Schweizer Trickfilme mit Potenzial

An der 7. Ausgabe des Animationsfilmfestivals Fantoche messen sich erstmals auch Schweizer Trickkünstler in einem Wettbewerb.

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Fantoche - Die Seilbahn

Fantoche - Die Seilbahn

Aargauer Zeitung

Thomas Hunziker

Fantoche ist mit Filmen und Gästen aus aller Welt international ausgerichtet. Doch das einheimische Filmschaffen wird deshalb keinesfalls vernachlässigt. Schweizer Werke hatten bereits früher ihren festen Platz, dieses Jahr treten sie nun erstmals in einem eigenen Wettbewerb gegeneinander an. Das Festival will dem Schweizer Animationsfilmschaffen durch diese Neuerung einen prominenteren Platz geben. «Ausserdem denken wir, dass die Bewertung durch eine internationale Jury für den Schweizer Animationsfilm bereichernd sein kann», erklärt Duscha Kistler, die künstlerische Leiterin des Festivals.

Die beiden Programme des Schweizer Wettbewerbs bieten einen umfassenden Überblick über die aktuellen Produktionen aus der Schweiz. Einige der Filmemacher sind alte Bekannte. Die feste Grösse des Schweizer Animationsfilms ist Georges Schwizgebel. Seit über 30 Jahren bereichern seine animierten Gemälde die Trickfilmlandschaft. Er ist mit «Retouches» nicht nur im Schweizer, sondern auch im internationalen Wettbewerb vertreten. Schwizgebel bleibt darin seinem unverwechselbaren Stil der fortschreitenden Metamorphosen treu, spielt mit den Formen und verknüpft die Strukturen. Die markanten Striche von Schwizgebel bewegen sich dabei verspielt im Raum und beflügeln die Fantasie.

Treue Festivalbesucher sind auch mit den Werken von Rafael Sommerhalder vertraut. So stammt etwa der Fantoche-Trailer der letzten Ausgabe von ihm. Dieses Jahr präsentiert er im Schweizer Wettbewerb «Flowerpots» sein erstes handanimiertes Werk. Darin lässt er einen Mann mit besonderem Schuhwerk über die Leinwand hüpfen. Der Mann mit langem Mantel und elegantem Hut steckt nämlich in einem Blumentopf. In dieser verschmitzten Fantasie über die Herausforderungen des Wachstums spielt Sommerhalder mit den überraschenden Momenten der Animation. Daneben gibt es aber auch junge Talente zu entdecken, von denen einige erst letztes oder dieses Jahr die Ausbildung an der Abteilung Animation der Hochschule Luzern abgeschlossen haben. Dazu gehört auch Anja Kofmel, die sich in «Chrigi» an ihren 15 Jahre älteren Cousin erinnert. In ausdrucksstarken Zeichnungen erzählt sie die Geschichte von einem Idealisten, der auszog und nicht mehr zurückkehrte.

Weil Fantoche momentan vom Zweijahres- auf den Einjahresrhythmus wechselt, sind einige der Beiträge schon relativ alt. So feierte «Die Seilbahn» von Claudius Gentinetta bereits im Januar 2008 an den Solothurner Filmtagen die Weltpremiere und wurde als Vorfilm von «Happy New Year» schon in den Kinos gezeigt.

Dennoch sind in den Programmen auch ein paar ganz neue Filme enthalten, zum Beispiel «Amourette» von Maja Gehrig oder «Land of the Heads» von Claude Barras und Cédric Louis. Nächstes Jahr wird dann die Auswahl an neuen Filmen nicht mehr so umfangreich sein. Kistler geht daher für Fantoche 2010 von nur noch einem Schweizer Wettbewerbsprogramm aus: «Ich lasse mich jedoch gerne von vielen tollen Filmen überraschen, sodass wir doch zwei Programme zeigen könnten.» Das Potenzial dafür ist vorhanden.

Fantoche Kino Trafo 5.
Schweizer Wettbewerb 1: Fr, 20.30 Uhr; So, 12.15 Uhr.
Schweizer Wettbewerb 2: heute (Donnerstag) 20.30 Uhr; Sa, 20.30 Uhr, So, 14 Uhr.

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