Gestorben
Kabarettist und «Taubenvergifter» Georg Kreisler ist tot

Der österreichische Kabarettist Georg Kreisler ist tot. Der Texter, Musiker und Satiriker starb am Dienstag im Alter von 89 Jahren in einem Spital in Salzburg an einer schweren Infektion. Kreisler lebte seit langem in Basel

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Das bestätigte seine Frau Barbara Peters. «Ich war die ganze Nacht bei ihm. Am Morgen ist er gestorben», sagte sie der Nachrichtenagentur dpa.

Kreisler galt als Meister des schwarzen Humors. Zu seinen bekanntesten Stücken gehören die Songs «Geh'n ma Tauberl vergiften im Park» und «Wie schön wäre Wien ohne Wiener». Seine Fans begeisterte der Künstler mit der dicken Hornbrille und der markanten Stimme mit Spontanität, scharfer Beobachtung und bissigem Witz.

Mit seinem zynisch-provokanten Humor Wiener Prägung begeisterte Kreisler die Kritiker, wurde aber auch oft boykottiert und zensiert. Als seine Texte Ende der 1960er Jahre zunehmend politisch wurden, verlor er den festen Sendeplatz im Fernsehen mit seiner Kabarett- Serie «Die heisse Viertelstunde» und wurde im Radio nur noch selten zu Gehör gebracht.

Kreisler kam am 18. Juli 1922 in Wien als Sohn eines jüdischen Rechtsanwalts zur Welt. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten emigrierte er 1938 mit seinen Eltern in die Vereinigten Staaten und erhielt fünf Jahre später die amerikanische Staatsbürgerschaft.

Bissiger Humor

Im amerikanischen Exil arbeitete das Multitalent als Arrangeur, Pianist und Dirigent beim Film und bei Musicals, für Soldaten schrieb er als Truppenbetreuer Shows und Revueprogramme, wie er sich auch in New Yorker Bars als Chansonnier versuchte - ein Feld, das ihm Jahre später den Durchbruch verschaffen sollte.

1955 kehrte er nach Wien zurück und war zunächst als Barpianist tätig, bevor er sich dem Kabarett zuwandte. Anfangs stiessen die schwarzhumorigen Lieder Kreislers auf wenig Gegenliebe im heimischen Radioprogramm, während sich allerdings seine Liveauftritte in der legendären Marietta-Bar bezahlt machten: «Nichtarische Arien», «Seltsame Gesänge» oder «Lieder zum Fürchten» wurden stürmisch gefeiert.

Der Erfolg liess nicht lange auf sich warten, alleine die Platte «Gemma Tauben vergiften im Park» verkaufte sich in der Folge mehr als 100'000 mal. Gemeinsam mit Stars wie Gerhard Bronner und Helmut Qualtinger brachte er die Kabarett-Kunst ab den 1950er Jahren zu neuer Blüte.

In Basel niedergelassen

Kreisler verfasste Gedichte und Lieder, schrieb Hörspiele, Kabarettstücke, Theatertexte und Musicals wie die Komödie «Heut Abend: Lola Blau». 1975 zog Kreisler nach Berlin, wo er mit seiner neuen Lebenspartnerin Barbara Peters bis 1991 im Theater «Die Wühlmäuse» auftrat. Seit den 1980er Jahren verlegte er sein künstlerisches Wirken auf das Schreiben und veröffentlichte mehrere Romane.

Mit Peters, die seine vierte Frau wurde, zog der selbst ernannte «Heimatlose» 1992 nach Basel um, wo er sich unter anderem für eine eigenständige Schweiz und gegen den EU-Beitritt engagierte.

Seinen ab 1998 mehrfach angekündigten Abschied von der Bühne nahm Kreisler immer wieder zurück und ging stattdessen doch noch einmal mit seinen «alten bösen Liedern» auf Tournee. Als er im März 2010 mit dem Friedrich-Hölderlin-Preis für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde, lobte die Jury, Kreislers «wissender Spott, sein scharfer Blick auf die Zeit, sein satirisches Vermögen» seien bemerkenswert.

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