Theater Basel
«Jesus Christ Superstar»: Die intime Geschichte eines Rockstars

Auf der grossen Bühne des Theaters Basel inszeniert Tom Ryser das opulente Kultmusical «Jesus Christ Superstar» auf intime Art und Weise.

Elisabeth Feller
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Jesus Christ Superstar am Theater Basel
6 Bilder
Andrea Sánchez del Solar und Alexander Klaws
Patrick Stanke, Alexander Klaws und der Chor des Theater Basel
Krzysztof Debicki, Vahan Markaryan, Andrew Murphy, Vivian Zatter, Wladyslaw W. Dylag und Jonas Furrer
Alexander Klaws, Andrea Sánchez del Solar, Tim Ludwig, Patrick Stanke, Jeffrey Italiaander, Chor des Thater Basel, Gospelchor am Münster, und Tänzer und Tänzerinnen
Karl-Heinz Brandt

Jesus Christ Superstar am Theater Basel

Theater Basel / Sandra Then

Wie war das doch Anfang der Siebziger, als junge Männer mit langen Haaren und Bart sowie junge Frauen in farbenfrohen Kleidern Londons Strassenbild prägten? Das ist unbeschreiblich, selbst wenn es für dieses Phänomen einen Namen gibt: Hippiebewegung. Da passte es gut, dass in diese Zeit ein Stück platzte, das die beiden knapp über 20-jährigen Kreativköpfe Tim Rice (Text) und Andrew Lloyd Webber (Musik) als Rock-Oper bezeichneten: «Jesus Christ Superstar».

Die sieben letzten Tage im Leben von Jesus als Bühnenspektakel? Judas, nicht primär ein Verräter, sondern ein kritisch Liebender, der seinen Freund nur deshalb verrät, um eine Katastrophe abzuwenden? Was damals unmöglich erschien, wurde doch möglich – und so trat die Rockoper ihren Siegeszug um eine Welt an, die seit der Uraufführung 1971 enorme Wandlungen erfahren hat.

Mit Flower-Power kann man heute niemanden ins Theater locken. Wohl aber mit einer Lesart, die sich an der Gegenwart und damit, zum Beispiel, am permanenten Bedürfnis nach Stars orientiert.

Der Rolle nicht gewachsen

Für Regisseur Tom Ryser wird Jesus in die Rolle eines Stars katapultiert, der er nicht gewachsen ist. Wie sein Scheitern und sein Tod mit Judas verknüpft sind, ist berührend. Man kann diese Geschichte mit ihren vielen Chorszenen opulent oder – wie in Basel – auch intimer erzählen. Stefan Rieckhoff (Bühne und Kostüme) setzt als augenfälligstes Zeichen auf eine Treppe. Diese steht als Symbol für Heilsversprechen, Verzweiflung, Machtdemonstrationen feindlicher Priester und am Ende für Jesu Kreuzigung, die nicht ausgewalzt wird. Kommt Pontius Pilatus ins Spiel, senkt sich ein langer, vergitterter Steg vom Bühnenhimmel herab: auch dies ein Bild von starker Symbolkraft für einen Mann, der sein Gewissen zwar hört, diesem aber nicht folgt.

Wucht kontrastiert Ryser mit Verinnerlichung. Man mag den funkelnden Sternenhimmel kitschig finden, doch er zeigt im Verbund mit dem einsam auf der Bühne verbleibenden, sich mit Zweifeln quälenden Jesus beklemmende Wirkung – und das im zweiten Teil einer Inszenierung, die im ersten mitunter unentschlossen wirkt.

Kein gefestigter Charakter

Doch das ändert sich. Die Aufführung gewinnt an Kontur und Fahrt; sie spielt mit Beschleunigung sowie Verlangsamung und sie richtet ihren Fokus ganz auf Jesus (Alexander Klaws) und Judas (Patrick Stanke). Klaws ist ein junger, schmaler Mann, der eines nicht ist: ein gefestigter Charakter. Dieser Jesus spricht mehr von Erschöpfung denn von Botschaften. Er beklagt sich über den Starrummel, will ihn aber nicht missen. Stankes Judas gibt dazu den Freund, der Jesus zu Diskussionen um den richtigen politischen Weg und den Umgang mit der Prostituierten Maria Magdalena auffordert. Judas wird so gewissermassen zum Bewusstsein, in dem sich das Geschehen spiegelt.

Sängerisch liefern sich Klaws und Stanke einen fesselnden Wettstreit, der befeuert wird von der 14-köpfigen Rockband unter Ansi Verweys Dirigat. Diese Band ist ein Glücksfall: Sie spielt den rhythmischen Drive ebenso lässig-souverän aus wie sie die lyrischen Stellen zart auskostet. Nach über zwei Stunden gabs – Standing Ovations.

«Jesus Christ Superstar» Aufführungen bis Juni 2016. www.theater-basel.ch

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