Art Basel
Kunst im Schlussverkauf

Wie ist das, wenn die junge Praktikantin erstmals in den Trubel einer Kunstmesse wie der Art Basel eintaucht? Unsere Praktikantin Corina Gall hat den Selbstversuch gewagt.

Corina Gall
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Art Basel: Liste 2017
6 Bilder
Die Puppen von Dardan Zhegrova in der Warteck.
Im Sudhaus der Warteck
Im Sudhaus der Warteck
Treppauf, treppab beim Warteck Liste 2017, Warteck:

Art Basel: Liste 2017

Kenneth Nars

Auch wenn ich bis vor dieser Woche noch eine Art-Basel-Jungfrau war, Kunstmuseen habe ich schon so manche besucht. Ein Interesse an Kunst aller Art ist durchaus vorhanden. Doch dass dieses grosse Ereignis Art Basel eine Messe und keine Ausstellung ist, hatte dann doch einen entscheidenden Einfluss auf mein Begeisterungs-Level.

Ich startete in die Woche mit dem Besuch der Liste 2017. In meiner Vorstellung figurierte diese Nebenveranstaltung für junge Galerien ein wenig als «Hipster»-Version der offiziellen Messe. «Da gehen die Jungen hin», sagte ich mir. «Da passt du bestimmt besser hin, als in die elegante und gehobene Art-Basel-Halle.» Ich lag falsch.

Schon auf dem Weg Richtung Warteck-Areal, der wohl einzige Ort der Art, der sich als «Hipster» bezeichnen lässt, fühlte ich mich ein wenig fehl am Platz. Wie das verwirrte Kind, das an einem Weihnachtsmarkt seine Eltern verloren hatte. Ich hoffe, ich habe von aussen nicht wirklich so ausgesehen.

Es war heiss da drin, und irgendwie war nicht genug Luft zum Atmen für alle da. Ich fühlte mich gestresst, etwa wie beim Sommer-Schlussverkauf, wenn man gerne etwas anprobieren möchte und dann die Schlange vor den Garderoben und den Kassen sieht. In viele Räume bin ich gar nicht erst reingegangen, weil sie überfüllt waren, oder Zwei unbedingt zwischen den Türrahmen die gerade besichtigte Kunst besprechen mussten.

Einmal verabschiedete sich beinah eine Skulptur von ihrem Sockel, weil ich jemandem ausweichen musste. Sympathisch an einer Kunstmesse finde ich, dass der Austausch zwischen den Menschen über die Kunst viel intensiver ist als in einem ruhigen Museum, wo jeder gemächlich für sich reflektiert, anstatt die Erfahrung mit jemandem zu teilen. Wer jedoch nur zur Kunst -Betrachtung zur Liste 2017 geht, sollte es sich zweimal überlegen.

Vielleicht wäre dafür das Museum doch der bessere Ort. Denn für das reine Betrachten der Werke ist die Atmosphäre zu chaotisch. Die Werke bekommen in den engen Räumen nicht den nötigen Platz, den sie verdienten. Eben wie ein Sommer-Schlussverkauf.

Mit neuem Elan und, zugegeben, anderer Garderobe besuchte ich am Mittwoch die offizielle Art Basel. Auch wenn die Messehalle natürlich nicht dem Charme einer umgenutzten Brauerei gleichkommt, fühlte ich mich da schon etwas wohler. Die Kunstwerke haben mehr Platz und Licht, problemlos kann der Besucher herumschlendern und sich die Werke auch aus weiterer Entfernung zu Gemüte führen.

Die Atmosphäre in der Halle war schon etwas ganz Besonderes. Von Jung bis Alt auf der Suche nach einem erfolgreichen Kauf. Ich wünschte mir ja andauernd, die Preise würden neben den Werken stehen. Ich verstehe diese Geheimnistuerei um die Preise nicht. Ich hörte nur, wie eine Frau enttäuscht zur anderen meinte: «Es kostet 1.1 Millionen» Wäre der Preis angeschrieben, sie hätte sich die Vorfreude sparen können.

Nicht der Preis, sondern die Absicht hinter einem Kauf hätte mich bei der Art Unlimited interessiert. Wer kauft so etwas? Wie kaufe ich so etwas? Zum Beispiel steht da ein riesiges Haus aus alten Töpfen und Geschirr, worin die Besucher sogar mit Essen verköstigt werden. Zum Anschauen ist das spannend, doch was ein potentieller Käufer damit anstellt, ist mir ein Rätsel.

Noch grösser das Fragezeichen bei den Performances. Sie sind vergänglich, erfordern menschliches Tun, wenn ich die Performance kaufe, was besitze ich dann genau? Die Idee dahinter, oder eine Aufnahme davon? Oder das Recht, diese aufzuführen? Es erstaunt nicht, dass in der Unlimited Halle viel weniger Kaufrausch herrschte, als bei den Galerien. Da wurde rege Fotografiert und diskutiert. Wie gerne hätte ich doch diese Preise gehört.

Mit den nötigen Mitteln hätte ich zum Abschluss dann doch noch gekauft: Die Halle mit den Statements hat bei mir den Kunstnerv getroffen. Die ausgestellten Werke hatten genau das, was ich in der Kunst sehen möchte: Eine spannende Mischung aus Ästhetik, Kreativität und politischer Message. War die Art bis dahin eher brav, hing da auch mal ein Bild einer Frau, die mit gespreizten Beinen ihre Klitoris zeigt.

Nicht, dass ich das in meinem Wohnzimmer aufhängen würde, aber Kunst, die etwas wagt und auch provoziert, finde ich einfach toll. Doch die werde ich in Zukunft wahrscheinlich wieder im Museum geniessen.