Nach Brand
Kunsthistorikerin zu Notre-Dame: «Informationen sind unwiederbringlich verloren»

Susan Marti konnte es nicht glauben. «Unvorstellbar», wirkten die Bilder der brennenden Notre-Dame auf die Kunsthistorikerin und Kuratorin am Bernischen Historischen Museum. Was die Zerstörung und ein Wiederaufbau aus ihrer Sicht bedeuten, sagt sie im Video-Interview.

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Die markanten Türme, die gewaltige Rosette, die gruseligen Wasserspeier, die Victor Hugo zu seinem «Glöckner von Notre-Dame» inspiriert haben – das ist es vor allem, was für viele die weltberühmte Kathedrale in Paris ausmacht.

«Dass der ganze Dachstock gebrannt hat, ist vielleicht nicht so spektakulär für den gewöhnlichen Besucher, aber das war ein 800 Jahre alter Dachstock», sagt Susan Marti. «Jeder einzelne Eichenstamm bestand aus einem anderen Baum.» Diese Informationen seien durch das Feuer teilweise «unwiederbringlich verloren» gegangen.

Die Pariser Kathedrale Notre Dame am Morgen nach dem verheerenden Brand.
77 Bilder
Die Pariser Kathedrale Notre Dame am Morgen nach dem verheerenden Brand.
Die Pariser Kathedrale Notre Dame am Morgen nach dem verheerenden Brand.
Die Pariser Kathedrale Notre Dame am Morgen nach dem verheerenden Brand.
Die Pariser Kathedrale Notre Dame am Morgen nach dem verheerenden Brand.
Die Pariser Kathedrale Notre Dame am Morgen nach dem verheerenden Brand.
Die Pariser Kathedrale Notre Dame am Morgen nach dem verheerenden Brand.
Die Pariser Kathedrale Notre Dame am Morgen nach dem verheerenden Brand.
Die Pariser Kathedrale Notre Dame am Morgen nach dem verheerenden Brand.
Die Pariser Kathedrale Notre Dame am Morgen nach dem verheerenden Brand.
Die Pariser Kathedrale Notre Dame am Morgen nach dem verheerenden Brand.
Nach dem Brand: So sieht es im Innern von Notre-Dame am Morgen danach aus.
Nach dem Brand: So sieht es im Innern von Notre-Dame aus.
Nach dem Brand: So sieht es im Innern von Notre-Dame aus.
Nach dem Brand: So sieht es im Innern von Notre-Dame aus.
Nach dem Brand: So sieht es im Innern von Notre-Dame aus.
Nach dem Brand: So sieht es im Innern von Notre-Dame aus.
Nach dem Brand: So sieht es im Innern von Notre-Dame aus.
Ein Drohnenfoto der Polizei zeigt den Schaden am Dach.
Das Inferno Notre-Dame.
Das Inferno Notre-Dame brach am späten Montagnachmittag aus.
Frankreichs Präsident Macron besucht mit seiner Frau die Notre-Dame.
Macron verspricht, Notre Dame wieder aufzubauen.
Löscharbeiten im Innern von Notre Dame.
Präsident Macron besucht mit seiner Frau Notre-Dame.
Das Inferno in der Kathedrale Notre-Dame.
Das Inferno in der Kathedrale Notre-Dame.
Die Pariser sind geschockt.
Macron verspricht den Wiederaufbau.
Präsident Macron besucht mit seiner Frau Notre-Dame.
Ein Turm stürzt ein, er wurde gerade renoviert.
Inferno im Wahrzeichen von Paris.
Rund 500 Feuerwehrleute waren aufgeboten.
Rund 500 Feuerwehrleute waren aufgeboten.
Das Inferno in der Kathedrale Notre-Dame.
Rund 500 Feuerwehrleute waren aufgeboten.
Das Inferno in der Kathedrale Notre-Dame.
Die Löscharbeiten während des Brandes am Montagabend.
Die Löscharbeiten während des Brandes am Montagabend.
Die Löscharbeiten während des Brandes am Montagabend.
Die Löscharbeiten während des Brandes am Montagabend.
Die Löscharbeiten während des Brandes am Montagabend.
Das Denkmal brennt am Montagabend lichterloh.
Die Rauchsäule ist von weitem zu sehen.
Die Löscharbeiten während des Brandes am Montagabend.
Die Rauchsäule ist von weitem zu sehen.
Die Rauchsäule ist von weitem zu sehen.
Die Polizei warnt die Leute in Paris, den Schauplatz zu meiden und den Weg für Fahrzeuge frei zu halten.
Die Polizei warnt die Leute in Paris, den Schauplatz zu meiden und den Weg für Fahrzeuge frei zu halten.
Die Polizei warnt die Leute in Paris, den Schauplatz zu meiden und den Weg für Fahrzeuge frei zu halten.
Die Rauchsäule ist von weitem zu sehen.
Das Denkmal brennt lichterloh.
Die Rauchsäule ist von weitem zu sehen.
Notre-Dame steht in Flammen
Notre-Dame steht in Flammen
Notre-Dame steht in Flammen.
Notre-Dame steht in Flammen.
Notre-Dame steht in Flammen.
Notre-Dame in Flammen: Die Feuerwehr versucht das Feuer einzudämmen.key
Rauch und Flammen steigen aus der Kathedrale Notre-Dame.
Die Kathedrale Notre-Dame steht in Flammen. Die Feuerwehr konnte nicht verhindern, dass das Feuer sich ausbreitete.fotos: Keystone
Flammenhölle in Notre-Dame am Montagabend.
Weitere Bilder vom Feuer in der Notre-Dame-Kathedrale und dem Ausmass der Zerstörung.
Weitere Bilder vom Feuer in der Notre-Dame-Kathedrale und dem Ausmass der Zerstörung.
Weitere Bilder vom Feuer in der Notre-Dame-Kathedrale und dem Ausmass der Zerstörung.
Weitere Bilder vom Feuer in der Notre-Dame-Kathedrale und dem Ausmass der Zerstörung.
Weitere Bilder vom Feuer in der Notre-Dame-Kathedrale und dem Ausmass der Zerstörung.
Weitere Bilder vom Feuer in der Notre-Dame-Kathedrale und dem Ausmass der Zerstörung.
Weitere Bilder vom Feuer in der Notre-Dame-Kathedrale und dem Ausmass der Zerstörung.
Weitere Bilder vom Feuer in der Notre-Dame-Kathedrale und dem Ausmass der Zerstörung.
Weitere Bilder vom Feuer in der Notre-Dame-Kathedrale und dem Ausmass der Zerstörung.
Weitere Bilder vom Feuer in der Notre-Dame-Kathedrale und dem Ausmass der Zerstörung.
Weitere Bilder vom Feuer in der Notre-Dame-Kathedrale und dem Ausmass der Zerstörung.
Weitere Bilder vom Feuer in der Notre-Dame-Kathedrale und dem Ausmass der Zerstörung.
Weitere Bilder vom Feuer in der Notre-Dame-Kathedrale und dem Ausmass der Zerstörung.
Weitere Bilder vom Feuer in der Notre-Dame-Kathedrale und dem Ausmass der Zerstörung.
Weitere Bilder vom Feuer in der Notre-Dame-Kathedrale und dem Ausmass der Zerstörung.

