Kunst
Ein bunter Hurrli wirbelt bald durch das Aargauer Kunsthaus

2016 bietet das Aargauer Kunsthaus ein munter-buntes Künstler-Programm. Ein thematischer Schwerpunkt kündigt sich erst für 2017 an.

Sabine Altorfer
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Kunst aus Spielzeug: Fotografie von Ceal Floyer, ab Ende Januar zu sehen.

Kunst aus Spielzeug: Fotografie von Ceal Floyer, ab Ende Januar zu sehen.

Ceal Floyer/Aargauer Kunsthaus

Ein bunter Hurrli – auf gut Hochdeutsch ein Kreisel – dreht sich auf dem Jahresprogramm des Aargauer Kunsthauses. Kinderzeugs? Nein, das ist Kunst. Oder genauer gesagt Kunst gewordenes Spielzeug. Denn die Fotografie der britisch-deutschen Künstlerin Ceal Floyer kann man nicht nur als Abbild des Spielzeuges lesen, sondern eben auch als künstlerische Komposition. Als buntes und anmächeliges Bild, in dem grundlegende Aspekte der Kunst geschickt versteckt sind. Da ist der Regenbogen als Ausdruck von Farbenlehre, da ist die räumliche Form des Kreisels, der zu einer bauchigen, aber zweidimensionalen und eigentlich abstrakten Farbfläche wird; und da sind (eingefrorene) Geschwindigkeit und Zeit, die man in einem statischen, flachen Bild nicht abbilden, sondern nur als Idee in die Köpfe der Betrachter transportieren kann.

Alltag versus Kunst

Denn wie kann man mit kleinen Verschiebungen und Eingriffen Alltagswelt und Kunstgeschichte verknüpfen. Um diese für die heutige Kunst typischen Fragen kreist im Aargauer Kunsthaus 2016 nicht nur die Ausstellung von Ceal Floyer (*1968), sondern auch diejenige des portugiesischen Künstlerduos João Maria Gusmão & Pedro Paiva.

Die aktuelle Schiene im Jahresprogramm 2016 bestreitet das Aargauer Kunsthaus also nur mit Internationaler Kunst. Das wirkt etwas befremdend für die heimliche Nationalgalerie. Seinem Kern-Auftrag «Schweizer Kunst» wird das Kunsthaus-Team unter Direktorin Madeleine Schuppli mit kunsthistorischen Ausstellungen gerecht. Mit Camille Graeser (1892–1980), einem der Überväter der Zürcher konkreten Kunst, mit Karl Ballmer (1891–1958), einem Vertreter der modernen Malerei, und mit Max von Moos (1903–1979), dem grossen Schweizer Surrealisten (von dem man Zeichnungen zeigt).

45 000 Eintritte im 2015

Dem Schweizer Nachwuchs gibt das Aargauer Kunsthaus immerhin mit dem «Caravan» ein klein bisschen Raum. Und der Aargauer Manorpreis beschert der 1982 in Bern geborenen, in Genf lebenden Marta Riniker-Radich ihre erste Museums-Ausstellung.

Und der Aargau? Der ist sehr knapp präsent. Ende Januar wird eine Gedenkausstellung für den 2014 verstorbenen Jos Nünlist ausgerichtet. Ein stiller Schaffer, ein Poet, der diese Würdigung mehr als verdient hat. In der Sammlungsausstellung über «DingDing» werden wir auch Objekte von Aargauer Kunstschaffende finden – und Ende Jahr gibts wie eh und je das grosse Heimspiel, Jahresausstellung.

Und ja: Auch die Blumen bzw. die Floristen kommen im Frühjahr wieder. «Blumen für die Kunst» war 2015 mit über 9000 Besuchern eine der beliebtesten Ausstellungen. Insgesamt konnte das Kunsthaus letztes Jahr rund 45 000 Eintritte verbuchen.

Aufgerüstet hat das Museum bei seinem Online-Auftritt. Da findet sich neu auch ein (allerdings erst sehr kleiner) Teil der Sammlung: Je neun Schlüsselbilder aus drei Jahrhunderten, Legate und Neuerwerbungen – je mit Bild und erklärendem Text. Das wachse kontinuierlich, verspricht man im Kunsthaus.

Mit einer Tagung kündigt sich 2016 bereits das grosse Thema für 2017 an: Swiss Pop-Art. Nach dem Revival in Mode, Design und Musik ist es doch höchste Zeit, die tollen Kunst-Stücke der Zeit aus dem Keller zu holen. Der Hurrli würde als Neo-Pop-Stück übrigens bestens dazu passen.

Programm 2016

30.1.–10.4.

Camille Graeser und die Musik

Ceal Floyer. On Occasion

Jos Nünlist. Andere Wege

8.3.–13.3.

Blumen für die Kunst

30.4.–7.8.

João Maria Gusmão & Pedro Paiva

Marta Riniker-Radich. Manor Preis

28.8.–13.11.

Karl Ballmer. Kopf und Herz

DingDing. Objektkunst Sammlung

Max von Moos. Der Zeichner

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3.12–1.1.2017

Auswahl 16. Jahresausstellung Aargauer Künstlerinnen und Künstler.

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