Mein Lieblingswerk
Der unbelauschte Moment

Désirée Meiser, künstlerische Leiterin des «Gare Du Nord», wählte Hans Holbeins «Bildnis des schreibenden Erasmus» als ihr Lieblingswerk aus dem Kunstmuseum.

Désirée Meiser
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Hans Holbein d. J.: «Bildnis des schreibenden Erasmus von Rotterdam» (1523). 37,1 ×30,8 cm; Mischtechnik auf Papier, auf Tannenholz aufgeklebt. Martin P.Bühler/Kunstmuseum Basel

Hans Holbein d. J.: «Bildnis des schreibenden Erasmus von Rotterdam» (1523). 37,1 ×30,8 cm; Mischtechnik auf Papier, auf Tannenholz aufgeklebt. Martin P.Bühler/Kunstmuseum Basel

Kunstmuseum Basel, Martin P. Büh

«Wann ich mich entschieden habe, das Porträt des Erasmus von Holbein dem Jüngeren (1497–1543) als mein Lieblingsbild zu deklarieren (was ja genauso schwer zu bestimmen ist wie das Lieblingsessen ...), weiss ich nicht mehr, aber es ist halt passiert.

Désirée Meiser.

Désirée Meiser.

In der Biografie «Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam» beschreibt Stefan Zweig ziemlich genau, was mich an diesem Bild damals so faszinierte und bis heute berührt: ‹Grossartig gelangt in dieser Darstellung der sonst unbelauschte Moment der chemischen Kraftumschaltung von geistiger Materie zu Form und Schrift zur Erscheinung. Stundenlang kann man dieses Bild ansehen und seiner schwingenden Stille lauschen, denn im Symbol des arbeitenden Erasmus hat Holbein den heiligen Ernst jedes geistigen Arbeiters, die unsichtbare Geduld jedes wahren Künstlers verewigt.›

Schön, oder?!»