Mein Lieblingswerk
Guy Morin: «Das Bild mahnt uns, zur Natur Sorge zu tragen»

Basels Regierungspräsident Guy Morin wählt Ferdinand Hodlers «Die Dents du Midi von Chesières aus» als sein Lieblingswerk aus dem Kunstmuseum.

Guy Morin
Drucken
Teilen
Guy Morin.

Guy Morin.

Nicole Nars-Zimmer

«Mit den Bildern von Ferdinand Hodler habe ich mich bereits zu Beginn meines Medizinstudiums auseinandergesetzt. Die Portraits der an Krebs erkrankten und sterbenden Geliebte Valentine Godé-Darel und die stimmungsvollen Landschaftsbilder des Genfersees vom Krankenzimmer aus haben mich damals tief bewegt. Die Auseinandersetzung mit dem Tod, der Verzweiflung, der Hoffnung und der Versöhnung mit dem Schicksal sind in diesen Bildern wundervoll dargestellt.

Im Hintergrund des Genfersees sind immer auch die Walliser und französischen Alpen zu sehen, und im Licht des Himmels werden die Gefühle des Künstlers spürbar zum Ausdruck gebracht. Auch bei dieser Darstellung der Dents du Midi spielt das Abendlicht eine wichtige Rolle. Zusammen mit dem Nebelmeer rückt es die Berggipfel in die Nähe des Schöpfers.

Die Gestalt der Berge ist heil, zeitlos, mächtig und unzerstörbar, mit stilisierenden Pinselstrichen und in wunderbaren Blau- und Gelbtönen dargestellt. Es ist ein heisser Sommerabend, das Licht flimmert, auf den Bergen ist nur noch wenig Schnee. Dieses Bild schafft viel Zuversicht.

Wenn ich an unsere Wanderungen zu den Gletscherzungen des Dent Blanche-Massivs während meiner Sommerferien denke, werde ich nachdenklich: Die Gletscher schmelzen in einem rasanten Tempo dahin und ziehen sich zwischen 100 und 150 Meter pro Jahr zurück. Da mahnt uns dieses Bild von Ferdinand Hodler, zur Natur Sorge zu tragen. Es gibt uns aber auch die Hoffnung, dass sie beständig ist.»