Kunst

Kunstmuseums St. Gallen: Keine Hinweise auf NS-Raubkunst

Die Untersuchung der «Sturzeneggerschen Gemäldesammlung» des Kunstmuseums St. Gallen auf mögliche Raubkunst hat keine Verdachtsfälle ans Licht gebracht.

Drucken
Teilen
Anselm Feuerbachs «Nanna» (186465): Unbedenkliche Besitzfolge.

Anselm Feuerbachs «Nanna» (186465): Unbedenkliche Besitzfolge.

wikipedia

Die Sammlung des Stickereifabrikanten Eduard Sturzenegger (1854-1932) kam 1926 durch Schenkung in den Besitz der Stadt St. Gallen und wurde in der Folge stark umgestaltet: 120 Werke kamen nach 1933, dem Jahr der Machtergreifung der Nationalsozialisten (NS) in Deutschland, hinzu. Heute befinden sich 143 Werke als Bestand der Sturzeneggerschen Sammlung im Kunstmuseum St. Gallen. Seit Anfang 2017 untersucht das Museum die Bilder im Rahmen eines vom Bundesamt für Kultur (BAK) unterstützten Forschungsprojekts, um Klarheit über mögliche Raubkunstfälle aus der Nazizeit zu schaffen.

Der Fokus der Arbeiten lag insbesondere auf 90 Werken, die im Zuge des Sammlungsumbaus seit 1935 Eingang in den Bestand fanden, wie das Kunstmuseum St. Gallen mitteilte. Sämtliche der vorhandenen Werke seien aktenkundig. Der Schlussbericht hält nun fest, dass für keines der untersuchten Werke ein konkretes Verdachtsmoment bezüglich der kritischen Jahre 1933 bis 1945 besteht. Der Schlussbericht wurde vom Bundesamt für Kultur (BAK) bereits genehmigt.

Einige der berühmten Werke der Sammlung, darunter Alfred Sisleys «Le Jardin» (1873), oder Anselm Feuerbachs «Nanna» (1864/65), konnten hinsichtlich ihrer Provenienz vollständig geklärt und eine lückenlose, unbedenkliche Besitzabfolge für die Zeit der NS-Herrschaft nachgewiesen werden.

66 von insgesamt 143 Werken konnten von den Fachleuten der Kategorie A zugewiesen werden. Diese Gruppe umfasst die Werke, die vor 1933 zur Sammlung gehörten (53 Werke) oder deren Herkunft als unproblematisch beglaubigt werden konnte (13 Werke).

Forschung geht weiter

Bei 77 Werken weisen ihre Provenienzen in der kritischen Zeit noch Lücken auf. Eine problematische Herkunft könne nicht ausgeschlossen werden. Das Kunstmuseum St. Gallen will die Forschungsarbeit an der Sturzeneggerschen Sammlung deshalb fortsetzen. Das Museum bemüht sich hierfür um eine Unterstützung aus dem Lotteriefonds des Kantons St. Gallen. Anfang Juni hat das BAK die zweite Projektausschreibung zur Provenienzforschung lanciert. (sda).