Kulturnacht von Kreativität geprägt

Laufenburg bot am Samstag zum fünften Mal Kultur ohne Grenzen. An einem Dutzend Stationen auf beiden Seiten des Rheins gab es Musik, Theater, Kunst und Kunsthandwerk.

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Aargauer Zeitung

Peter Schütz

Drama oder Komödie? Diese Frage stellte das Ensemble des Theater WIWA zum Auftakt der 5. Kulturnacht in Laufenburg. Die Laienschauspieler gaben die Antwort gleich selber: Beides, Drama und Komödie, ist Bestandteil des Theaters und des echten Lebens.

Ähnliches galt für die Kulturnacht. Sollten die Künstler, Kunsthandwerker und Organisatoren traurig oder zufrieden sein? Traurig, weil der erhoffte Besucherstrom ausblieb? Zufrieden, weil wenigstens das Wetter hielt? Roy Oppenheim, Koordinator der Laufenburger Kulturnacht, gewann der Veranstaltung Gutes ab. «Das Ambiente ist fantastisch», fand er. Recht hatte er. Die Nacht blieb trocken, der Himmel klar, über der Stadt lag dieser spezielle Zauber. Dennoch konstatierte Oppenheim einen Rückgang an Gästen im Vergleich zu den Vorjahren. Zum mässigen Interesse an der Kulturnacht sagte er: «Wir wollen ja nicht die Massen.» Oppenheim sah aber auch die Lücken. «Die Stadthalle fehlt. Und das Gericht wird nicht genutzt.»

Kam hinzu, dass die Kulturnacht eine Menge Konkurrenzveranstaltungen im Nacken hatte. Als «Ebbe und Flut» bezeichnete denn auch der Künstler Markus Olivieri das Treiben in der Altstadt. Stosszeiten wechselten sich mit Ruhephasen ab. Einzig die Protagonisten des Theaters WIWA und des Rehmann-Museums konnten sich nicht beklagen. Ihre Veranstaltungen waren gut besucht.

Mangels offizieller Eröffnung nahm das Theater WIWA als Erste das Hemd in die Hand. Die Gruppe liess sich in drei Etappen in die Karten schauen. Zeigte, wie sie sich das Theater vorstellt und was für sie das Theaterspielen bedeutet. «Theaterarbeit bedeutet Ensemblearbeit», erklärte Anja Grimbichler. Das heisst: «Die Spieler müssen aufeinander eingehen.» Die Demonstration erfolgte in kurzen Episoden. Eine Szene, dreimal auf andere Art gespielt. Zweite Übung: Das Publikum gab ein Gefühl vor, das die Theaterleute spontan spielen mussten. Leidenschaft etwa. Freude oder Trauer. Das kam gut an und machte Lust auf mehr.

Nächste Station: das Rehmann-Museum. Dort kündigte Kuratorin Cornelia Ackermann «einen der Höhepunkte im laufenden Ausstellungsjahr» an. Die Hauptakteurin war die Zürcher Performerin Victorine Müller. Im Museum zeigte sie einen luftgefüllten tropfenartigen Körper mit langem Kunsthaar. Die Arbeit erinnerte an Rapunzel. Im Skulpturengarten dann die eigentliche Schau: ein aufgeblasener meterhoher durchsichtiger Vogel, in dem die Künstlerin sich nicht, wie viele erwarteten, bewegte. Sie stand einfach da. Fast eine halbe Stunde lang bildete Müller in und mit der Hülle eine reglose Skulptur.

Als der nächtliche Auftritt vorbei war, ging es zu den anderen Stationen. Im Atelier von Nika Schudel warteten Kürbisse in echt und als Keramik auf Besucher. Bei Esther Miesch drehte sich alles um Filz und Hüte. Im Museum Schiff war die Ausstellung «Feuerrad und Martinsritt» geöffnet. Die Objektkünstlerin Dora Freiermuth hatte ihr Atelier, obwohl nicht angekündigt, kurzerhand in die Kulturnacht eingeklinkt, was natürlich eine schöne Bereicherung war.

Aber wo spielte die Musik? Fehlanzeige. Die gab es nur auf deutscher Seite, wo im Rathaus die Bretonische Nacht mit dem Folktrio «An Ermenig» über die Bühne ging. Dagegen hatte Eva Maria Johansson die Ruhe weg. Sie bemalte in der Altstadtgasse eine grosse Leinwand vor Publikum. Rot oder gelb? An der Laufenburger Kulturnacht pass-te beides.