Photo Basel
Die erste Photomesse der Schweiz

Den zwei Basler Initianten schwebt vor, dass die St.Johanns-Vorstadt sich zur Photovorstadt entwickelt.

Susanna Petrin
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Die Galerie Esther Woerdehoff aus Paris gehört zu den bekanntesten an der ersten «Photo Basel» im Ackermannshof in der St.Johanns-Vorstadt.

Die Galerie Esther Woerdehoff aus Paris gehört zu den bekanntesten an der ersten «Photo Basel» im Ackermannshof in der St.Johanns-Vorstadt.

Roland Schmid

Wer hätte das gedacht? Im jährlich grösser werdenden Kunstdickicht während der Art-Woche gibt es eine grosse Lücke. Gab es. Denn zwei junge Basler haben sie entdeckt und geschlossen. Sven Eisenhut und Samuel Riggenbach haben heuer die erste Photokunstmesse initiiert. «Photo Basel» ist nicht nur die erste Photomesse während der Art, sondern sogar die erste schweizweit.

Die meisten staunten, aber es sei so, sagt Sven Eisenhut: «Es gibt in der Schweiz nichts Vergleichbares.» Am ehesten noch die «Photo 15» in Zürich, doch diese wird kaum kuratiert, jeder kann sich dafür bewerben. Eisenhut und Messespezialist Riggenbach waren vorletzten November an der grossen Photomesse in Paris (Paris Photo), da fiel es ihnen auf: Das gibt es ja nicht bei uns! Der bekannte Photograph Michael von Graffenried und Peter Herzog, der in Basel eine der grössten Photosammlungen aufgebaut hat, ermunterten die beiden: Ja, tut das, das ist gut für die Photographie, gut für Basel!

Bereits grosse Namen dabei

Sie haben es getan und das Resultat lässt sich sehen. Im Fokus ihrer ersten Photomesse stehen junge Künstlerinnen und Künstler unter 40 Jahren; ihnen gehört der untere Stock in den Räumen des Ackermannshofs. «So bekommen Galerien die Chance, junge Künstler zu verkaufen, zum Teil noch nicht grosse Namen», sagt Eisenhut.

In den oberen Stockwerken finden sich die Gruppenausstellung «Drive In» rund ums Auto als Sinnbild des amerikanischen Traums, reifere Werke sowie einige Klassiker der Photographie-Geschichte. Zum Beispiel Imogen Cunninghams Porträt der Malerin Frida Kahlo als junge Frau. Würde, Selbstständigkeit und natürliche Schönheit strahlt die schwarz-weisse Photographie von 1931 aus.

Noch ist diese Messe sehr überschaubar. Rund 20 Aussteller aus 10 Ländern sind dabei. Zu den Ersten, die zusagten, gehören zwei bekannte Namen: Esther Woerdehoff aus Paris und die Bildhalle aus Zürich. Bei der ersten Ausgabe einer Messe bestehe die Gefahr, dass alle abwarteten, wie sie sich entwickle, sagt Bildhalle-Gründerin Mirjam Cavegn. «Doch wenn niemand etwas unternimmt, läuft es nicht.» So hätten Woerdehoff und sie als Erstes zugesagt – darauf vertrauend, andere gute Galerien zum Mitziehen zu bewegen.

Die beiden Galeristinnen präsentieren denn auch einige der überzeugendsten Arbeiten. Sommergefühle kommen bei Woerdehoff auf: Ihre quietschbunten Schleckstängel aus Putzschwämmen der schweizerisch-dänischen Künstlergruppe PutPut haben es denn auch auf das «Photo Basel»-Plakat geschafft. Gegenüber kneift ein junger Mann mit nacktem Oberkörper beide Augen zu; auf seiner Schulter bespritzt ihn eine Seife mit Wasser. Dieses Porträt hat der aus Basel kommende Photograph Fabian Unternährer gemacht, er sei bereits «ein Shootingstar der Photographieszene», sagt Eisenhut.

Auf dem besten Weg dazu ist der Zürcher Douglas Mandry, der Anfang Monat für den Swiss Design Award nominiert worden ist. Schon bevor das bekannt geworden war, habe sie mehrere seiner Werke für die «Photo Basel» ausgewählt, erzählt Mirjam Cavegn. Mandry photographiert hier analog, bearbeitet die Bilder dann von Hand, jedes anders, und photographiert sie noch mal. So hat er das Bild einer Berglandschaft mit viel Himmel auf eine Leinwand gespannt, vor den oberen Teil einen Beutel gehängt und mit Milch gefüllt. Das Ergebnis: ein dräuendes Wolkenungetüm über kargen Bergen.

In China verboten

Der chinesische Künstler Ren Hang photographiert gern nackte Frauen, direkt und ausdrucksvoll, oft in der Natur. Den Bildern haftet nichts Pornographisches an und doch werde das von der chinesischen Behörde so empfunden, erzählt Dries Roelens der belgischen Galerie Stieglitz 19. In der Heimat kann Hang nicht ausstellen. Er wurde schon öfter festgenommen, sein Material zerstört. Was wir hier sehen, entstehe oft nachts, heimlich.

«Das könnte die wichtigste Photomesse werden», sagt Cavegn. «Sie hat noch Potenzial, sollte wachsen und strenger kuratiert werden.» Eisenhut ist dazu entschlossen. Bereits hätten Nachbarn ihm einen weiteren Raum angeboten. Seine Vision: «Die St. Johanns-Vorstadt wird die Photostrasse der Art.»

Noch heute: www.photo-basel.com