«Dieser Erfolg macht mich stolz»

K’Naan startet durch: Seine WM- Single für Coca-Cola, «Wavin’ Flag», ist auf Platz 1 der Schweizer Charts.

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«Dieser Erfolg macht mich stolz»

«Dieser Erfolg macht mich stolz»

Pascal Münger

Ein Song wie «Wavin’ Flag» schreibt man nur einmal im Leben. Umso besser für den somalischen Hip-Hopper K’Naan, dass er ihn praktisch zu Beginn seiner internationalen Karriere schrieb. Eigentlich ist sein Album «Troubadour», auf dem der eingängige Worldsong aus Hip- Hop und afrikanischen Klängen vertreten ist, schon seit einem Jahr auf dem Markt. «Damals war das Interesse an dem Song aber noch nicht so gross wie heute», sagt K’Naan, der nun in Kanada lebt. Seine Kindheit jedoch verbrachte der Musiker, der als Keinan Abdi Warsame geboren wurde, im vom Bürgerkrieg zerrütteten Somalien.

Spannend ist, dass die Erfolgsgeschichte des Songs mit einer Katastrophe begann: Nach dem Erdbeben in Haiti vom 12. Januar nahmen diverse kanadische Künstler das Lied unter dem Namen «Young Artists For Haiti» als Charity-Single auf. Unter ihnen Nelly Furtado und Avril Lavigne. Die neue Version von «Wavin’ Flag» schoss im März
direkt auf den ersten Platz der kanadischen Singlecharts – das war vorher nur Eminem und Taylor Swift gelungen.

Eine weitere Version des Songs mit dem Titel «Wavin’ Flag (The Celebration Mix)» wurde nun von Coca-Cola zum offiziellen Song für ihr «2010 FIFA World Cup»-Programm auserkoren. Damit startet es zum Siegeszug in den internationalen Charts, auch bei uns in der Schweiz. Am kommenden Sonntag wird der Song zuoberst auf dem Treppchen stehen. «Das ist eine grosse Ehre für mich», sagt K’Naan. «Was mir aber besonders viel bedeutet, ist, den Song in meiner Heimat Afrika an unserer Fussball-WM präsentieren zu dürfen.» Ein weiteres nettes Detail ist, dass K’Naans Song vom siebten Platz auf den ersten gehüpft ist. Damit versaut er Eminem, mit dessen Gesangstil er des Öfteren verglichen wurde, den Platz an der Sonne. Sein Song «Not Afraid» muss sich mit dem zweiten Platz begnügen. «Schadenfreude herrscht bei mir deswegen nicht», meint K’Naan. «Aber natürlich macht mich auch dieser Erfolg stolz.»

Mit den so genannten «Gangster-Rappern» hat der Afrikaner sowieso nicht viel am Hut. «Als ich noch in Somalia lebte, schickte mir mein Vater, der bereits in Kanada war, immer die aktuellsten Hip-Hop-CDs», erzählt K’Naan. «Natürlich habe ich die Texte damals nicht verstanden. Für mich war aber irgendwie klar, dass Musik eine schöne Melodie haben muss. Dadurch, dass die Rapper aus Übersee hart und motorisch rappten, entstand bei mir der Eindruck, dass sie über etwas Wichtiges sprechen und es deshalb nicht in schönen Melodien ausdrücken konnten.» Umso ernüchternder war dann die Erkenntnis, als K’Naan nach Kanada zog und der englischen Sprache mächtig wurde: «Das ganze Geprotze und die verbale Gewalt in der Szene waren nicht mein Ding. Zum Glück gab es auch ein paar ernstzunehmende Rapper wie Nas.»

K’Naan braucht nicht über Gewalt und Mord zu rappen, um sich Respekt zu verschaffen. Er hat solche Szenen rund um sich herum erlebt, während des Krieges in der Heimat. Er ist einer der wenigen Rapper, die wirklich Sachen gesehen haben, die ein Leben verändern. Das protzige Getue um die Bandenkriege von perspektivlosen Jugendlichen in der Bronx muss daher fast schon ein Affront für ihn sein. «Wütig macht mich das nicht», sagt hingegen K’Naan. «Es gibt ja auch im Kino die wertvollen Filme über reale Schicksale und die grossen Hollywood-Blockbuster, die in erster Linie unterhalten sollen.» Das Showbusiness sei nun mal so gestrickt.

Die Rapper zeigen viel Re-spekt für seine Biografie. K’Naan: «Einmal traf ich 50 Cent. Man sagte mir immer, er sei ein ziemlich arroganter Kerl. Als er mich sah, kam er auf mich zu und war total nett.» Andere Künstler hingegen sind in erster Linie vom musikalischen Talent des Somaliers überzeugt: Für den Song «If Rap Gets Jealous» unterstützt ihn Metallica-Gitarrist Kirk Hammett an der Gitarre, der K’Naan von Bob-Marley-Sohn Stephen Marley mit den Worten vorgestellt wurde: «Wenn man einen Künstler im Hip-Hop-Bereich kennen lernen sollte, ist das K’Naan.»