Fall Gurlitt
Gurlitt-Erbe kommt vor Gericht - und am Montag sagt Bern ja oder nein

Cornelius Gurlitts Familie bringt das Testament vor Gericht. Auch weil das Kunstmuseum Bern am Montag vielleicht Ja sagt? Die Gerüchteküche brodelt.

Sabine Altorfer
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Cornelius Gurlitt. Wo wird seine Sammlung landen?

Cornelius Gurlitt. Wo wird seine Sammlung landen?

Zuerst die aktuellen Fakten und Wendungen im Fall Gurlitt. Erstens: Ein Teil der Familie Gurlitt will das Testament überprüfen lassen. Eine Anfechtung oder Klage ist das rein juristisch gesehen noch nicht, aber das Amtsgericht München wird eingeschaltet. Zweitens: Am Montag werden wir erfahren, ob das Kunstmuseum Bern das Erbe annimmt oder nicht. Spekulationen und Dementi jagten sich gestern.

Die Cousine wills wissen

Cornelius Gurlitts Cousine Uta Werner sowie die nächsten Gurlitt-Generationen zweifeln an dessen Testament, an seiner Zurechnungsfähigkeit beim Abfassen des Letzten Willens. Nun wird gehandelt, wie ein Kommunikationsbüro im Auftrag von Uta Werners Rechtsanwalt Wolfgang Seybold aus München gestern mitteilte: «Die Cousine von Cornelius Gurlitt, Uta Werner, hat heute mit Unterstützung ihrer Kinder sowie einzelner Söhne und Enkel aus dem Stamm des Gurlitt-Cousins Dietrich beim Nachlassgericht München einen Erbschein für das Erbe des Münchner Kunstsammlers beantragt.» Als Grundlage dient der Familie ein Gutachten, das ein Psychiater in ihrem Auftrag verfasst hat. Das allerdings ist umstritten.

Warum bringt die Familie den Erbfall doch noch vor Gericht? Die Familie möchte «Rechtssicherheit für alle Beteiligten», heisst es im Communiqué. Vereinfacht gesagt: Weil das Kunstmuseum Bern keinen Erbschein angefordert hat, der die Gültigkeit des Testaments ein für alle Mal bestätigt, macht es nun die Familie. Das Testament anfechten könnte nämlich jemand aus der erbberechtigten Familie noch jahrzehntelang.

Wie weit das Gericht auf das Gutachten eingehen wird, ist noch unklar. Klar ist nur, dass sich jetzt erstmals die Juristen an die Arbeit machen.

Berns Entscheid

Ob das einen Einfluss auf den Berner Entscheid haben wird? Nicht, wenn man der Nachrichtenagentur DPA glaubt. Das Ja sei klar, will sie gestern «aus einer zuverlässigen Quelle» erfahren haben. In Deutschland sind die Wände offenbar dünner oder die Auskunftsfreude höher als in Bern. Nach der DPA-Meldung dauerte es jedenfalls keine zwei Stunden, lag die knappe Reaktion aus Bern in der Mailbox. «Das Kunstmuseum Bern dementiert die Meldung der Deutschen Presse-Agentur DPA. Die Entscheidung des Stiftungsrates des Kunstmuseums Bern steht noch aus und wird am Montag, 24. November, in Berlin kommuniziert.»

Die Einladung zu diesem Pressetermin in Berlin wurde am Donnerstagabend verschickt. Überraschend daran sind zwei Dinge: Erstens, dass nicht wie seit langem erwartet am Mittwoch, 26. November, informiert wird, sondern schon am Montag. Und zweitens, dass die Medienkonferenz in Berlin und nicht in Bern stattfindet.

Was machen nun Medienleute, wenn sie wissen, dass es bald etwas zu wissen gibt? Sie versuchen, es herauszufinden – noch vor diesem Termin und vor den anderen. Aber nicht nur in Bern, sondern auch im offiziellen Berlin – im Haus von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) – wird geschwiegen.

Aber lesen wir die offiziellen Dokumente doch genau: Vielleicht gibt es tatsächlich noch keinen Entscheid, noch keinen «pfannenfertigen Vertrag», wie der «Spiegel» werweisst. Im Dementi des Kunstmuseums heisst es, «eine Entscheidung steht noch aus». Das deutet darauf hin, dass der finale Beschluss tatsächlich erst noch fällt. Ein Ja oder Nein wird es am Montag dann sein, sein müssen. Es gibt eine zwingende Frist, ein Testament innert sechs Monaten anzunehmen. Und die läuft in wenigen Tagen ab.

Interessant ist, wer am Montag informieren wird. Es ist ein «Gemeinsamer Pressetermin von Bund, Bayern und Kunstmuseum Bern». Wobei mit Bund der deutsche Staat gemeint ist. Wer in der Erwähnung fehlt, ist die Schweizer Politik. Zumindest der Kanton Bern wird vertreten sein, wie die «Nordwestschweiz» weiss. Beim Kunstmuseum Bern ist der Kanton Hauptsubventionsgeber und Ansprechpartner. Obs also am Montag «mou mou», oder «ney ney» heisst – wir werden es vernehmen.