Die Pariser Kathedrale Notre Dame am Morgen nach dem verheerenden Brand.

Christophe Ena

Marti ist Kunsthistorikerin am Bernischen Historischen Museum in Bern. Als sie erfuhr, dass in der Notre-Dame ein Feuer ausgebrochen ist, konnte sie das erst gar nicht glauben: «Die Notre-Dame ist das Symbol der Beständigkeit, sie ist das Zentrum der Stadt.» Marti selbst besucht die Kathedrale bei jedem Besuch in Paris.

«Geschichte der Fragilität»

Am frühen Montagabend ist im Dachstock des weltberühmten Touristenmagneten ein Feuer ausgebrochen. Marti: «Ich konnte mir nicht vorstellen, dass tatsächlich Teile davon zusammenstürzen.» Eingestürzt ist der Dachreiter aus dem 19. Jahrhundert, die Skulpturen, diesen Turm geschmückt haben, sind laut Marti vor der Renovation, die vor dem Brand im Gange war, in Sicherheit gebracht worden.

Noch am Montag sagte der französische Staatschef Emmanuel Macron vor Ort, die Notre-Dame werde wieder aufgebaut, die Milliardärs-Familie Pinault versprach 100 Millionen Euro. Ein Wiederaufbau hat laut der Kunsthistorikerin verschiedene Aspekte. «Er ist wichtig, da wir uns nicht vorstellen könnten, den Bau als Ruine zu belassen. Andererseits ist es einfach so, dass es nicht möglich ist, die Originale wirklich zu ersetzen. Die sind einfach weg.»

