Festspiele
«Kocham cie» heisst: ich liebe dich

Die Proben zum Stück «Polenliebchen – Sommer 1942» in Rütschelen sind in vollem Gang.

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Theatergruppe

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az Langenthaler Tagblatt

Brigitte Meier

«La haut sur la montagne» erklingt vom «Flüehli» oberhalb des Spiegelbergs. Die Stimmen der «Rütscheler Singlüt» vermischen sich mit dem Zirpen der Grillen und erfüllen die einbrechende Nacht. Auf der Naturbühne wird das Freilichttheater «Polenliebchen» geprobt. Der magische Ort bietet eine einmalige Aussicht auf die Jurakette. Hausdächer, Weizenfelder und Obstbäume sind in warmes Abendlicht getaucht. Wolken ziehen vorbei und geradezu mystisch wirkt die Stimmung als sich der Himmel violett, rosa und in leuchtendes Orange verfärbt.

Während der Theaterprobe fühlt man sich unvermittelt in den Sommer 1942 zurückversetzt, als Krieg jenseits der Schweizer Grenze herrschte und Tausende von polnischen Soldaten in Oberaargauer Dörfern interniert wurden. Unter der bewährten Regie von Madlen Mathys wird die Freilichtbearbeitung des Bühnenstücks von Paul Steinmann aufgeführt. Die romantische Atmosphäre ist wie geschaffen für die Liebesgeschichte zwischen dem jungen Soldaten Marek und dem Dorfmädchen Emilie. «Es gibt allerdings kein Happy-End à la Rosamunde Pilcher», verrät OK-Präsident Peter Kurth. Er ist in Rütschelen aufgewachsen und zeigt sich beeindruckt, über das grosse Engagement der Dorfbevölkerung.

Es wird noch gefeilt

Bis zur Premiere dauert es noch einen Monat und die Durchlaufprobe ist ein wichtiger Gradmesser. «Am 15. April war die erste Freiluftprobe auf dem Flüehli. Der Schritt vom Probelokal auf die Spielfläche im Freien ist bedeutend», erklärt Regisseurin Madlen Mathys: «Textsicher sind alle. Heute lasse ich sie spielen, ohne zu unterbrechen. Dann wird weiter gefeilt und Feinarbeit geleistet. Die grösste Herausforderung sind die Massenszenen mit rund 80 Mitwirkenden. Sie dürfen nicht statisch wirken und müssen ihre Einsätze genau kennen», betont sie. Lange hält sie es jeweils nicht auf dem Regiestuhl aus und ihren Augen entgeht nichts: «Einige Soldaten benötigen noch Krawatten».

Die Regierung verbot jeden privaten Kontakt zu den polnischen Internierten. Beziehungen liessen sich nicht vermeiden. Marek, gespielt von Sven Bösiger aus Untersteckholz, musste neben französischen auch polnische Texte lernen und verspricht seiner geliebten Emilie: «Ich lerne schweizerlich Deutsch». Um den «polnischen» Soldaten eine akzentfreie Aussprache zu vermitteln, wurde mit der gebürtigen Polin Renate Malina eine Sprachberaterin beigezogen. Witzig, die Szene, als sich Marek und Emilie, gespielt von Natalie Bähler, kennen lernen. Als Marek vom Baden aus dem Weiher steigt, fällt die junge Frau von ihrem Rad. Sie verlieben sich, müssen ihre Gefühle verstecken, weil Emilie mit dem Sohn des Gemeindepräsidenten verlobt ist, und aufgrund des Internierungsbefehls. Anna Schenk spielt Martha, die Frau des Velohändlers. Sie kann sich dem
Charme eines polnischen Majors nicht entziehen.

Ein Tänzchen in Ehren

Die Frauen sind es eben nicht gewohnt, mit einem Handkuss verabschiedet zu werden. Sogar die alte Dorflehrerin, verkörpert von Elisabeth Kurth, kommt in den Genuss eines Tänzchens, als sie mit den Soldaten einen deutschen Text für die Bundesfeier einübt. Sie revanchiert sich mit einem Gläschen «Kirsch». Na zdrowie! Schliesslich ist das Leben mehr als «Chüngu mischte und Härdopfu schinte». Fremdenfeindliche Töne waren damals so aktuell wie heute; erzählt wird von Dorfkönigen und Aufwieglern: «Sollen die in Bleienbach doch die Polen nehmen, die hatten auch Geld für ein neues Feuerwehrmagazin».

Einen imposanten Anblick bot der Einmarsch der Internierten, begleitet von melancholischen Akkordeon- und Saxophonklängen. Alle Soldaten sind in original geschneiderte Uniformen gekleidet. Auf den Berets wurde sogar der Polenadler appliziert. Die Stiefel wurden teilweise aus dem Polenmuseum in Rapperswil beschafft. «Der Wollstoff kratzt etwas, das ist man sich heute nicht mehr gewohnt», erklärt Albert Schaller aus Langenthal. Er arbeitet bei der Kantonspolizei in Langenthal und singt bei den «Rütscheler Singlüt». Er spielt zum ersten Mal Theater und ist bereits völlig vom Theatervirus erfasst.

Während den Aufführungen vom 16. Juli bis 15. August werden die Theaterfreunde auch gastronomisch verwöhnt: Im Restaurant Jurablick werden Marek's Stroganow, Risotto Anieszka oder «Madleen's Pierogi» angeboten. Infos: www.freilichtspiele2009.ch