Zürich/Schlieren
«Man kann sich von vielen Dingen auskotzen wollen»

Unangenehme Gefühle wie Ekel, Angst und Furcht werden vom Künstlerinnen-Trio Mickry 3 in Objekten der neuen Ausstellung «House of Pain» umgesetzt. Die Serie der Skulpturen nehmen Räumlichkeiten der Barbarian Art Gallery ein.

Anina Gepp
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House of Pain Kunstausstellung von Trio Micky 3
10 Bilder
Schräg: Ein Pferd, das wie ein Hund sein Bein hebt, um sein Geschäft zu erledigen.
Dieser Pelikan hat viel Platz in seinem Schnabel und verspeist mit Haut und Haar gleich einen ganzen Menschen.
Die Tür ins Ungewisse
Ein gequälter Tintenfisch
Der Junge hält das ein fallendes Gestell fest
Das Mädchen hält die falsche Frau an der Hand, es ist nicht ihre Mutter
Diese Figur fühlt sich nicht wohl in ihrer Haut
Mäuse, die ihren eigenen Bruder fressen
Dieser Figur wächst ein zweites Gesicht aus dem Oberschenkel, ihre dunkle Seite

House of Pain Kunstausstellung von Trio Micky 3

Patricia Schoch

Die Werke des Künstlertrios Mickry 3 sind polarisierend. Die jungen Frauen, die in Schlieren in ihrem Atelier kreative Ideen zu dreidimensionalen Arbeiten umsetzen, sind schamlos und schrecken nicht davor zurück, mit ihrer Kunst heikle Themen aufzugreifen. Ab heute ist die neue Ausstellung «House of Pain» von Nina von Meiss, Christina Pfander und Dominique Vigne in Zürich zu bewundern.

Aus Styrofoam und Acrystal geschaffene Objekte nehmen Räumlichkeiten der Barbarian Art Gallery ein. Die Serie der Skulpturen erzählt Geschichten von Ekel, Angst, Furcht und anderen unangenehmen Gefühlen.

Ratten, die ihren Bruder fressen

Das Kunstwerk «Me and my brother» zeigt vier aus Gusskeramik gegossene Ratten, die ihren eigenen Bruder verspeisen. Mit ihren Pfötchen stehen sie mitten in einer Blutlache. «Es ist ganz natürlich, dass sich Ratten gegenseitig auffressen», sagt Christina Pfander.

Hingegen wirkt ein urinierendes Pferd schräg, das wie ein Hund sein Bein hebt, um sein Geschäft zu erledigen. Bei manchen Objekten müsse man eben zweimal hinschauen, bevor man erkenne, was man genau sieht, sagt Nina von Meiss.

Zwei Mal hinschauen. Das trifft auf alle der Skulpturen zu. Indem ihre Erscheinungsbilder glänzend wie Keramikfigürchen sind, wird dem Betrachter erst nach genauerem Hinsehen klar, wie ekelerregend, schaurig und hässlich ihre Aussagen sind. So trägt beispielsweise eine Arbeit den Namen «I love pork» und nennt sich so, weil in Metzgerschaufenstern oft lustige Schweinchen-Figürchen stehen, die sich trotz ihrer bevorstehenden Schlachtung fröhlich suhlen.

«Jeder hat eine dunkle Seite»

Doch weshalb Themen wie Ekel, Angst und Furcht? «Die letzte Ausstellung der Waldidylle war so schön. Fast zu schön», sagt Dominique Vigne. «Deshalb wollten wir jetzt etwas total Ekliges und Hässliches machen. Das Gegenteil eben.»

Dabei merkten die Künstlerinnen, dass jede von ihnen eine ganz eigene Schmerzgrenze hat. Auch nach 13 Jahren des gemeinsamen Arbeitens lernten die drei Frauen nochmals eine andere Seite voneinander kennen.

Von Meiss schaudert es am meisten, wenn sie die Skulptur einer Frau ansieht, der am Hinterbein ein zweites Gesicht wächst. «Doch jeder von uns hat eine dunkle Seite», sagt die Künstlerin.

Aktion «Kotz dich frei»

Eines der Kunstwerke wurde bereits zahlreich mit Leuten abgelichtet, die der Einladung zur Aktion «Kotz dich frei» gefolgt sind. Sie hatten die Möglichkeit, sich mit dem Kunstwerk namens «Nach dem Fest» ablichten zu lassen. Dabei handelt es sich um Kübel, in die ein Schwall voller Süssigkeiten erbrochen wird. Hält man den Mund an die richtige Stelle, sehe es aus als würde man erbrechen, so Pfander. «Der Andrang war riesig. Anscheinend ist das eine Marktlücke.» Schliesslich könne man sich von vielen Dingen auskotzen wollen, sagt die Künstlerin.

Die Ausstellung «House of Pain» an der Limmatstrasse 275 in Zürich bleibt bis zum 18. Januar 2013 in der Barbarian Art Gallery.

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