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Perlen am Horizont

Am Animationsfilmfestival Fantoche in Baden überwiegt eine kreative Stimmung zwischen Taiwan und Trafo.

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Aargauer Zeitung

Corinne Rufli

Fantoche ist mehr als nur ein Sammelbecken für Trickfilmfreunde. Wenn das Festival in Baden einzieht, legt sich ein internationaler Schleier über die Stadt und verpasst ihr eine kulturelle Ausstrahlungskraft. Aus Zürich strömen sie herbei und aus Wien oder Taiwan. Man sieht das vorwiegend junge und junggebliebene Publikum mit Badges und dem Fantoche-Programmheft durch die Badener Strassen wandeln. Dabei wird gefachsimpelt über Pixel und Pixar oder über «Up» und Tiefpunkte im Animationsfilm. Und das mehrsprachig.

Ein Glücksfall scheint das sanierte «gelbe Viereck», das Merker, zu sein, das seinen urbanen fabrikneuen Charme versprüht, der auch bei den Festivalbesuchern gut ankommt. Vor dem Merker sind die Kinokasse mit Andrang, der Infostand und ein Shop. Im Inneren des Merkerareals trifft sich die Trickfilmszene zum Essen, zum Kaffee und zum Austausch über die neu gefundenen Perlen inmitten der schier unendlich grossen Auswahl an Filmen. Man begegnet Regisseuren, Fans, Expertinnen und Neuinteressierten. Die Filme werden haupt-sächlich im Trafokino gezeigt.

Humor kommt neben Traurigkeit

Der animierte Film wird am Fantoche in seiner ganzen Breite gezeigt und lässt sich nicht blockbustermässig in eine Schublade drücken. Hochkomplexes steht neben Einfachem, Sauglattes neben Tieftraurigem.

Bereits morgens um 10 Uhr trifft man auf regelrechte Filmfreaks. Wie zum Beispiel Simon Oberli aus St. Gallen, der momentan in der Badener Jugendherberge wohnt. «Ich habe Karten für alle Filme», sagt er. Letztes Jahr habe er selber einen Film eingereicht, dieses Jahr sei er zur Inspiration und zum Austausch mit anderen Filmschaffenden da.

«Ich finde das Festival sehr wichtig», sagt ein Taiwanese, der in seiner Reiseplanung das Fantoche fest miteingeplant hat. «Denn es gibt nur wenige Animationsfilmfestivals.» Er besucht in seiner Heimat eine Filmschule und arbeitet selber an einem Trickfilmprojekt. Auch ihm gefällt die Atmosphäre gut hier in Baden.

Aus einem Kinosaal stürmen Horden von Schulkindern. Sie haben gesehen, wie ein Animationsfilm entsteht. «Ich weiss jetzt, wie schwierig es ist, einen solchen Film zu machen», sagt ein Mädchen, das es interessant gefunden hat, einmal hinter die Kulissen schauen zu können.

Sich einfach reinziehen lassen

An diesem Festival besteht die Möglichkeit, in eine Welt einzutauchen, von der man sich nicht vorstellen konnte, dass sie existiert. Die Filme lassen einen den Horizont des Denkbaren erweitern und regen zu mehr Fantasie an. Egal, ob verträumte Welt oder harte Realität, man wird hereingezogen und mitgeschleift durch diesen Kreativ-Kosmos an Filmmaterial. Enttäuschendes und Geniales findet man dabei. Am besten ist es, wenn man sich verzaubern lässt - bis Sonntag hat man noch Zeit.

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