Festival
Cello vom Feinsten in Liestal

Während fünf Tagen steht Liestal ganz im Zeichen des Cellos. Intendant Nicolas Altstaedt holt für das VivaCello-Festival hochkarätige Jungstars ins Stedtli.

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Emanuel Stotzer

In der Klassik-Szene gibt es immer wieder Musikerinnen und Musiker, die irgendwann ihr Instrument musikalisch ausgereizt haben. Die mehr wollen, als nur die immer gleichen Solo-Konzerte spielen. Die sich musikalisch auch auf anderen Bühnen austoben möchten. Sie werden Intendanten, programmieren ganze Konzertreihen oder Festivals. Und die Allerbesten werden Dirigent.

Nicolas Altstaedt macht beides — mit gerade einmal 33 Jahren. Der Cellist aus Heidelberg spielt etwa das komplexe Cellokonzert von Robert Schumann und leitet das Sinfonieorchester selbst vom Solistenpult aus. Während seine Finger die hochvirtuosen Skalen rauf und runter jagen, und sein Bogen zarteste Töne aus seinem Instrument hervorzaubert, gibt er gleichzeitig dem Orchester Einsätze und zeigt Gestaltungslinien an (eindrücklich nachzuhören auf Youtube).

Altstaedt ist auch Intendant — aktuell beim Festival Viva Cello in Liestal. Während fünf Tagen finden hier 14 Konzerte rund um das Violoncello statt — und diese Konzerte tragen eindeutig Altstaedts Handschrift. Denn anders als bei der letzten Festivalausgabe 2011 unter Intendant Ivan Monighetti, der die ganz grossen, aber eben auch alten Stars der Cellistenzunft nach Liestal holte, bringt Altstaedt Kolleginnen und Kollegen seiner eigenen Generation mit.

Internationale Stars

Seine deutschen Cello-Kollegen Julian Steckel (* 1982) und Maximilian Hornung (* 1986) zählen ebenso zu seinen Gästen wie der junge, norwegische Geigenstar Vilde Frang (* 1986). Aber auch regionale Künstler wie das Chaarts-Ensemble aus dem Kanton Aargau und die Basler Madrigalisten sind mit von der Partie.

Programmatisch schafft Altstaedt den Spagat zwischen Altbewährtem und Neuer Musik: Kompositionen des — ebenfalls mitwirkenden — italienischen Cellisten Giovanni Sollima stehen neben Werken von Tan Dun, Henri Dutillieux, Dieter Ammann und Pierre Boulez auf dem Programm. Aber auch Mozart-, Bach-, Haydn- und Vivaldi-Fans kommen auf ihre Kosten, etwa am 22. und 23. September, jeweils um
20 Uhr in der Stadtkirche Liestal.

Eröffnet wird das Festival am Mittwoch, den 21. September, bereits um 9.15 Uhr im Kulturhotel Guggenheim: Hier gibt es Mittwoch bis Freitag jeweils ein kurzes, erfrischendes musikalisches Frühstück — mit Solosuiten von Bach. Es folgen verschiedene Education-Konzerte, bei denen Kindergärtner und Schülerinnen den Musikern über die Schulter schauen dürfen. Mittags spannt das Festival mit der Genusswoche Liestal zusammen und bietet Lunchs mit musikalischen Zwischengängen an, etwa von den cellistischen Kabarettisten Alain Schudel und Daniel Scherrer am 21. September um 12.30 Uhr im Restaurant zur Stadtmühle.

Die Wurzel des Cellos

Sogar ein Konzert ganz ohne Cello hat Platz im Programm: Am Samstag, den 24. September, spielt um 14.30 Uhr in der Stadtkirche Liestal das Gambenconsort Phantasm Musik aus der Zeit William Shakespeares. So sind auch die Wurzeln des Cellos beim Festival vertreten: Die Viola da Gamba ist das deutlich ältere Instrument und wurde im 18. Jahrhundert vom Cello abgelöst.

Schade nur, dass sich Viva Cello zeitlich mit dem Festival Klangbasel überschneidet. So werden alle Klassik-Fans am Wochenende des 24. und 25. Septembers die Qual der Wahl haben — denn hochkarätige und einfallsreiche Konzertprogramme gibt es dann auf beiden Seiten der Kantonsgrenze zu erleben.

Viva Cello Mi, 21.9., bis So, 25.9., Liestal, verschiedene Orte. Detailprogramm
unter: www.vivacello.ch