Buchmarkt
Hörbücher verkaufen sich schlecht: Der Christoph Merian Verlag sagt Adieu Audio

In den letzten 12 Jahren hat der Basler Verlag 150 Hörspiele und -bücher herausgebracht. Damit ist nun Schluss. Der Markt sei eingebrochen, sagt Verlagsleiter Oliver Bolanz.

Marc Krebs und Naomi Gregoris
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Die letzten Hörbücher

Die letzten Hörbücher

Martin Toengi

Am Mittwoch beginnt die Frankfurter Buchmesse. Die Verlage präsentieren ihr Herbstprogramm. Für den Christoph Merian Verlag (CMV) markieren die Neuerscheinungen auch einen Abschied: Der Basler Verlag bringt seine letzten zwei Hörbücher heraus. Nach 12 Jahren zieht er sich aus dem Geschäft mit vertonten Büchern und Bühnenstücken zurück. «Es war eine Erfolgsgeschichte», sagt Verlagsleiter Oliver Bolanz. War es, ist es aber nicht mehr. «Der Markt ist in den letzten Jahren eingebrochen, die Umsätze bei den Hörbüchern sind dramatisch zurückgegangen.»

Bolanz sieht mehrere Gründe für den Einbruch: «Einerseits ist der Archivschatz gehoben. Nach 150 Veröffentlichungen hat sich dieser kommerziell betrachtet erschöpft.» Und kommerziell denken war nötig, denn das Hörbuchprogramm musste selbsttragend sein, da sei kein Stiftungsgeld der CMS reingeflossen. Manche Produktionen waren Liebhabersache, etwa Lyrik-CDs oder literarische Hörspiele. «Diese konnten wir auf den Markt bringen, weil wir sie querfinanzieren konnten. Eine «Schreckmümpfeli»-CD ermöglichte vier Nischenprodukte.» Doch auch das ist nicht mehr denkbar: Konnte man vor zehn Jahren noch 32 Franken für ein Hörbuch verlangen, so sind die Preise im Online-Bereich auf zehn bis 12 Franken gefallen.

Porzellan statt Compact Disc

Als der CMV 2005 in das Geschäft der Audiobooks einstieg, sah die Situation noch rosig aus: Hörbücher boomten. Radio DRS und der CMV gingen eine Partnerschaft ein, das Radio konnte so seine Hörspiele lizenzieren, der CMV im überregionalen Buchhandel sichtbar werden.

Die Hörbücher wurden verdrängt, sie verschwanden. Nicht nur, weil die Klassiker von Dürrenmatt oder Frisch ausgespielt worden sind. Sondern auch, weil sich die Hör- und Nutzungsgewohnheiten verändert haben.

Online trägt wenig Früchte

Die Hörbuch-CDs werden von Streaming- und Onlinedownloads verdrängt. Und die Erlöse seien da sehr gering für die aufwendige Verlagsarbeit, führt Bolanz aus. Auf einer Plattform wie der Amazon-Tochter Audible erhält ein Verlag die Hälfte, wenn man von 10 Franken für ein Audiobook ausgeht, bleiben dem Verlag fünf Franken brutto, davon geht Mehrwertsteuer weg, auch Lizenzgebühren, Rechteabgeltung an die Leser/Schauspieler, Autoren, Bearbeiter. Am Ende bleibe kaum was übrig. «Das Download-Geschäft lohnt sich nur für massentaugliche Produkte», sagt Bolanz.

Dass der CMV 2014 den Deutschen Hörbuchpreis gewann: ein schöner Trost, eine Erinnerung, die bleibt, zusammen mit den 150 Produktionen, die noch längere Zeit im Handel erhältlich sein werden. Für die Zukunft aber konzentriert sich der Verlag wieder ganz auf das Buch, und zwar auf das gedruckte, wie Bolanz betont. «Wir legen bei unseren Büchern grossen Wert auf die Gestaltung, auf das haptische Erlebnis – und das funktioniert im Bereich Kultur und Geschichte besser als ‹richtiges› Buch.» Darin sieht er in der Nische eine Zukunft.

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