Konzert
Gegenverkehr auf der Seidenstrasse

Das Collegium Musicum lädt unter dem Titel "Auf der Seidenstrasse" zur Orientreise ein

Mathias Balzer
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Foto YuanLi

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bz Basel

Die Globalisierung ist so alt wie die Menschheit. Da können deren Gegner noch so auf die Reinheit der heimatlichen Scholle pochen. Der Austausch von Waren und Ideen läuft, seit der Mensch laufen kann. Eine berühmte Route, über die sich Kulturen gegenseitig bereichert haben, ist die Seidenstrasse, die von China an die Küsten des Mittelmeers führt.

Ohne diese 2000 Jahre alte Route gebe es in Europa diese angenehm leichten Morgenröcke nicht, auch keine Spaghetti, keinen Pfeffer, kein Papier, kein Porzellan und kein Schwarzpulver. Im Gefolge dieser handfesten Dinge kam auch Feinstoffliches aus dem Fernen Osten zu uns. Yoga beispielsweise, der Buddhismus oder Musik.

Wenn also das Collegium Musicum Basel sein zweites Konzert in dieser Saison mit «Auf der Seidenstrasse» betitelt, so greift das Orchester auf eine reichhaltige Kulturgeschichte zurück. Bereits Mozart, Haydn und Brahms liessen sich von orientalischer Musik inspirieren. Der Russe Alexander Borodin schenkte seinem Zaren, Alexander ll, die «Steppenskizze aus Mittelasien». Der Hintergrund war die Annektierung Turkestans durch Russland. Der Komponist schrieb dazu: «Das Lied der Russen und die Weise der Asiaten verbinden sich zu einer gemeinsamen Harmonie». Kriege können Musik befördern – und Musik kann Kriege verharmlosen.

«Inspirierender als militärischer Terraingewinn ist die orientalische Literatur», muss sich Borodins Landsmann Nikolaj Rimskij-Korsakov gesagt haben. Er vertonte in seiner sinfonischen Dichtung «Scheherazade» Märchen aus «1001 Nacht». Dazu erforschte er Musik aus Persien, Armenien, Georgien und Tschetschenien. Beide Werke aus dem 19. Jahrhundert stehen heute Abend im Musical Theater auf dem Programm. Sie stehen für den europäisch geprägten Blick auf den Orient. Wie der Ferne Osten wirklich tönt, das zeigen die
illustren Gäste des Konzertabends.

Zwei Stars aus Asien

Bereits die Namen der Instrumente klingen verheissungsvoll fremd: Morin Hoor und Zheng. Ersteres ist eine Pferdekopfgeige. Die Laute heisst so, weil ein Pferdekopf ihren Hals schmückt. Eine Hommage an das wichtigste Tier in der Kultur aus der sie stammt: dem Nomadentum der Mongolei.

Die Zheng ist eine grosse Zither aus China. In Basel wird sie von einer der bedeutendsten Interpretinnen gespielt. Yuan Li gilt als Grand Dame des Zheng- Spiels in China. Sie wird beispielsweise nach Peking geholt, wenn so illustre Gäste wie Barack Obama zu Besuch kommen. Eine vielfältige Zusammenarbeit verbindet sie mit dem chinesischen Komponisten Tan Dun. Weltbekannt wurde dieser für seine Musik zu Filmen wie «Crouching Tiger» oder «Hidden Dragon». Für Letztere erhielt er im Jahr 2000 den Oscar. Dun hat eigens für die Interpretin Yuan Li ein Konzert für Streichorchester komponiert, das sie in Basel vortragen wird.

Mit dem mongolischen Morin-Hoor-Spieler und Obertonsänger Enkhajargal Dandarvaanchig kommt ein weiterer Star fernöstlicher Musik in das Musical Theater. Der Mann mit dem für unsere Zungen radebrechenden Namen lebt mit seiner Familie in Karlsruhe und hat sich deshalb wohl den einfacher auszusprechenden Künstlernamen EPI gegeben. Er wird in Basel auf seiner Nomaden-Laute eine Komposition seines Landsmannes Byambasuren Sharav spielen. Seine Gesangskunst wird er in einer Eigenkomposition vorführen.

Jugendförderung

Ganz in der Tradition, junge Musiker zu fördern, steht das Vorkonzert heute Abend. Das Querflötenorchester Flautastico wird gemeinsam mit Solisten der Querflötenklasse der Hochschule für Musik FHNW Werke von Edward Elgar und Philippe Racine interpretieren.

«Auf der Seidenstrasse»: Freitag, 27. Oktober. Vorkonzert: 18.15 Uhr. Hauptkonzert: 19.30 Uhr. Musical Theater, Basel. www.collegiummusicumbasel.ch