Kulturpolitik
Der Kulturkanton Aargau ist mit seinen Flaggschiffen auf Kurs

Neun ausgewählte Kultur-Institutionen bekommen vom Kanton Geld an ihre Betriebskosten. Diese Flaggschiffe seien gut unterwegs, finden Regierungsrat Hürzeler und Kulturchef Hans Ulrich Glarner.

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Murikultur sorgt für ein umfassendes Kulturprogramm, etwa für Konzerte in der Klosterkirche.

Murikultur sorgt für ein umfassendes Kulturprogramm, etwa für Konzerte in der Klosterkirche.

Zur Verfügung gestellt

Was haben das Stapferhaus, das KiFF, Fantoche oder Murikultur gemeinsam? Sie sind - zusammen mit fünf weiteren Kulturinstitutionen - die kulturellen Leuchttürme des Aargaus. Oder wie es in der Amtssprache und im Kulturgesetz heisst: Sie sind «kulturelle Institutionen von mindestens kantonaler Bedeutung».

Beiträge an die Leuchttürme

Beiträge 2010-2012:
Stapferhaus Lenzburg
(3 x Fr. 350 000.-)
Museum Langmatt Baden
(3 x Fr. 200 000.-)
Schweizer Kindermuseum Baden (3 x Fr. 150 000.-)
Beiträge 2011-2013:
Aargauer Symphonie Orchester
(1 x Fr. 100 000.-, 2 x Fr. 400 000.-)
KiFF Aarau (3 x Fr. 200 000.-)
Künstlerhaus Boswil
(3 x Fr. 350 000.-)
Murikultur (1 x Fr. 100 000.-,
2 x Fr. 150 000.-)
Beiträge 2012-2014:
Fantoche (3 x Fr. 350 000.-)
Beiträge 2012-2015:
Tanz- und Kunst Königsfelden
(1 x Fr. 75 000.-, 3 x Fr. 175 000.-)
Beiträge 2013-2014/2015:
Museum Langmatt Baden
(2 x Fr. 200 000.-)
Stapferhaus Lenzburg
(3 x Fr. 350 000.-)
Schweizer Kindermuseum Baden (3 x Fr. 150 000.-)

Solche Leuchttürme im Aargau gibt es erst seit drei Jahren. Zeit also für eine Bilanz. Was meint Regierungsrat Alex Hürzeler, der oberste Kulturverantwortliche im Kanton? «Ich ziehe eine positive Bilanz. Dies vor allem, weil dank dem Instrument neben bereits bekannten auch bis anhin im überregionalen und nationalen Kontext wenig wahrnehmbare Kulturinstitutionen ein Gesicht erhalten haben.»

Die Kulturkommission

Die Kulturkommission berät den Regierungsrat und in kulturellen Fragen, insbesondere bei der Auswahl der Leuchttürme. Die Mitglieder für die Periode 2010-2103:
Alex Hürzeler, Regierungsrat (Präsident)
Hanspeter Thür, Präsident Theater Tuchlaube, Aarau (Vizepräsident)
Lieni Füglistaller, Alt-Nationalrat, Rudolfstetten-Friedlisberg
Hedy Graber, Leiterin der Direktion Kultur und Soziales des Migros Genossenschafts-Bundes, Zürich
Linus Hüsser, Historiker, Ueken
Simon Libsig, Autor und Erzähler, Baden
Josef Meier, Präsident des Aargauer Kunstvereins, Baden
Urs Pilgrim, Präsident der Stiftung St. Martin, Muri
Ruth Soland, Musikerin und Musikpädagogin, Zofingen
Maja Wanner, Grossrätin, Würenlos
Gillian White, Bildende Künstlerin, Leibstadt

Folge des neuen Kulturgesetzes

Die neun Kultur-Organisationen bekommen vom Kanton Geld an ihre Betriebskosten - und zwar aus dem ordentlichen Staatsbudget. Was so üblich klingt, wurde im Aargau aber erst mit der Revision des Kulturgesetzes 2010 möglich. Vorher durfte der Kanton die Betriebskosten nur bei seinen eigenen Institutionen - wie dem Kunsthaus oder dem Museum Aargau - finanzieren.

Für alle anderen, die in den letzten Jahrzehnten entstanden waren oder gewachsen sind, gab es nur Beiträge an Projekte vom Aargauer Kuratorium oder vom Swisslos Fonds. «Das Förderinstrument beendete die chronische Unterfinanzierung bedeutender aargauischer Kulturinstitutionen», sagt Kulturchef Hans Ulrich Glarner. Und er hält fest: «Der Kulturkanton ist mit seinen Flaggschiffen auf Kurs!»

Gab es also keine Fehlentscheide, keine Enttäuschungen? Glarner: «Im Gegenteil: Das Beispiel Muri zeigt, dass dank den Betriebsbeiträgen ein wahrer Exploit möglich wurde.»

Motivation für andere

Die neun Flaggschiffe ausgewählt hat die seit 2010 eingesetzte Kulturkommission (siehe Box) aufgrund von Bewerbungen. Damit die Kulturhäuser langfristig planen können, schliesst die Abteilung Kultur jeweils mehrjährige Leistungsverträge ab. Die Beträge variieren zwischen 75 000 und 400 000 Franken pro Jahr. Reicht das? «Zusammen mit den Projektbeiträgen aus dem Swisslos-Fonds ist nun eine professionelle Leistung sichergestellt», sagt Glarner.

Aktuell gibt es neun Leuchttürme. Werden neue dazu kommen? Glarner rechnet mit einer zehnten Institution: «Wenn die Kriterien erfüllt sind, besteht Anrecht auf Unterstützung. § 10 ist kein ‹Kann-Artikel›.» Und Regierungsrat Hürzeler sieht das Förderinstrument auch als Motivation: «Das sollte für weitere Aargauer Kulturinstitutionen Ansporn sein, sich überregional zu zeigen und ihr Angebot national auszurichten.»

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