Kunstmuseum Baselland
Des Künstlers malender Diener

Im Kunsthaus Baselland malt seit zwei Monaten ein Roboter. Macht er seinen Job gut?

Mathias balzer
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«The Painter» arbeitet noch bis Mitte Juli in Muttenzzvg

«The Painter» arbeitet noch bis Mitte Juli in Muttenzzvg

Normalerweise ist das orangefarbene Ungetüm in der Cinecittà bei Rom tätig, spezialisiert auf Filmeffekte. Hier, im Kunsthaus Baselland malt der Roboter seit Ende April an acht Bildern. Betritt ein Besucher den Raum, nimmt die Maschine ihre Arbeit auf. Nach einem nicht zu entschlüsselnden System taucht er den Pinsel in einen oder in mehrere der Farbtöpfe am Boden, reckt den Arm und malt mit mal feiner mal auslandender Geste geometrische Muster auf die Papierbahnen.

Installiert hat das Werk namens «The Painter» Piero Golia (bz vom 27. April). Der 43-jährige Neapolitaner arbeitet seit einiger Zeit in Los Angeles. «Mich hat das Potenzial einer Maschine gereizt, die einerseits choreografiert werden, andererseits aber auch ihre eigenen Reaktionen erzeugen kann», erklärt der Künstler im Buch, das zum Projekt «The Painter» erschienen ist.

Und tatsächlich führt sein Roboter ein Eigenleben, das durch einen Algorithmus gesteuert wird. Je nach Besucherzahl verhält er sich anders, wechselt Leinwand, Farbe und Muster. Ines Goldbach, die Direktorin der Kunsthalle, staunt auch nach zwei Monaten noch über die Maschine. «An der Art Basel war der Roboter ein Publikumsmagnet, deshalb musste er viel arbeiten. Doch plötzlich, nach zwei Tagen, riss er zwei Papierbahnen von der Wand. Ich weiss heute noch nicht, ob das ein Unfall war, oder sein Zeichen dafür, dass ihm all die Arbeit zuviel wurde.»

«Ist das alles?»

Kreise, Rechtecke, Dreiecke, in Grün- und Gelbtönen, unterschiedlichst übereinandergeschichtet. So sehen die Bilder von «The Painter» aus. Unspektakulär, minimalistisch, etwas gar einfach, könnte man sagen. «Ist das alles?», flüsterte am Mittwoch eine Besucherin der Ausstellung der anderen zu. Die beiden Damen zeigten sich etwas enttäuscht über die Malerei – und doch fasziniert vom Imponiergehabe der Maschine. Dass sie selbst eben Teil der Arbeit geworden sind, war ihnen gar nicht bewusst. Der von einem Techniker im Auftrag des Künstlers programmierte «Maler» malt hier nur, wenn jemand das Atelier betritt. Ansonsten ruht er.

Golia treibt mit seiner Installation ein hintergründiges Spiel. Einerseits lässt er die Maschine für sich malen, um für andere Projekte Zeit zu haben, wie beispielsweise seine Mountain School of Art in Kalifornien. Andererseits macht er Mechanismen der Kunstwelt lesbar. Oft ist eben nicht so wichtig, was gemalt wird, sondern von wem und für wen. Und mit welcher Gestik. Das Stück, das er uns hier vorführt, könnte auch heissen: «Der Maler, der nur malt, wenn er gesehen wird».

«The Painter» ist noch bis Sonntag 16. Juli, aktiv. Parallel laufen im Kunsthaus Baselland die Ausstellungen von Markus Amm und Itziar Okariz.

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