der Evolution. «Sie haben die Arbeitsteilung radikal verwirklicht.» Auch die Landwirtschaft sei von Ameisen erfunden worden: «Es gibt Arten, die für ihren Nahrungsvorrat Pilze züchten.»

Alles schon mal da gewesen

Die meisten Besucher zieht jedoch jener Ast des Baumes an, der den Dinosauriern gehört. Drei grosse Skelette lassen die Wuchtigkeit dieser Wesen erahnen. «Erstaunlich ist, dass grosse Lebewesen zu Land, im Wasser und in der Luft, ähnlich wie wir sie heute kennen, damals auch existiert haben - und dann alle wieder verschwunden sind», so Schmid-Hempel. Doch nicht alle Zweige der Dinosaurier enden in einer Sackgasse: Die Vögel gelten als die direkten Nachfahren der Urzeitechsen.

Zu Beginn, und in gewissen Kreisen auch heute noch, musste sich die Evolutionstheorie gegen andere Konzepte behaupten (siehe Kasten). «Hätten wir unsere Ausstellung im 18. Jahrhundert realisiert, hätte sie ganz anders ausgesehen», erklärt Biologe Uly Reyer von der Uni Zürich. Bis dahin sei man von der Beständigkeit der Arten seit ihrer Schöpfung ausgegangen.

Ausstellung im HB

Die Ausstellung «Baum des Lebens» im Zürcher Hauptbahnhof dauert noch bis morgen Sonntag, 20 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Im 19. und 20. Jahrhundert aber wurden Fossilien vieler Zwischenarten gefunden, beispielsweise zwischen Fisch und Amphibie oder zwischen Saurier und Vogel - sodass sich die Evolutionstheorie durchsetzten konnte.

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