Kunst
Der letzte Schliff – mit etwas Gefühl

Neun Mal ist der 50-jährige Hannes Luterbacher an der Triennale mit dabei gewesen. Das sind insgesamt 27 Jahre. Der künstlerische Leiter will Jüngeren Platz machen, wie er sagt und schlägt gleichzeitig tapfer die Nägel für die Bilder in die Wände.

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Triennale, Hannes Luterbach, Eva Vautier

Triennale, Hannes Luterbach, Eva Vautier

Solothurner Zeitung

Urs Byland

Heute startet Triennale mit Vernissage

Heute Abend um 19 Uhr startet die Triennale in der Grenchner Tennishalle mit der Vernissage. Vier Tage stehen bevor, an denen die Originaldruckgrafik im Mittelpunkt des Interesses steht. Noch im Juni führte das Organisationskomitee eine Namensänderung durch. Triennale «art limited - multiple art» soll aber vor allem international zu einer stärkeren Beachtung führen. In der Region bleibt die Grenchner Originaldruckgrafikmesse die Triennale. Diese feiert vom 10. bis 14. September nicht nur ihre 18. Ausgabe sondern auch ihr 50-jähriges Bestehen. Dieses konnte nicht im letzten Jahr - 1958 fand die erste Triennale statt - gefeiert werden, weil die Messe alle drei Jahre stattfindet. Rund 4000 Besucher aus der ganzen Schweiz und dem angrenzenden Ausland strömen jeweils an die älteste Schweizer Ausstellung der Originaldruckgrafik. Ihr Jubiläum feierte die art limited bereits mit der Produktion der weltweit grössten Grafik auf dem Marktplatz mitten in Grenchen. Zwei Sonderausstellungen sowie ein Rahmenprogramm runden die Jubiläumsfeier ab. Die Messe hat sich zu einer der wichtigsten Ausstellungen im Bereich der Druckgrafik entwickelt. Verleger aus dem In- und Ausland zeigen mit Werken von rund 200 Künstlern aktuelle Tendenzen und Entwicklungen im Bereich der multiplizierbaren Kunst. (uby)

18. Triennale «art limited - multiple art», Freitag 11. bis Montag 14. September, Tennisshalle, Grenchen. Offen: Fr 13-21, Sa+So 10-21, Mo 10-18. Vernissage: Donnerstag 10.September, 19 Uhr.

Ein Problem sind an diesem Donnerstag Morgen die Leitern. Mit Ausnahme des künstlerischen Leiters hat jeder seine eigene Leiter in die Tennishalle mitgenommen. Bilder, Beschriftungen oder Lampen sind eher in der Höhe angesiedelt und öfters braucht man halt eine Leiter. So auch Hannes Luterbacher, der gerade die Bilder der Sonderausstellung Ben Vautier hängt. Irgendwie löst sich das Problem und eine Leiter wird für ihn herbeigezaubert.

Andere Probleme lassen sich nicht so schnell beheben. «Ganz klar ein Ausdruck der Krise», sagt Luterbacher. «Ich hatte anfangs Jahr die mündliche Zusage von 34 Editeuren.» Die Editeure sind die Verleger von Originaldruckgrafiken, eigentlich die Händler der Grafiken. «Beinahe die Hälfte musste mir absagen. Es gibt welche, die haben in diesem Jahr noch kein Blatt verkauft.» Damit ist auch schon eine der Hauptaufgaben des künstlerischen Leiters der Triennale angesprochen: das Akquirieren der Editeure. Dazu gehört der Besuch der Kunstmessen und der ständige Kontakt.

Kleinere Auflage, grösserer Wert

«Natürlich bin ich etwas enttäuscht. Ich bin eher für eine Vorwärtsstrategie, schliesslich richten sich die Grafiken an ein Publikum mit einem kleineren Portemonnaie. Das sollte man jetzt nutzen.» Zudem seien die Zeiten vorbei, als Künstler Grafiken in Grossauflagen in den Markt warfen. «Hundertwasser beispielsweise, der machte Grafiken in einer Auflage von 1800 oder 2600 Stück. Hier an der Triennale weise ich die Editeure an, nur Künstler mit Auflagen bis maximal 100 Exemplaren zu präsentieren.»

Zu Hannes Luterbachers Aufgaben gehört auch die Standplanung in der Tennishalle. Die Aufteilung der Standboxen ähnelt derjenigen der letzten Ausgabe, zumal wieder zwei grössere Sonderausstellungen Platz finden müssen. Vor drei Jahren waren diese Bernhard Luginbühl und der Künstlergruppe «Die Brücke» (1905-1913) gewidmet. Zum 50-Jahr-Jubiläum der Triennale, sinnigerweise im 51. Jahr nach der ersten Ausgabe, kommen die Akademie der Bildenden Künste München sowie Ben Vautier zu Ehren.

Das Handy klingelt zum xten Mal. Ein Problem muss geklärt werden. Der Stromer tritt hinzu und will auch eine Antwort auf seine Frage. Und der Standbauer muss schon gar nicht fragen. Hannes Luterbacher ahnt, was er will und erklärt. In diesen Momenten spürt man die ganze Routine von Luterbacher, den nichts wirklich zu erschüttern vermag.

Etwas Museum an der Messe

«il n'y a pas de vérité (faux/ vrai)» ist nicht einfach zu hängen. Die Grafik von Ben Vautier ändert ihre Aussage je nach Standpunkt des Betrachters. Nun muss der richtige Platz für das Bild gewählt werden. Auch eine der Kernaufgaben des künstlerischen Leiters. Er hängt die Sonderausstellungen, in diesem Jahr nur die von Vautier. «Ich wollte unbedingt bordeauxrote Wände. Das fördert den musealen Charakter innerhalb der Messe.» Ihm zur Seite steht Eva Vautier. Die Tochter ist Hüterin von Vaters Schatz. Keine Grafik wird ohne ihr Einverständnis an die Wand genagelt.

Die Kunst soll etwas ruhen

An einigen Wänden hängen die Bilder scheinbar auf einer Linie. An den übrigen Wänden kommt die «Petersburger-Hängung» zum Tragen. Will heissen: die ganze Wand wird behängt. «Hier hänge ich rein nach Gefühl, davon habe ich noch ein wenig.» Aber nach der 18. Triennale wird Luterbacher die Nägel beiseite legen. «Mit Schrecken habe ich festgestellt, dass dies bereits meine neunte Triennale ist. Und ich habe mir geschworen, dass ich nicht zehn Mal dabei sein werde.» Die Kunst soll etwas ruhen, so Luterbacher.

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