Vögele Kulturzentrum

In dieser Ausstellung dreht sich alles um die Banane

Die Banane als Kleidungsstück, als Kunstobjekt und Lebensgrundlage: Die Ausstellung «Going Bananas» untersucht das Phänomen der populären Frucht.

David Hunziker
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Ausstellung «going BANANAS» im Vögele Kulturzentrum
15 Bilder
Die noch grünen Bananenstauden werden vom Baum geschnitten
Mann mit Bananenstauden
Blüten der Bananenpflanze
Arbeiter stehen an, um ihre Bananenstauden abzuladen
Die Banane wird in jeglicher Form thematisiert: z.B. Als Frucht an der Wand
Sonne, Strand und Bananen
Die Banane in der Werbung: Chiquita
Eine Postkarte
Schuhe in Bananenform
Kunst mit Bananenschalen
Die Banane als Kleidung
Schwarze Autoreifen-Banane

Ausstellung «going BANANAS» im Vögele Kulturzentrum

Zur Verfügung gestellt

Die Banane ist beliebt, omnipräsent und trotz ihres Glamours erst einmal völlig alltäglich, fast banal. Ein genauer Blick darauf ändert dies schlagartig. Die Ausstellung «Going Bananas» im Vögele Kulturzentrum in Pfäffikon wagt diesen Blick und macht sich auf kulturelle Spurensuche. Nach «Wir Manager! Alles im Griff?» (2010) überzeugt mit «Going Bananas» nun der zweite Streich nach der Neuausrichtung vom Kunst- zum Kulturmuseum.

Auf Manager die Banane? Monica Vögele, Präsidentin des Stiftungsrates der Stiftung Charles Vögele, betont die Kontinuität im neuen Konzept. Die Themenwahl setzt jeweils im Alltag an und fächert brisante Phänomene auf, über die es sich lohnt, nachzudenken. Bewusst wird auch der Jugend ein einfacher Zugang ermöglicht. Die Kuratorinnen Annemarie Bucher und Cornelia Meyer inszenieren ihre Entdeckungen multimedial, vom Bildschirm im organischen Bananenwald über die lebensgrosse Miss-Chiquita-Puppe bis hin zur interaktiven Kunstinstallation.

Drei Teile – Botanik, Normbanane und Kult, an den sich ein Kunstraum anhängt – gliedern die Ausstellung. Vom Bananenwald leitet ein Chiquita-Kühlschiffmodell – damit allen klar ist: Der Bananen-Multi ist Hauptsponsor der Ausstellung – thematisch zur Verwertung der Frucht in den Industrienationen über. Klug brechen Details immer wieder die «Ordnung» in der Ausstellung. Ein Bananen-Schuh von Kobi Levi schleicht sich zwischen Bananenstauden, auf dem Bildschirm inmitten einer Texttafel erscheint ein Banana Split und die botanische Fachsprache ergänzt ein Männerslip – aus Bananenfaser.

Vielfalt ist Programm

Das Thema sei zunehmend explodiert, erläutern die Kuratorinnen fast entschuldigend. Dies Vielfalt ist in der Ausstellung nun Programm. Die Normierung, der die Banane in unseren Breitengraden unterworfen ist, täuscht. Denn das Phänomen Banane ist vielschichtiger. Die Geschichte des Marketings, der Postkarte oder der modernen Ernährung sind eng mit der gelben Frucht verknüpft. Nicht zuletzt ist sie ein gefundenes Fressen der westlichen Pop-Kultur. Macht sie die auffallende Form und Farbe so attraktiv?

Es scheint so. Ob als Ersatzpenis in der Kondomwerbung oder im Sexualunterricht, als Täschchen mit Reisverschluss oder als Bananenröckchen der legendären Josephine Baker: Jeder nutzt die sexuelle Anspielung der Frucht. Hier feiert die Ausstellung die Banane als kulturelles Symbol und neigt dabei zum Ästhetizismus. Der politische Blick der Künstlerin Shelly Sacks fügt dann dieser schillernden Bananen-Medaille noch eine zweite Seite hinzu. Denn die Banane ist nicht nur schön und sexy, sie hat auch eine hässliche Seite.

Ein Blick in die Dritte Welt

Makaber wirken die aufgespannten schwarzen Häute aus getrockneten Bananenschalen. Für die Installation «Exchange Values: Images of Invisible Lives» hat die Britin Shelly Sacks Bananenbauern in den Produktionsländern aufgesucht, ihre Statements auf Band aufgenommen und in die Installation integriert. Der Blick weg vom Pop-Zirkus und hinein in die Dritte Welt hinterfragt die ökonomischen Bedingungen dieser Bananenpracht. Doch erst die teilnehmenden Menschen vervollständigen diese interaktive Skulptur: Die Künstlerin lädt zur Diskussion am grossen runden Tisch ein, in dessen Mitte 10000 getrocknete Bananenschalen weiter welken.

Ob Politik, Geschichte oder Pop-Kultur: Die Banane dient als Symbol für fast alles. Diese Vielschichtigkeit veranschaulicht die Ausstellung eindrücklich. Die harten Kontraste in «Going Bananas» ermöglichen ein Nachdenken über die Funktionsweise von Kultur überhaupt.

«Going Bananas» Vögele Kulturzentrum Pfäffikon, 17.4. bis 21.8.