Der König ist tot, es lebe der Pop

Vor einem Jahr ist Michael Jackson gestorben. Das viel beschworene Ende der Popmusik ist nicht eingetreten. Im Gegenteil: Sie ist vielfältiger, bedeutender und vitaler denn je. Und: Det tote Jackson verdient mehr als der lebende.

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Michael Jackson
16 Bilder
Michael Jackson mit 13 1972: Michael Jackson ist 13 Jahre alt. Er ist das jüngste Mitglied der Jackson 5.
Jackson 5 Michael Jackson mit den Jackson 5.
M. Jackson American Music Award 1981 gewinnt Michael Jackson den «American Music Award» links: Diana Ross
Michael Jackson Grammy Awards 1984 gewinnt Michael Jackson acht Grammy Awards.
Michael Jackson u. Brooke Shields Michael Jackson mit der Schauspielerin Brooke Shiels 1984 an den American Music Awards.
Michael Jackson «Victory Tour» 1984 während seiner «Victory Tour».
Michael Jackson «Victory Tour»
Michael Jackson Super Bowl 1993 tritt Michael Jackson am Super Bowl auf.
M. Jackson «Millennium Award» Im Jahre 2000 wird Jackson den «Millennium Award» verliehen.
Michael Jackson u. Britney Spears 2001 performt Michael Jackson mit Britney Spears in New York. Er feiert den 30 Geburtstag seiner Solo-Karriere.
Michael Jackson Performance 2002: Michael Jackson performt «Dangerous»
Michael Jackson m. Maske Immer öfter sah man Michael Jackson mit einer Maske. So auch 2002 in Berlin.
Michael Jackson Anklage 2005 wurde Michael Jackson freigesprochen. Er wurde wegen Kindesmissbrauchs angeklagt.
Michael Jackson 2005 Michael Jackson 2005 in Santa Maria.
Michael Jackson Comeback Am 5. März 2009 verkündete Michael Jackson sein Comeback. In England wollte er 50 Konzerte geben.

Michael Jackson

Keystone

Stefan Künzli

«Der König ist tot – der Pop ist tot.» Immer und immer wieder wurde vor einem Jahr in den Feuilletons die These wiederholt, dass mit dem Tod von Michael Jackson auch der Pop am Ende sei. Ein Jahr später kann festgehalten werden: völliger Unsinn.

Goldgrube «Jacko» Der King of Pop hat gemäss dem US-Branchenblatt «Billboard» seit seinem Ableben über eine Milliarde Dollar eingespielt. Unglaubliche 33 Millionen Alben hat Michael Jackson verkauft. «Thriller», schon zuvor das meistverkaufte Album der Welt, wurde bis heute 110 Millionen Mal verkauft. Aus dem Sony-Music-Katalog und anderen Veröffentlichungen haben die Jackson-Nachlassverwalter bisher 130 Millionen Dollar kassiert. Zu den Rekordumsätzen des letzten Jahres verhalfen auch Downloads und Klingeltöne. Der grösste Brocken kommt aber aus den Umsätzen für TV- und Filmrechte sowie durch die Einspielergebnisse der Tour-Dokumentation «This Is It». Im Kino und auf DVD wurden 392 Millionen Dollar in die Kassen der Nachlass-Verwalter gespült. Dazu kommen die Einnahmen aus Lizenzgebühren und Souvenirverkäufen von 35 Millionen Dollar. Und ein Ende ist nicht abzusehen: Zwischen 2010 und 2017 wird Sony weitere zehn Jackson-Alben (Wiederveröffentlichungen und Alben mit unbekanntem und neuem Material) veröffentlichen, die nochmals geschätzte 200 und 250 Millionen Dollar einspielen werden. (sk)  

Goldgrube «Jacko» Der King of Pop hat gemäss dem US-Branchenblatt «Billboard» seit seinem Ableben über eine Milliarde Dollar eingespielt. Unglaubliche 33 Millionen Alben hat Michael Jackson verkauft. «Thriller», schon zuvor das meistverkaufte Album der Welt, wurde bis heute 110 Millionen Mal verkauft. Aus dem Sony-Music-Katalog und anderen Veröffentlichungen haben die Jackson-Nachlassverwalter bisher 130 Millionen Dollar kassiert. Zu den Rekordumsätzen des letzten Jahres verhalfen auch Downloads und Klingeltöne. Der grösste Brocken kommt aber aus den Umsätzen für TV- und Filmrechte sowie durch die Einspielergebnisse der Tour-Dokumentation «This Is It». Im Kino und auf DVD wurden 392 Millionen Dollar in die Kassen der Nachlass-Verwalter gespült. Dazu kommen die Einnahmen aus Lizenzgebühren und Souvenirverkäufen von 35 Millionen Dollar. Und ein Ende ist nicht abzusehen: Zwischen 2010 und 2017 wird Sony weitere zehn Jackson-Alben (Wiederveröffentlichungen und Alben mit unbekanntem und neuem Material) veröffentlichen, die nochmals geschätzte 200 und 250 Millionen Dollar einspielen werden. (sk)  

Keystone

Keine Krise

Gerade im vergangenen Jahr hat der Pop seine Erneuerungskraft eindrücklich bestätigt. Lady Gaga ist ja weiss Gott nichts Neues. Aber der Pop speist sich je länger, je mehr aus sich selber. Das vermeintliche Ende wird zum Anfang. Pop ist auch zu einer dynamischen Renaissance-Kultur geworden, die sich immer wieder selbst überlebt. Und der Pop historisiert sich selber, indem das Gewesene zum Kanon erklärt wird und sich gleichzeitig aktualisiert.

Quicklebendig präsentiert sich auch die Branche. Dabei gilt es, ein Missverständnis auszuräumen. Die viel bejammerte Krise der Pop-Branche beschränkt sich auf die Tonträger-Industrie. Die Konzert-Szene boomt wie nie zuvor und gerade das Beispiel Michael Jackson zeigt, auf wie vielen Kanälen Geld verdient werden kann.

Königsmacher Netz

Das Internet, das mit den illegalen Downloads massgeblich zum Niedergang der Tonträger-Industrie beiträgt, unterstützt den Siegeszug des Pop. Das Netz ist nicht Totengräber, sondern Königsmacher. Alles ist überall und jederzeit zugänglich. Pop – grosszügig als Populärmusik mit all seinen Stilen, Substilen und Schattierungen definiert – ist dank dem Internet vielfältiger und reicher geworden.

Diese Vielfalt wird aber von den Todespropheten als Schwäche und Bedeutungsverlust interpretiert. Richtig ist vielmehr: Die Popmusik hat sich aufgesplittert in unzählige Popkulturen: In sich geschlossene Königreiche. Einen Pop-Konsens wie Ende der 60er-Jahre gibt es nicht mehr, dafür viele verschiedene Wahrheiten und Botschaften.

Selbst Nischen bald ein Massenphänomen?

Doch mit der Unterstützung des Internets können selbst ausgesprochene Nischen des Pop und Rock zu Massenphänomenen werden. So haben zum Beispiel die Könige des so genannten «Thrash Metal» am letzten Wochenende 47000 Fans ins Niemandsland von Jonschwil locken können.

Pop ist überall und erreicht jeden. Noch nie war Pop so relevant wie heute. Für den deutschen Sozialwissenschafter Roger Behrens ist Pop sogar zur Leitkunst geworden. Zu jener Kunstform, die den Zeitgeist am adäquatesten zum Ausdruck bringt und damit die grösste gesellschaftliche Wirkung hat. Der König ist tot, es lebe König Pop.

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