Kunstmuseum Basel
Ein Affentanz auf höchstem Niveau

Christian Müller präsentiert mit seiner letzten Ausstellung eine besondere Delikatesse von Weltklasse unter dem Titel «Albrecht Dürer und sein Kreis».

Simon Baur
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Hans Baldung Grien: Bildnis des toten Erasmus von Rotterdam (1536).

Hans Baldung Grien: Bildnis des toten Erasmus von Rotterdam (1536).

Die konzentrierte und nur auf wenige Räume beschränkte Ausstellung, die heute ihre Tore öffnet, nennt sich unprätentiös «Albrecht Dürer und sein Kreis. Zeichnungen aus dem Kupferstichkabinett des Kunstmuseums Basel». Dahinter verbirgt sich einiges. Nach neustem Stand der Forschung besitzt das Basler Kupferstichkabinett nur noch sechs Zeichnungen von Albrecht Dürer. Die Zahl erhöht sich auf zirka 140, wenn man ihm diejenigen zuschreibt, die er während seines Basler Aufenthaltes, also um 1492, angefertigt hat.

Glückliche Zufälle

Es handelt sich dabei um die mit Zeichnungen versehenen, zum grössten Teil aber ungeschnitten gebliebenen Holzstöcke für eine illustrierte lateinische Ausgabe der Komödien des Terenz, die aber, glücklicherweise, nie realisiert wurde. Basilius Amerbach soll als Kind mit ihnen gespielt haben und brachte Kritzeleien auf Vorder- und Rückseite an. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Stöcke aus dem Amerbach-Kabinett stammen, ist daher gross.

Zahlreiche andere Künstler, die auch in der Ausstellung vertreten sind, hatten über unterschiedliche Quellen Zugang zu Dürers Zeichnungen, kopierten sie oder liessen sich von ihnen inspirieren. Hans Baldung Grien, Hans Schäufelein, Hans von Kulmbach und Hans Springinklee gehörten dazu. Daher der Zusatz im Titel «und sein Kreis». Dass alle «Hans» hiessen, ist wohl eher Zufall und hat nichts mit ihrem Berufsstand zu tun. Der Untertitel der Ausstellung verweist auf den Umstand, dass sich die Ausstellung ausnahmslos aus den Beständen des Kupferstichkabinetts Basel speist und ohne Leihgaben auskommt. Neben den genannten Holzstöcken sind in der Ausstellung noch weitere exquisite Arbeiten von Dürer zu sehen. Das «Bildnis des Kardinals Matthäus Lang von Wellenburg», das Dürer um 1518 schuf, zeigt seine zeichnerische Meisterschaft. Es entstand für einen Holzschnitt, der nie ausgeführt wurde. Dieser Mann weiss sehr genau, was er will. Wellenburg war ein fanatischer Verfolger evangelischer Christen und ein Gegner der Reformation. Die feine Modellierung seiner Gesichtszüge und die leichthändige Schraffur seiner Bekleidung zeigen Dürers Meisterschaft.

Zentraler Kontext

Sammlungsgeschichtlich von besonderer Bedeutung ist der «Affentanz» aus dem Jahr 1523. Es ist die einzige Zeichnung, die Basilius Amerbach von Dürer erwerben konnte. Das Motiv hatte dieser auf die Rückseite eines Briefes an den Zürcher Domprobst Felix Frey gezeichnet, der sich diese Darstellung gewünscht hatte. Im Brief grüsst Dürer auch den Zürcher Maler Hans Leu, von dem Amerbach ebenfalls nur wenige Zeichnungen erwerben konnte. Auch wenn Basilius Amerbach beim Erwerb von Dürers Arbeiten beinahe erfolglos blieb, so erweist sich seine Sammlung für die aktuelle Ausstellung doch als erstklassiger Fundus. Amerbach hat, vorwiegend aus lokalen Quellen, ganze Nachlässe erworben und diese in seine Sammlung aufgenommen. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass nicht nur Werke aus dem Nachlass der jeweiligen Künstler, sondern auch Vorzeichnungen, Musterbücher, Druckgraphik und Arbeiten von Schülern der jeweiligen Künstler in den Ankäufen enthalten waren. Auch heute noch ermöglicht der Bestand des Amerbach-Kabinetts, wie übrigens früher auch, die Kontextualisierung. Und davon lebt auch die Basler Ausstellung. Zum Kontext gehören die genannten Künstler, an erster Stelle sicher Hans Baldung Grien, der mit Spitzenwerken in der Ausstellung vertreten ist.

Sein Selbstbildnis um 1502 auf grünem Papier gehört zum Kühnsten in der damaligen Zeit, und gut möglich, dass ihm dieses Blatt, mit dem er sich vielleicht bei anderen Meistern beworben hatte, den Namenszusatz «Grien» einbrachte. Von Baldung Grien hat sich auch eine Silberstiftzeichnung des toten Erasmus erhalten, die am 12. Juli 1536 im Haus der Familie Froben an der Bäumleingasse, vermutlich im Auftrag von Bonifacius Amerbach, erstellt wurde. Die Ausstellung wartet nicht nur mit Spitzenwerken auf, sie ist auch vortrefflich gehängt und erschliesst einen bisher kaum bekannten Kosmos. Gleichzeitig ist es die letzte Ausstellung von Christian Müller als Konservator am Museum. Nach seiner baldigen Pensionierung wird er im Auftrag des Museums den Bestandeskatalog «Zeichnungen des 15. und 16. Jahrhundert» bearbeiten und sich dabei erneut den Werken Dürers und seines Umkreises widmen. Sein Wissen bleibt also auch in Zukunft dem Museum und Basel erhalten. Was natürlich besonders erfreut.

Albrecht Dürer und sein Kreis.

Kunstmuseum Basel. Bis 1. Februar 2015. www.kunstmuseumbasel.ch.

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