Erfahren Sie hier das Wichtigste zu Notre-Dame und welche Schätze die Kirche beherbergt – und welche gerettet werden konnten:

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 Die der Gottesmutter Maria geweihte Kirche wurde in den Jahren 1163 bis 1345 errichtet, hier zu sehen auf einer Zeichnung von 1854. Der beim Brand am 15. April 2019 eingestürzte Dachstock ist also gut 800 Jahre alt gewesen.
 Die römisch-katholische Kirche Notre-Dame de Paris ist eine der frühesten gotischen Kirchengebäude Frankreichs. Ihre imposante Grösse – 69 Meter hoch sind die beiden Haupttürme, 93 Meter war der beim Grossbrand eingestürzte hölzerne Vierungsturm – macht sie neben dem Eiffelturm zum markanten Wahrzeichen von Paris. Die Geschichte des Bauwerks ist unfassbar reichhaltig: Im Rahmen der Französischen Revolution etwa wurde Notre-Dame 1793 gestürmt und zeitweise zum Weindepot umgenutzt. Victor Hugos 1831 erschienener Roman «Der Glöckner von Notre-Dame» fand Eingang in die Weltliteratur.
 Wer schon einmal in Notre-Dame war, wird unweigerlich hineingezogen in den Sog der faszinierenden gotischen Architektur. Wie konnte man vor rund 900 Jahren nur so etwas bauen? Rippengewölbe, Spitzbogen und Strebepfeiler machen es möglich: Durch diese auch bereits im frühen Mittelalter technisch gut entwickelte Baukunst waren bereits im 12. Jahrhundert Bauten dieses Ausmasses möglich. Nicht zu vergessen sei allerdings, dass nicht alles bis heute überlebte, viele gotische Bauten stürzten auch mangels korrekter statischer Berechnungen ein. Das Strebewerk von Notre-Dame aus den Jahren 1180/1200 gilt als eine für die Geschichte der gotischen Architektur entscheidende Erfindung: Die Streben sind offen zu sehen und leiten die Last so seitlich in den Grund. Die Kathedrale zu Notre-Dame hat im Laufe ihrer Lebzeit zwar renoviert und modernisiert werden müssen, doch erst der Grossbrand vom 15. April zerstörte einen Teil der Konstruktionen.
 Die grosse Orgel aus dem 13. Jahrhundert gehört zu den kostbarsten der Welt. Sie besteht aus knapp 8000 Pfeifen. Die bedeutende Orgel wurde durch das Feuer nicht beschädigt.
 Die Rosette an der Südfassade ist mit ihren 12 Metern Durchmessern eine der grössten Europas. Die bunten Fenster stammen aus dem 13. Jahrhundert, wurden jedoch zwischenzeitlich immer wieder ausgetauscht, etwa, weil sie im 18. Jahrhundert zu dunkel schienen, setzte man weisse Fenster ein. Ob der Brand vom Montagabend die Fenster beschädigte, ist noch nicht geklärt.
 Vor dem Brand, vor einigen Tagen, wurden 16 Kupferstatuen vom Dach der Kathedrale abgenommen, um sie in Südfrankreich restaurieren zu lassen. Was für ein Glück! Insgesamt gibt es im Innenraum der Kathedrale 37 Darstellungen der Jungfrau Maria, hinzu kommen moderne Statuen. Sie sollen den Brand am Montagabend überstanden haben.
 Die berühmten Wasserspeier an der Aussenseite der Kathedrale sind besonders seit Victor Hugos Roman «Der Glöckner von Notre-Dame» bekannt. Die Originale wurden im 18. Jahrhundert entfernt, da sie witterungsbedingt zu bröckeln begannen und auf die Strasse fielen. Die Figuren gehen auf die romanische Kunst zurück und sollen vor bösem Zauber schützen.
 Die Feuerwehrleute mussten sich am Montagabend grosse Sorgen machen, dass das Feuer die Glockentürme erreichen würde und damit auch die Stabilität der Glocken-Konstruktionen gefährden: Alleine die grösste der Glocken, «Emmanuel», wiegt 23 Tonnen. So weit kam es glücklicherweise nicht.
Reliquie in Notre-Dame: die Dornenkrone Jesu. Die Schatzkammer von Notre-Dame beherbergt zahlreiche Reliquien, darunter die Dornenkrone, die Jesus am Tag seiner Kreuzigung getragen haben soll. Das macht sie zu einer der wichtigsten christlichen Reliquien überhaupt. Sie wurde während des Brandes gerettet und befindet sich jetzt im Pariser Rathaus.
 Jährlich besuchen rund 13 Millionen Menschen die Kathedrale Notre-Dame in Paris.

Zur Verfügung gestellt

Diese «Geschichte der Fragilität» werde künftig zur Kathedrale gehören und auch sichtbar bleiben. «Es ist auch wichtig, dass man sich dieser Fragilität von kulturellem Erbe stellt.» (smo)

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