Tod eines Künstlers
Der Künstler Bernhard Luginbühl ist tot

Der Berner Künstler ist am Samstag gestorben. Der Eisenplastiker hat seit 1947 rund 1500 Skulpturen geschaffen. Populär machten ihn aber auch seine spektakulären Verbrennungsaktionen.

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Bernhard Luginbühl
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1929 wurde er im Berner Lorrainequartier als Metzgerssohn geboren. Er war ein Künstler mit Bodenhaftung. «Jedes kleinste Ding hat für mich Bedeutung», sagt er im Herbst 2003 anlässlich seiner Ausstellung im Museum Tinguely in Basel.

Dazu zählten nicht nur Eisenteile, sondern auch Schädel, Knochen, Skelette, Holzabfälle, gar Kanonen und Sturmgewehre. Sie alle wurden Teile seiner surrealen Ungeheuer.Luginbühls Werk ist wie eine monströse Berner Schlachtplatte: üppig bestückt, überaus sinnlich und tonnenschwer. In seinem industriellen Zoo tummeln sich Fabelwesen wie «Stier», «Sisyphus», «Zyklop», «Elefant», «Giraffe», «Atlas» oder «Skarabäus» und erzählen mit unheimlicher Wucht urweltliche Geschichten.

Monströse Schlachtplatte

Dabei sind die Wesen ganz heutig: Schrottplätzen entwachsen. Dort sucht der Künstler ihre Teile zusammen, um sie zu seinen Riesenskulpturen zusammenzuschweissen.

Die Liebe zum industriellen Abfall teilt er mit Künstlern wie Jean Tinguely oder Robert Müller. Mit ihnen teilt er auch die Anerkennung über die Landesgrenzen hinaus, wobei sich Luginbühl in Mötschwil im Emmental, wo er seit 1966 lebt, wesentlich wohler fühlt als auf dem internationalen Kunstparkett. Luginbühl, 1929 im Berner Lorrainequartier als Metzgerssohn geboren, war ein Künstler mit Bodenhaftung - auch wenn ihm gerne wenig schmeichelhafte Attribute wie «Pyromane» oder «Schrottkünstler» verliehen wurden.

Doch Luginbühl war nicht nur Eisenplastiker. Er war auch Grafiker, Lyriker und - vor allem in den 1990er Jahren - populärer Verbrennungskünstler. Sein Protest gegen die Zerstörung der Lebensgrundlagen ging dabei Hand in Hand mit einem ausgeprägten Sinn für den spektakulären, publikumswirksamen Event.

Zu seinem 70. Geburtstag etwa verbrannte er auf dem Zürcher Sechseläutenplatz die zehn Meter hohe Holzskulptur mit dem vulkanischen Namen «Popocatepetl».

Sich der Vergänglichkeit bewusst

Dem Leben und seiner Vergänglichkeit war Luginbühl schon früh auf der Spur. In den 1950er Jahren schuf er dem damaligen Trend entsprechende, kleine geometrisch-abstrakte Eisenplastiken (»C- Figur» oder «Element»), begleitete sie aber mit lebensnahen Gebilden wie «Modell zur Kuh» oder «Roter Frosch».

Bald sprengte der Künstler jedoch die Ketten der prüden Nachkriegs-Ordnung: Es entstanden das «Nashornbösschen», «Bärengefängnis mit Anker» oder der gewaltige «General mit goldener Zehe», schliesslich der rostige «Grosse Frosch» (1986).

Luginbühl war zufrieden, wenn er arbeiten konnte - in den vergangenen Jahren mit tatkräftiger Hilfe seiner Söhne Basil, Jwan und Brutus, die ihn vom Schweissen entlasteten.

Wie seine Familie am Sonntagabend mitteilte, ist Luginbühl kurz nach seinem 82. Geburtstag am 16. Februar friedlich für immer eingeschlafen. Eine öffentliche Abdankung wird nicht stattfinden, Bernhard Luginbühl wird im engsten Familienkreis beigesetzt werden.
(cls)

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